Französische Taxifahrer schließen sich mit einer eigenen App gegen Uber zusammen

WIRED Editorial 04.12.2015 Lesezeit 3 Min

Uber und Frankreich, das war bisher eine recht holprige Fahrt für das US-Unternehmen. Jetzt haben Ubers eigene Fahrer den Widerstand von der Straße in den App Store getragen.

Im Juni verbrannten französische Taxifahrer Reifen auf der Straße, um gegen die unerhört tiefen Tarife von Uber zu protestieren. Ein Gericht verfügte danach, dass Uber seinen Billig-Fahrdienst einstellen muss. Parallel stehen zwei Manager des Unternehmens derzeit vor Gericht. Ubers übliche Strategie — in neue Länder einfach reinzurollen, Menschen an ihre Dienste zu gewöhnen und dann aggressiv gegen die Gesetze vorzugehen, die ihnen im Weg stehen — in Frankreich scheint sie nicht zu funktionieren.

Und damit nicht genug: Aus Protest gegen Ubers Rahmenbedingungen hat eine Gruppe von Fahrern des Unternehmens sich zusammengeschlossen und einfach eine eigene Smartphone-App gestartet. VTC Cab ist seit November im Google Play Store und seit vergangener Woche auch für iOS-Geräte verfügbar und soll Fahrern wieder die Kontrolle über ihr Geschäftsmodell zurückgeben, so die Hoffnung.

Die App bietet die gleichen Dienstleistungen wie auch Uber: Kunden können damit Fahrzeuge rufen, ihre Fahrer bewerten, digital bezahlen. Der größte Unterschied: VTC Cab nimmt im Gegensatz zu Uber keine Kommission von seinen Fahrern — denn sie gehört ihnen selbst. Die Fahrer sind Mitglieder in einer von ihnen selbst verwalteten Non-Profit-Organisation. Dafür zahlen sie eine monatliche Gebühr von 250 Euro, aus der die Entwicklungs- und Verwaltungskosten für die App finanziert werden. Ein guter Deal im Vergleich zu den 20 Prozent, die Fahrer an Uber abtreten müssen.

Mohammed Radi, Gründer und Vorsitzender der Association des VTC de France (VTC steht „Voiture de tourisme avec chauffeur“), die die App gelauncht hat, sagte dazu: „Wir wollen unsere Rechte gegenüber Uber verteidigen und zurückgewinnen. Uber repräsentiert unsere Community nicht. Sie sind ein Technologie-Unternehmen, ohne jede Beziehung zur Welt des Transports. Also behandeln sie Menschen wie Nummern — wie eine Zahl im Computer. Als Fahrer so eine Nummer zu sein, das ist ein sehr schlechtes Gefühl.“

Frankreich ist einer der derzeit wichtigsten Märkte für Uber, rund 10.000 professionelle Fahrer arbeiten dort für den Fahrdienst, 10.000 weitere Privatautofahrer fuhren für UberPop, bevor der Dienst im Juli eingestellt wurde. Ob sich die Nonprofit-Konkurrenz-App bei Fahrern und Nutzern durchsetzen wird, muss sich erst zeigen. Bislang haben sich laut Radi 1500 Fahrer dafür angemeldet, bis Anfang 2016 sollen es 5000 werden.

Allerdings macht die Initiative Mut, dass eine kollektive Organisation für Arbeitnehmerrechte auch jenseits von Gewerkschaften und Betriebsräten möglich ist. Wenn die größten, mächtigsten Unternehmen nun diejenigen sind, die die Daten verwalten, dann ist der Widerstand im App Store vermutlich effektiver als brennende Reifen — egal, wie hoch man diese türmt. Wie passend, wenn Frankreich auch in dieser Revolution eine Vorreiterrolle einnimmt.

Mohammed Radi würde die Idee jedenfalls gerne auch in die USA ausweiten: „Ich weiß, dass sie da keine Sozialisten sind, vielleicht werden sie also nicht verstehen, was wir tun. Aber wenn wir die Möglichkeit hätten, mit den Entscheidern der Transportindustrie zu sprechen, könnten wir sicher etwas schaffen, dass für alle sehr cool wäre.“