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Warum Elon Musk die Erwartungen für das Tesla Model 3 dämpft

27.03.2017 Lesezeit 3 Min

Tesla-CEO Elon Musk dämpft die Erwartungen an sein Model 3. Das günstigere E-Auto werde etwa nicht mit dem Vorgänger Model S mithalten können, sagt er. Ein weiteres Indiz für die Produktions- und Lieferschwierigkeiten bei Tesla.

Elon Musk ist nicht unbedingt als Tiefstapler bekannt, eher als großer Visionär. Doch am vergangenen Wochenende gab er sich ungewohnt bescheiden, als er neue Details zum Tesla-Model 3 verriet. Dabei betonte der CEO vor allem, dass der 35.000-Dollar-Elektroauto nicht die nächste Generation des Model S sein wird: „Das Model 3 ist eine kleinere, erschwinglichere Version des Model S mit weniger Reichweite und Leistung und weniger Funktionen. Das Model S hat eine fortschrittlichere Technologie.“ Musk verglich die Serien von Tesla mit BMW: Während das Model S mit dem 5er oder 6er vergleichbar sei, befinde sich das Model 3 in der Kategorie des 3er-BMWs.


Neu sei bei der E-Limousine, die rund 400.000 Personen vorbestellt haben, in erster Linie das Design. Musk wies außerdem darauf hin, dass das Model 3 nur über einen Bildschirm als Dashboard verfügen wird: „Je autonomer das Auto, desto weniger Informationen braucht man“, so seine Erklärung. In Form eines sechssekündigen Videos teilte Musk außerdem einen kurzen Teaser zum neuen Elektrowagen.

Dass Musk ein Jahr nach der offiziellen Präsentation die Erwartungen an das Model 3 niedrig hält, könnte mit dem Zeitplan für die Produktion zusammenhängen. Bis Ende 2018 will das Unternehmen alle vorbestellten Wägen ausliefern. Die Produktion startet laut Tesla im Juli, also in drei Monaten. Anfangs will der Autobauer 1000 Stück pro Woche fertigen, bis Ende 2018 soll das Volumen auf 10.000 Stück pro Woche steigen.


Mit dem Model 3 will Tesla nicht zuletzt beweisen, dass es bereit für große Produktionsmengen ist

Um dieses Ziel zu erreichen und etwaige Risiken zu minimieren, stockt der börsennotierte E-Auto-Hersteller sein Kapital um 1,15 Milliarden Dollar auf. Die Tatsache, dass Musk selbst Aktien im Wert von 250 Millionen US-Dollar kauft, treibt den Kurs trotz möglicher Produktionsschwierigkeiten voran.

Ein weiteres Indiz für den Druck, den Tesla angesichts der Model-3-Auslieferung zu spüren bekommt, ist die Reduzierung der Produktpalette. Die Modelle S 60 und S 60 D waren mit 68.000 bis 73.000 Dollar bislang die günstigsten Tesla-Wagen am Markt, ab Mitte April werden sie nicht mehr erhältlich sein. Analysten vermuten, dass es sich um eine strategische Entscheidung handelt, um mehr Kapazitäten für die Model-3-Produktion zu schaffen. Die ersten fertigen Model 3 gehen laut Insidern außerdem an Mitarbeiter, sodass etwaige Produktionsfehler intern erkannt und behoben werden können.


Als weitere Maßnahme hat Tesla vor einigen Tagen eine weitere Produktionsstätte angemietet, 20 Meilen von seinem Hauptquartier im kalifornischen Fremont. Die knapp 30 Hektar große Standort kostet 8,9 Millionen Dollar im Jahr, es soll sich dabei um den größten gewerblichen Pachtvertrag in der Region seit 30 Jahren handeln.

Mit dem Model 3 will Tesla nicht zuletzt beweisen, dass es bereit für große Produktionsmengen ist. 2016 fertigte der Hersteller 83.922 Stück, immerhin 64 Prozent mehr als im Jahr davor. Die angestrebte Stückzahl von 500.000 im Jahr 2018 halten Analysten jedoch für unwahrscheinlich, weil Musk in der Vergangenheit oft zu optimistisch war, wenn er über Fristen sprach.

Außerdem startet Tesla in den kommenden Monaten die Produktion seiner Solar-Dachziegel. Die Vorbestellungen für die Ziegel mit integrierten Solarpaneelen starten laut Musk im April. Dafür verantwortlich ist zwar die zugekaufte Firma SolarCity, doch ein neues Produktsegment verlangt immer auch weitere Ressourcen und Fokus vom Eigentümer. So lässt sich vielleicht auch erklären, warum der Visionär zum Tiefstapler wird. Schraubt Tesla jetzt die Erwartungen herunter, wird die verzögerte Auslieferung des Model 3 keine Überraschung mehr sein.