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StartupDiaries / Die besten Tools fürs Arbeiten unterwegs

Tim Rittmann 09.04.2015

Drei Berliner fahren in einem Land Rover ein halbes Jahr lang durch Südamerika. Im Gepäck: ihre Firma. Ihr Ziel: Kolumbien. Der Auftrag: Die boomende Start-Up-Szene des Halbkontinents porträtieren — und natürlich Geld verdienen. WIRED Germany begleitet sie in den kommenden Wochen dabei.

Das Büro von Fabian Dittrich, Dominic Brasovneau und Vin Tran ist ein Monster in Grün Metallic. Der Land Rover Defender, Baujahr 1997, frisst knapp zehn Diesel auf 100 Kilometern, auf der rechten Seite befinden sich drei Benzinkanister für 60 Liter Reserve-Sprit. Ausgestattet ist der Reisepanzer mit einem Faltdach, drei Alu-Leitern und jeder Menge Survival-Schnick-Schnack. High-Tech sind höchstens die Solarzellen auf dem Faltdach und das CD-Radio von Blaupunkt. Aber selbst während sie durch die Pampa düsen und Zwischenstopps im Dschungel machen, schieben die drei Berliner große Datenmengen von einem Server zum nächsten.

Wie machen sie das? Und welche Tools und Apps nutzen sie in ihrem Start-Up helpando.it, um effektiv zu arbeiten? Schließlich ist eine anständige Work-Life-Balance nirgends wichtiger als auf einem Südamerika-Trip.


Google Apps for Work
„Die Grundausstattung? Ganz klar mein iPhone, ausgestattet mit einer Pre-Paid-Karte und, ganz wichtig, Google Calendar. Sonst verpasse ich die Hälfte meiner Termine. Wechseln wir ein Land, gebe ich im Kalender eine neue Zeitzone und Handynummer ein. Das ist schon fast ein Ritual geworden. Ich benutze Google Apps for Work und lasse mir zwei Stunden vor jedem Meeting eine E-Mail-Benachrichtigung, und eine Viertelstunde und fünf Minuten vorher jeweils noch eine SMS senden. Sonst würde ich ständig Termine vergessen. Ich neige zudem dazu, alles immer im letzten Moment zu machen. Ich bereite mich zwar auf Anrufe vor, aber erst 30 Sekunden vorher.“

Evernote
„Wenn ich einen neuen Kunden habe, trage ich nach dem ersten Gespräch Stichpunkte in einem Evernote-Dokument zusammen, darunter auch persönliche Dinge. Wenn etwa ein Hund im Büro rumläuft, merke ich mir das. Eine halbe Minute vor dem nächsten Call schaue ich dann in meine Notizen rein und erfasse rasch, worum es geht und beginne das Gespräch dann vielleicht mit einem Hundewitz.“

Basecamp
„Fast jeder Digital Nomad, den ich kenne, benutzt das Online-Tool Basecamp fürs Projektmanagement, etwa um To-Do-Listen anzufertigen, Dateien und Zeitpläne zugänglich zu machen oder Projektübersichten anzulegen. Die kann man dann wiederum schnell mit Kunden und Kollegen teilen.“

Skype
„Wir machen 90 Prozent unserer Kunden-Gespräche mit Skype, rufen damit aber auch unsere Eltern, die Krankenkasse oder die Untermieter an, wenn sie ein Problem mit der Heizung haben. Skype bietet persönliche Online-Nummern, unsere Kunden sehen die Ländervorwahl und denken, wir rufen aus den USA an oder aus England, und nicht aus einem Dorf in Peru. Das hilft ein bisschen in Sachen Glaubwürdigkeit.“

Bluejeans
„Wenn mal ein paar mehr Menschen im Call sind, nutzen wir Bluejeans, das ist eine cloudbasierte Videokonferenz. In einem unserer YouTube-Videos zeigen wir, wie man ohne vernünftige Netzanbindung an Konferenzen teilnehmen kann.“  

Alfred App
Alfredapp ist der größte Zeitsparer überhaupt. Man kann damit Kurzbefehle für alle möglichen Dinge erstellen. Wenn ich im Programmier-Tunnel bin und unterbrochen werde, weil ich eine Telefonnummer weitergeben muss, benutze ich einen vorab eingerichteten Shortcut und arbeite sofort weiter. Nur so bleibe ich konzentriert. Außerdem hilft das Programm bei der Datenmigration, denn damit verdienen wir das meiste Geld. Dafür muss ich jedes mal vier Browserfenster mit bestimmten URLS öffnen, außerdem das Terminal-Fenster und einen Text-Editor. Bei Alfred App konfiguriere ich diese Schritte einmal, und das spart auf lange Sicht Zeit und Nerven. Es sind diese kleinen Dinge, die uns erlauben, ordentlich Umsatz zu machen und gleichzeitig zu reisen.“

ForeverMap 2 und Waze
„Wenn wir mal wieder kein Internet haben, nutzen wir die Offlinekarten von Forevermap. Auch Waze ist superpraktisch, weil jeder Verkehrsteilnehmer, der die App nutzt, mit seinen Fahrtdaten eine Datenbank füttert. Das hilft gerade in Städten bei der Routenplanung, weil man sofort sieht, wo es Staus gibt.“ (Anmerkung: Forevermap 2 gibt es noch in den Stores, aber anscheinend nicht mehr auf der Seit des Anbieters Telenav GmbH, die findet man jetzt hier.)

Remote Server
„Wenn wir die Daten eines Kunden von einem Server zu einem anderen schieben, kann das dauern, denn das sind schon mal 50 Gigabyte. Selbst in Berlin warte ich oft Stunden, bis die Daten übertragen sind. Remote-Server sind dafür die Lösung. Selbst wenn ich in der Wüste stehe und nur eine Edge-Verbindung habe, kann ich mit einer Kommandozeile auf den superschnellen Remote-Server in Chicago zugreifen und den Datentransfer fernsteuern. Das ist für Firmen wie uns essentiell, Webdesigner brauchen das allerdings eher nicht.“

Nur „Sometimes-On“.

E-Mail-Client
„Klingt banal, aber ein E-Mail-Client ist unverzichtbar. Wenn wir in der Wüste rumfahren, und auf einmal bietet uns ein kleines Dorf eine spärliche 3G-Verbindung, dann erzeugen wir schnell einen Hotspot, laden alle Mails runter und verschicken die, die wir in der Zwischenzeit geschrieben haben. Es hilft aber auch, mal keine Connection zu haben. Man ist nicht abgelenkt und und hat endlich die nötige Zeit, vernünftige Mails schreiben.“

Jeden Donnerstag eine neue Folge der StartupDiaries auf WIRED.de.
Episode 1: Drei Gringos entdecken die Gründerszene Südamerikas
Episode 2: Aufbruchstimmung in Peru 
Episode 3: Gründen ist in Chile oft Hilfe zur Selbsthilfe

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