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So profitiert Lyft vom #DeleteUber-Shitstorm

Benedikt Plass-Fleßenkämper 31.01.2017 Lesezeit 4 Min

Weil Uber billige Flughafentransfers in New York anbot, während Taxifahrer gegen Donald Trumps Einwanderungsdekret protestierten, tobt seit einigen Tagen ein Shitstorm. Unter dem Hashtag #DeleteUber wird dazu aufgerufen, die App des Ridesharing-Dienstes zu deinstallieren. Profiteur des Skandals: Uber-Konkurrent Lyft.

Donald Trump macht fast täglich neue Schlagzeilen und ruft mit seinen Entscheidungen heftige Gegenreaktionen hervor. Wohl am meisten mit dem Einreisestopp für Bürger sieben muslimischer Staaten. Gegen den #MuslimBan klagten unter anderem große US-Tech-Konzerne, und die New Yorker Taxi-Allianz rief am vergangenen Samstag zu einem Streik auf. Letzterer sorgte für einen weiteren Eklat – und einen großen Verlierer: den Fahrdienstvermittler Uber.

Während die Taxifahrer von 18 bis 19 Uhr Ortszeit die Arbeit niederlegten, um gegen das Trump-Dekret zu protestierten, bot Uber vergünstigte Fahrten zum Flughafen an – obwohl der Streikaufruf auch an den Fahrdienstvermittler ergangen war. Für Kritiker ein unverzeihlicher Streikbruch, der für einen Aufschrei und die Aktion #DeleteUber sorgte. Zahlreiche Uber-Nutzer löschten die App von ihrem Smartphone und riefen andere auf, es ihnen aus Protest gleichzutun. Der Shitstorm zeigte schnell seine Wirkung, auch zahlreiche Hollywood-Stars unterstützten ihn.

Kritik gab es dabei vor allem für Uber-Chef Travis Kalanick. Einerseits dafür, dass er Mitglied in Trumps Beraterstab ist. Und andererseits, weil er ein Schreiben veröffentlicht hatte, in dem er die Einreisepolitik des neuen US-Präsidenten nur schwach kritisierte.

Die Stimmung nutzte der Uber-Konkurrent Lyft geschickt aus: Im Firmenblog bezogen die Gründer John Zimmer und Logan Green am Sonntag konkret Stellung zu Trump und machten deutlich, dass ihr Unternehmen eindeutig gegen die fremdenfeindliche Politik des neuen US-Präsidenten sei. Ferner kündigte Lyft an, in den nächsten vier Jahren eine Million Dollar an die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) spenden zu wollen. Die ACLU klagt zusammen mit anderen Vereinigungen gegen den #MuslimBan von Donald Trump.

Uber reagierte auf die Aktion von Lyft mit einer eigenen Finanzoffensive: Travis Kalanick will in Zukunft Fonds im Wert von drei Millionen Dollar einrichten, um den Chauffeuren zu helfen, die von Trumps Einreiseverbot betroffen sind. Des Weiteren bezog er in seiner Ankündigung deutlicher Position gegen den Präsidenten, er bezeichnete den Einreisestopp als „ungerecht“.

Doch Kalanicks Besänftigungsversuche konnten das PR-Desaster kaum eindämmen, aktuell ist Uber-Widersacher Lyft der große Nutznießer von #DeleteUber. Laut TechCrunch belegte die Lyft-App in den iPhone-Charts vor dem Uber-Shitstorm Platz 39, kurz danach schnellten die Downloadzahlen nach oben: Lyft überholte im App Store Uber und setzte sich auf Platz 6, am 29. Januar erreichte sie sogar Platz 4.

Ist Lyft also das „bessere“ Unternehmen? Schwer zu sagen, klar scheint aber, dass Uber auf die Krise nicht richtig reagiert hat – die halbherzigen Dementi waren für viele Kritiker deutlich zu wenig. Lyft nutzte die Situation indes geschickt aus, reagierte prompt mit Statements sowie einer sozialen Aktion und kassierte dafür viel Lob. Darüber hinaus zeigt sich, dass die Probleme bei Uber wohl auch tiefer verwurzelt sind. Der Fahrdienstvermittler hat in vielen Ländern schlicht ein Bad-Guy-Image.

The Verge bezeichnet den Ruf von Uber gar als „Abfall“. Der Taxidienst werde zwar von Millionen Amerikanern genutzt, doch die Nutzer würden ihn eher als „notwendiges Übel“ ansehen. Aufgrund von schlechten öffentlichen Verkehrsmittelangeboten sei Uber günstiger und bequemer als ein eigenes Auto. Der aktuelle Shitstorm zeige aber, dass die Kunden am Ende doch nicht so loyal sind, wie man vermuten könne.

Das Gleiche dürfte auf die Fahrer zutreffen. Sie werden von der aktuellen Uber-Krise kaum betroffen sein, da sie in der Regel zwischen verschiedenen Fahrdienst-Plattformen wechseln – und derzeit vor allem Lyft den Vorzug geben. Ob Uber durch den jüngsten Skandal bleibende Schäden davontragen wird und Lyft einen dauerhaften Höhenflug hinlegen kann, muss sich aber erst noch zeigen.