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Tesla-Tochter verliert Firmengründer Grohmann nach Streit mit Musk

Benedikt Plass-Fleßenkämper und Jürgen Kroder 19.04.2017

Elektroauto-Pionier Tesla besitzt nicht nur Werke in den USA, sondern auch in Deutschland. Bei Tesla Grohmann in der Eifel gibt es derzeit allerdings Stress, weil die Mitarbeiter und die Gewerkschaft mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden sind. Nun hat sogar der Chef das Unternehmen verlassen. Worum geht es genau? WIRED hat die Fakten zusammengetragen und mit der IG Metall gesprochen.

Tesla ist in den Medien mal wieder omnipräsent. Dieses Mal steht das Unternehmen von Seriengründer Elon Musk jedoch nicht mit einem neuen Produkt oder einem technischen Defekt im Rampenlicht, sondern wegen eines Streits mit der IG Metall. Das kalifornische Elektroauto-Startup versucht aktuell, auf seine eigene Art mit der deutschen Gewerkschaft zu verhandeln – was nicht gut ankommt. Zudem hat nun der Chef, Firmengründer Klaus Grohmann, das Unternehmen verlassen – im Clinch mit Musk, heißt es aus gut informierten Kreisen. Tesla habe verlangt, dass die Mitarbeiter nur noch exklusiv ans Mutterunternehmen lieferten, doch das habe den ursprünglichen Zusagen widersprochen, dass bisherige Auftraggeber weiterhin bedient würden. Chef Grohmann wollte das nicht mittragen und ging.

Blick zurück: Bei Tesla gab es immer wieder Produktions- und Lieferschwierigkeiten. Um diese in Zukunft vermeiden zu können, übernahm Tesla den deutschen Maschinenbauer Grohmann Engineering, der mittlerweile unter dem Namen Tesla Grohmann Automation firmiert. Mithilfe der Spezialisten aus der Eifel will Elon Musk ab 2018 jährlich rund 500.000 Elektroautos herstellen. Ein hochgestecktes Ziel, das gerade ins Wanken gerät.

Denn es gibt Ärger bei Tesla Grohmann. Einerseits, weil sich die Belegschaft Sorgen um ihre Zukunft macht: Bislang arbeitete das Unternehmen aus Prüm für verschiedene Kunden wie Bosch, Mercedes und BMW, seit einem Strategiewechsel produziert man exklusiv für Tesla. Das ist laut Tesla nötig, weil die Kapazitäten von Grohmann dringend für das Model 3 benötigt werden. Die bisherige Strategie des Firmengründers Klaus Grohmann war es, stets mehrgleisig zu fahren, um unabhängiger agieren zu können. Doch das ist nun nicht mehr gegeben.

Ein weiterer Punkt, der bei der deutschen Tesla-Tochter für Unmut sorgt: die Bezahlung. Bei Tesla Grohmann gab es bislang keinen Tarifvertrag, die Angestellten erhalten derzeit zwischen 25 bis 30 Prozent weniger Lohn als bei vergleichbaren Unternehmen. Zudem haben die Grohmann-Mitarbeiter in den letzten Jahren etliche Überstunden einlegen müssen. Somit sei ein Tarifvertrag längst überfällig, meint unter anderem die IG Metall. Durch die Übernahme durch Tesla sei nun der richtige Zeitpunkt gekommen, um über die Zukunft zu reden. Zumal es laut dem zuständigen Gewerkschaftssekretär der IG Metall Patrick Georg seitens Tesla bislang nur Versprechen gegeben hätte. „Doch wir wollen keine Versprechen haben. Wir wollen Zusagen haben“, sagt Georg im Gespräch mit WIRED.

Auf die Forderungen der IG Metall reagierte Elon Musk prompt: Er schlug fixe Gehaltserhöhungen vor, versprach Aktienpakete für alle Tesla-Grohmann-Mitarbeiter und gab eine Jobgarantie für die nächsten fünf Jahre. Des Weiteren sollen Musk zufolge Hunderte neue Arbeitsplätze in Prüm geschaffen werden. Das klingt gut, doch die IG Metall ist damit nicht zufrieden. „Was er den Leuten verspricht, wollen wir schriftlich haben“, fordert Georg. Er erklärt, dass es bislang noch keine direkten Verhandlungen mit Musk oder einer anderen Person aus der amerikanischen Konzernzentrale und der deutschen Gewerkschaft gegeben hat. Wie es scheint, möchte das US-Unternehmen die Gewerkschaft umgehen und stattdessen lieber mit dem Betriebsrat über die Fakten reden – was aber so vom Gesetz her gar nicht zulässig ist.

Wird es bei Tesla Grohmann nun Streiks geben? Obwohl Medien wie die Frankfurter Allgemeine dies andeuten, steht das unseren Informationen nach vorerst nicht auf dem Plan. Die IG Metall habe bislang noch keinen Druck aufgebaut und auch keine Arbeitskampfmittel ergriffen, sagt Patrick Georg. Doch es ist laut dem Gewerkschaftssekretär interessant zu sehen, wie empfindlich Elon Musk auf die Forderungen aus Deutschland reagiere. Somit könne man gespannt sein, wie es weitergehe.

Das Manager Magazin bezeichnet den Zwist zwischen Tesla und der IG Metall indes passenderweise als „Kulturschock für Elon Musk“. Der Tesla-Chef muss sich an die deutschen Gesetze und Richtlinien offenbar erst noch gewöhnen.

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