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Erfolgreich gefunded auf Kickstarter, trotzdem gescheitert

Dominik Schönleben 08.12.2015

Es gibt Kickstarter-Projekte, die nach einer erfolgreichen Finanzierung im Millionenbereich trotzdem eine Bauchlandung hinlegen. Doch passiert so etwas eigentlich häufiger? Eine neue Studie zeigt, dass neun Prozent Ausfall normal ist.

Die Studie von Ethan Mollick, Professor von der University of Pennsylvania, hat 47.188 Kickstarter-Nutzer zu ihrem Erlebnis auf der Plattform befragt. Sein Untersuchungsgegenstand bestand vorwiegend aus erfolgreich finanzierten Projekten, die ein Funding von mehr als 1.000 Dollar erhielten. Dabei wollte er vor allem die Frage klären: Wie wahrscheinlich ist es, dass ein Kickstarter-Projekt seine Versprechen an die Unterstützer erfüllt?

Etwa neun Prozent aller Kickstarter-Projekte würden laut Mollick scheitern und nicht das versprochene Produkt an ihre Kunden ausliefern. Der berühmteste Vertreter dieser gescheiterten Projekte ist vermutlich der 3D-Drucker Pirate3D, der 2013 fast 1,5 Millionen Euro auf Kickstarter sammelte, aber nie ein fertiges Produkt präsentierte.

Nicht enthalten in den neun Prozent sind jedoch weitere 19 Prozent der befragten Nutzer, die derzeit noch auf ihr Produkt warten, aber davon ausgehen, dass die Entwickler noch ausliefern werden. Projekte, die innerhalb des versprochenen Zeitrahmens nicht geliefert hatten, galten in Mollicks Analyse nicht automatisch als gescheitert. Das galt erst, wenn Nutzer den Eindruck hatten, dass die Entwickler niemals fertig werden. 65 Prozent der Projekte würden jedoch ihren Zeitplan mehr oder weniger einhalten.

Eine Fail-Wahrscheinlichkeit von nur neun Prozent ist angesichts dessen, dass 90 Prozent aller Startups scheitern, eine relativ gute Quote. Betrachtet man Kickstarter jedoch wie viele Nutzer eher als Plattform für Vorbestellungen, ist die Ausfallrate extrem hoch. Bevor man also in Zukunft neue Projekte unterstützt, sollte man sich klar machen, dass fast eine Chance von 1:10 besteht, dass man nie ein fertiges Produkt erhält — inwiefern sie dem entsprechen, was versprochen wurde, hat die Studie nicht untersucht.

Am niedrigsten war die Chance zu Scheitern im Bereich zwischen 10.000 und 50.000 Euro.

Besonders gefährdet, kein Produkt auszuliefern, wären nach den Analysen von Mollick Projekte, die besonders niedrige oder besonders hohen Geldbeträge gesammelt hatten. Bei Projekten unter 1000 Dollar stieg die Wahrscheinlichkeit, dass ein Projekt scheitert sogar auf 14 Prozent.

Zwischen den einzelnen Kategorien gab es nur vereinzelt Abweichungen in ihrer Erfolgsrate.

Leicht höhere Raten zu scheitern, hatten die Kategorien Film, Technologie und Essen, während Musik die niedrigste besaß. Mollick führte das auf die unterschiedlichen Ambitionen der Kategorien zurück. Während Musikprojekte meist T-Shirts als Reward angeboten haben, war etwa bei Technologie-Projekten die Entwicklung eines völlig neuen, marktreifen Produktes das Ziel.

Das Scheitern eines Projektes sehen jedoch die wenigsten Nutzer als Grund, keine anderen mehr auf Kickstarter zu unterstützen. 73 Prozent der Backer von gescheiterten Kampagnen gaben an, dass sie auch weiterhin Projekten auf Kickstarter Geld geben würden. Die meisten gaben sogar an, sie würden gescheiterte Gründer auch erneut wieder unterstützen. Es scheint also auch auf Kickstarter das Silicon-Valley-Paradigma zu gelten: „Fail fast, fail often.“