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Europas Tech-Branche bricht weiterhin Wachstums-Rekorde

01.12.2017 Lesezeit 3 Min

Ein Rekord-Deal nach dem anderen, rasantes Wachstum und immer mehr Zentren für Technologie und Innovation: WIRED hat sich für euch den State of European Tech Report 2017 genauer angeschaut. Derzeit im Trend: nachhaltige Startups.

Slush ist innerhalb von drei Jahren zu einem der führenden Startup-Events in Europa geworden. Im Rahmen des Festivals veröffentlicht die Investmentfirma Atomico jedes Jahr ihren State of European Tech Report. Er sei ein daten-getriebenes Portrait der europäischen Tech-Szene, sagt Tom Wehrmeier, Head of Research von Atomica.

Die Daten kamen in den vergangenen Jahren von LinkedIn, Meetup, Stack Overflow, Dealroom.co und der Londoner Börse. Neu dazu gekommen sind der Europäische Investitionsfonds sowie die Analyse-Plattformen Craft.co und TokenData. Unterfüttert wird der Report mit Antworten aus Fragebögen und Interviews von über 50 Vordenkern, Gründern und Influencern der Tech-Branche.

Tech-Zentren wachsen und dezentralisieren sich

2017 markiert einen neuen Rekord: 16 Milliarden Euro Gesamtkapital flossen in diesem Jahr in europäische Startups.

2016 waren es nur 12 Milliarden. Zehn Länder haben dabei die Eine-Milliard-Marke überschritten. Großbritannien, Deutschland und Frankreich sind die Länder mit den meisten Investitionen.

Gleichzeitig nehmen Risikokapitalgeber auch mehr Geld in die Hand. Während Investitionen von weniger als 1,7 Millionen Euro seltener geworden sind, steigt gleichzeitig die Zahl der großen Deals: 2017 wurden 54 Verträge abgeschlossen, bei denen Startups mehr als 42 Millionen Euro bekomme haben – 20 mehr als 2016.

Die Tech-Zentren, die sich in den vergangenen Jahren gebildet haben, wachsen weiter. Ganz vorn sind immer noch London, Berlin und Paris. Aber auch die bisher weniger einflussreichen Tech-Communitys in Istanbul, Budapest, Oslo und Zürich hatten 2017 große Zuwächse. Basierend auf Meetup-Daten lassen sich europaweit 167 bedeutende Tech-Zentren mit mehr als 50 Events pro Jahr ausmachen.

Deutschlands und Spaniens Tech-Szene konzentriert sich am wenigstens auf die Hauptständte. Nur knapp ein Drittel der Startups im eigenen Land sind in Berlin oder Madrid.

Gender-Gap immer noch riesig

Obwohl keine andere Branche in Europa so schnell wächst wie die Tech-Branche, ist das Verhältnis von Männern und Frauen in führenden Positionen weiterhin schlecht. Die Realität widerspricht dabei dem positiven Eindruck, den viele CEOs über die eigene Branche haben.

Tatsächlich sind nur sechs Prozent aller CEOs weiblich. Bei den CTOs sieht es sogar noch schlechter aus, hier sind nur zwei Prozent Frauen. Dieses Verhältnis spiegelt sich auch bei den Investitionen wider. Nur 13 Prozent der Entscheidungsträger in Venture-Capital-Firmen sind Frauen. Diese Zahlen decken mit einer Studie der Harvard Universität. Die kam zu dem Ergebnis, dass viele Risikokapitalgeber Vorurteile gegenüber Frauen haben und deshalb auch seltener Unternehmerinnen fördern.

Klima und Umwelt werden zu Themen der Zukunft

Ein begrüßenswerter Trend ist dagegen der Aufschwung von Startups, die Klima- und Umweltprobleme lösen wollen. „Die junge Generation sucht nach mehr Sinn: Einer Aufgabe, die mehr bedeutet als nur Geld zu verdienen,“ sagt Daniel Wiegang vom deutschen Elektro-Jet-Startup Lilium. Er glaubt, dass diese Gründer in den nächsten Jahrzehnten eine große Rolle spielen werden. Ein Unternehmen könne viel erreichen, es müsse nicht immer nur um Geld gehen.

Startups wie Agricool, Farmfrop, Karme und Infarm wollen für nachhaltige Nahrung sorgen. E-Peas und HomeTree für grünere Energie. Auch Lilium zieht mit seinem nachhaltigen Mobilitätskonzept die Aufmerksamkeit großer Venture-Capital-Geber auf sich. 43 Prozent der befragten Investoren halten grüne Startups für ein wichtiges Feld der Zukunft.

Die Deep-Tech-Branche wächst weiter

2016 hat der Deep-Tech-Sektor erstmals die Eine-Milliarde-Dollar-Marke geknackt. Dabei handelt es sich um Startups, die bisher noch nicht vernetzte Technologien über das Internet miteinander verbinden wollen, um so an neue Datensätze zu kommen.

2017 wurde in Deep-Tech-Startups eine Rekordsumme von 2,9 Milliarden Euro investiert – ein Anstieg von 40 Prozent.

Die prominentesten Themen sind dabei Kryptowährung und Blockchain sowie künstliche Intelligenz und Cybersicherheit. Bei Deep-Tech sehen Experten noch die größte Chance, dass ein europäisches Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre zum Weltmarktführer werden könnte.

Der ganze Report kann hier heruntergeladen werden.