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Vom Ja-Sager zum Drohnenbauer

Kim Richters, Gründerszene 28.09.2016

Nicolas Chibac arbeitete eigentlich in der Werbeindustrie. Im Interview mit Gründerszene erzählt er, wie er auf die Idee kam, eine Drohne mit 360-Grad-Kamerasystem zu bauen.

Eigentlich ist Nicolas Chibac Filmregisseur und Fotograf. Doch seit einigen Wochen springt der Hamburger von einer Pitch-Show zur nächsten. Ob die Tech-Konferenz South by Southwest in den USA, der Pirate Summit in Köln oder das Reeperbahn Festival in Hamburg – Chibac nimmt sie alle mit. Der Grund: seine Kamera-Drohne Spherie.

Der Prototyp der Drohne ist derzeit mit sechs GoPro-Kameras ausgestattet, die gemeinsam für 360-Grad-Aufnahmen sorgen. Das Gestell der Drohne liegt dazu in den toten Winkeln der Kameras und ist nicht zu sehen. Die Vibrationen der acht Propeller werden durch die Bauweise des Würfels abgefangen, für die Chibac und Drohneningenieur Jonathan Hesselbarth ein Patent angemeldet haben. Schaut man sich ein Spherie-Video mit einer Virtual-Reality-Brille an, hat man das Gefühl durch die Szenerie zu fliegen. Ohne Brille sieht das Ganze nicht weniger beeindruckend aus:

Spherie gibt es bisher nicht für Endkunden im Handel. Derzeit konzentriert sich das dahinter stehende Startup SpiceVR darauf, den Prototypen für B2B-Kunden weiterzuentwickeln. Dazu gehört zwar auch die Filmbranche: Für den DJ Robin Schulz drehte Chibac zum Beispiel ein 360-Grad-Musikvideo. Doch auch die Industrie könne von der Drohne und ihren Aufnahmen profitieren, glaubt der Gründer. Im Interview erzählt Chibac, wie er auf die Idee zu Spherie kam und was er in Zukunft mit der Drohne vorhat.

Gründerszene: Nicolas, wie bist Du darauf gekommen, eine Drohne wie Spherie zu entwickeln?
Nicolas Chibac: Ich habe acht Jahre lang Touristik-Werbung gemacht, unter anderem Werbespots und Panorama-Fototouren. Dabei habe ich mir dann irgendwann gedacht: Wie kann ich die beiden Welten miteinander verbinden? Also habe ich angefangen, mit 360-Grad-Filmen zu experimentieren.

Und da kam die Idee zu Spherie?
Nicolas: Spherie haben wir entwickelt, weil wir ein Kamerasystem brauchten, bei dem man nicht den Kameramann oder die Halterung sieht. Wenn du in alle Richtungen filmst, hast du natürlich das Problem, dass du auch alles siehst. Aber irgendwo muss die Kamera ja dran befestigt sein. Wenn du vom Stativ filmst, kannst du eine Halterung leicht retuschieren. Bewegt sich die Kamera wird’s schon schwieriger. Da war die einzige Lösung, eine Drohne zu bauen, die zwischen den Blindspots der Kameras versteckt ist.

Wie kam es zur Umsetzung?
Nicolas: Ich habe dann durch Zufall Jonathan Hesselbarth auf der Republica Media Convention kennengelernt. Auf der Abschlussfeier haben wir dann beim Bier trinken die ersten Skizzen auf Servietten gezeichnet. Er hat letztendlich meine Systemvorstellungen technisch umgesetzt und flugfähig gemacht. Und die erste Spherie hat auch direkt funktioniert. Aber das Finetuning ist dann mindestens noch mal genauso aufwendig gewesen.

Wie finanziert Ihr Euch?
Nicolas: Wir wollen jetzt anfangen, Gelder einzusammeln, um alles zu beschleunigen. Bisher haben wir alles über Auftragsarbeiten querfinanziert, also über Aufträge unserer Produktionsfirma SpiceVR, mit der wir VR-Content und 360-Grad-Filme produzieren. Ich glaube, man könnte das Produkt Spherie auch ohne Extra-Kapital entwickeln. Aber der Markt ist einfach so schnell und es gibt viele große Firmen im Drohnen- und VR-Markt. Früher oder später wird ein Player mit viel finanziellen und strategischen Backround in den Markt preschen. Darauf wollen wir vorbereitet sein. Wir haben ein Produkt, das was kann, was cool ist und was so noch keiner hat. Auch wenn Spherie zum Patent angemeldet ist, lässt sich die Technik kopieren. Deshalb müssen wir den Vorsprung halten und Reichweite gewinnen. Und da helfen Geld und strategische Partner.

Sprecht Ihr bereits mit Investoren?
Nicolas: Ich spreche auf mehreren Ebenen mit Investoren, um auszuloten, was das Beste für uns ist. Auf dem Pirate Summit habe ich zum Beispiel mit dem High-Tech-Gründerfonds gesprochen. In den USA wird VR deutlich stärker gepusht, dort glauben alle an das Thema. Ich bin oft drüben, um zu gucken, was dort passiert.

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Du kommst aus der Agenturbranche – wie kommst Du mit der Startup-Welt klar?
Nicolas: Ich lerne gerade alles im Schnelldurchgang, eigentlich bin ich ja kein klassischer Startup-Entrepreneur. Ich lerne vom Ja-Sager aus der Agenturbranche, der sich nach Kundenwünschen richtet, zum Nein-Sager zu werden, der ein eigenes Produkt entwickelt.

Wie geht es mit Spherie weiter?
Nicolas: Wir testen eine Zusammenarbeit mit Reality.io. Das Berliner Startup nutzt eine Photogrammetrie, eine Scanning-Technologie, mit der man 3D-Modelle mit fotorealistischen Texturen erschafft, um reale Orte in VR zu transportieren. Wir können jetzt schon mit Spherie Fotos schießen und ein 3D-Modell kreieren, was sehr genau ist und Fototexturen beinhaltet. Reality.io macht daraus dann eine erlebbare VR-Experience. Noch ist das aber sehr rechenintensiv.

Gibt es noch weitere Pläne?
Nicolas: Ziel ist, eine Spherie zu bauen, die mit Industriekameras arbeitet und zusätzliche Infrarotscanner hat. Möglichst zeitnah wollen wir ein Gerät haben, das automatisiert durch Gebäude fliegt und dir ein millimetergenaues 3D-Modell generiert. Es soll fotorealistisch, virtuell begehbar und erweiterbar sein. Dann hätten wir unseren Anwendungsbereich mit einem Schlag extrem vergrößert, denn es ist für Industrie, Stadtbau, Messen oder den Immobiliensektor interessant. Die aktuellen Versionen von Spherie richten sich rein an den B2B-Markt. Aber die Erkenntnisse und Entwicklungen, die wir jetzt im Profisegment machen, könnten auch in einem Endconsumer-Gerät zum Einsatz kommen. Diese Spherie würde per Smartphone gesteuert werden, deutlich kleiner und leichter sein. Alles unter 500g ist super spannend, dann ist es ein Spielzeug und hat viel weniger Sicherheitsauflagen. Und jeder könnte dann kann damit Content generieren.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Business Insider Deutschland.
Das Original lest ihr hier.

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