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So sollen uns Kräutershots auf Tour bringen

WIRED Staff 23.02.2017 Lesezeit 3 Min

Vor der Yogaklasse oder beim Feiern eine Portion Energie, auf der Arbeit einen Focus-Shot und nachts einen Schuss Lust: Die junge Firma Nouri kombiniert natürliche Wirkstoffe bis nah an die Grenze des gesetzlich Erlaubten.

Eigentlich sollte Lia Schmökel im Sommer vor einem Jahr auf Festivals über gesunde Ernährung sprechen. Aber wer will sich schon mit Vitaminen und Ballaststoffen beschäftigen, wenn man eine Auszeit von der Welt nimmt, dachte sich die Ernährungswissenschaftlerin, und sprach stattdessen über die psychoaktive Wirkung von Kräutern, sogenannte Legal Highs.

Im Laufe der Festivalsaison reifte bei ihr die Idee für Kräutershots: verflüssigte Kombinationen unterschiedlicher Wirkstoffe, hochkonzentriert und ausgerichtet auf Momente des Alltags. Ein gemeinsamer Freund brachte sie auf der Suche nach einer Mitgründerin mit Danielle Sheridan zusammen. Die kündigte daraufhin ihren Job in der Innovationsabteilung von Unilever und zog von London nach Berlin.

Seit Anfang Oktober gibt es ihre Produkte unter dem Namen NOURI zu kaufen – vor allem in ihrem Onlineshop, aber auch in einzelnen Cafés und Restaurants in Berlin. Demnächst sollen weitere Großstädte folgen. Ihre Kunden seien vor allem wie die Gründer selbst: weiblich, urban und gesundheitsbewusst. „Wir sind beide Yogis und Raver und wir sehen das nicht als Gegensatz“, sagt Danielle Sheridan. Vor der Yogaklasse oder beim Feiern eine Portion Energie, auf der Arbeit einen Focus-Shot und nachts einen Schuss Lust.

Der Verkaufsschlager ist der Boost-Shot, der für mehr Energie sorgen soll. „Natürlich kann man nicht immer nur auf volle Kraft laufen“, sagt Sheridan. „Aber alle beklagen sich ständig darüber, dass sie zu wenig Energie haben. Anstatt dass sie irgendwelche Pillen nehmen, wollen wir ihnen deshalb lieber eine natürliche Alternative bieten.“

Damit sie schnell in gro­ßem Umfang produzieren können, haben sie die Herstellung mittlerweile ausgelagert. Ihr Büro befindet sich immer noch in Sheridans Wohnzimmer. Und an der Rezeptur für die einzelnen Kräutermixturen arbeitet Schmökel in ihrer Küche. „Bei den Rezepturen muss ich immer zwischen Geschmack und Funktionalität abwägen“, sagt sie. Die Konzentration der Kräuter muss hoch sein, damit das Gemisch wirkungsvoll ist. Gleichzeitig darf es nicht zu bitter schmecken. Und Schmökel muss sich an den gesetzlichen Rahmen halten. „Wir müssen genau aufpassen, dass wir bei der Dosierung nicht die Grenze zum Pharmazeutikum überschreiten.“

Von vielen der Kräuter hat man als nicht Nicht-Kräuterkundler noch nie gehört – Eleuthero, Damiana oder Maca, alles Kräuter aus Lateinamerika oder Asien. Schmökel arbeitet aber auch mit geläufigeren Gewürzen wie Pfefferminze, Thymian oder Oregano. Die werden in Ethanol-Wasser Gemischen extrahiert, die Basis der Shots bilden Zitrussäfte wie Limettensaft. Die Vorzüge von Kräutern haben auch andere Unternehmen für sich entdeckt. Viele verkaufen ihre Mischungen aber in Form von Pillen oder Pulver. Die NOURI-Gründe­rinnen haben sich bewusst gegen diese Form entschieden, weil Flüssigkeiten schneller und direkter vom Körper aufgenommen werden.

Mit rund 3,50 Euro pro 60-Milliliter-Fläschchen ist die Kräutermixtur nicht gerade günstig, besonders in Deutschland, wo der Lebensmittelmarkt als sehr preisempfindlich gilt. Das scheint vielen aber ihr Energie­nachschub wert zu sein. Sheridan und Schmökel arbeiten momentan an Produkten, die mehr auf das Wohlbefinden abzielen. Anfang nächsten Jahres soll ein Shot gegen Stress, einer zur Stärkung des Immunsystems und ein probiotischer auf den Markt kommen. Unterstützt werden sie von dem Kapitalgeber Atlantic Labs. Momentan sind sie auf der Suche nach weiteren Investoren. Sollte ihnen dabei mal die Puste ausgehen, wissen sie ja, was sie trinken können.