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Die Sparschwein-App Savedroid im Test

Caspar Tobias Schlenk 31.07.2017

Die junge Generation soll mit der Savedroid-App zum Sparen gebracht werden – mit lustigen Regeln. Macht das wirklich Spaß? Gründerszene hat es getestet.

Am 20. Mai 2017 griff Donald Trump das erste Mal in meine Finanzen ein. Was er damals tweetete, lässt sich nicht mehr einfach rekonstruieren. Fest steht, dass ich seit diesem Tag bei jeder Kurznachricht des US-Präsidenten 1,10 Euro auf ein Sparkonto einzahle. 901 Mal ist das seitdem passiert, fast 1.000 Euro sind seitdem zusammengekommen.

Savedroid heißt die App, über die das Trump-Tweet-Sparen läuft – und die ich seit einigen Monaten teste. Insgesamt 150.000 Leute hätten die App heruntergeladen, verkündete das Startup im April. Wie viele die Spar-App aus Frankfurt tatsächlich nutzen, ist nicht bekannt. Vor allem eine junge Zielgruppe will das Unternehmen spielerisch zum Sparen bewegen. Was macht den Reiz einer solchen App aus?

Bayern-Niederlagen oder 10.000 Schritte: Sparregeln festlegen
Nach einer schnellen Anmeldung fragt mich die App nach meinen Spar-Wünschen und ihren Preis – sie werden meine Ziele für die kommenden Monate sein. Ich entscheide mich für eine Weltreise und eine VR-Brille, trage als Summe jeweils ein paar tausend Euro ein.

Über sogenannte Smooves kann ich nun meine Sparregeln festlegen. Abgesehen von dem Trump-Tweets lege ich fest, dass ich Geld spare, wenn ich 10.000 Schritte am Tag laufe (5 Euro) oder wenn Bayern München ein Spiel verliert (10,50 Euro) – oder ich bei meinem Lieblings-Burgerladen essen gehe (3 Euro). Insgesamt acht Smooves etwa zum Wetter oder der Bundesliga, die sich unterschiedlich einstellen lassen, gibt es in der App. Damit die App mich tracken kann, ist sie mit dem Schrittzähler und Ortungsdienst im Smartphone verbunden.

Damit ich auch wirklich Geld spare, ist mein Konto mit der App verknüpft. Davon wird das Geld abgebucht – und auf ein neues Konto der Wirecard Bank überwiesen. Das neue Konto lässt sich in der App eröffnen, ohne dass ich lästige Briefe bekommen habe.

Der Spaßfaktor nimmt ab
Gerade in den ersten Wochen macht es Spaß mit der App zu spielen, alle paar Tage schaue ich, wie viel Geld ich mittlerweile gespart habe. Ich erzähle Freunden, wie Savedroid funktioniert. Es ist eine Idee, die fast jeder lustig findet – oder nicht versteht („Warum sollte man das machen?“). Wie bei anderen Viral-Apps lässt sich der Reiz vor allem durch das Ausprobieren erfahren.

Doch nach ein bis zwei Monaten nimmt der Spaß ab. Fast jeden Morgen ist der Smartphone-Screen voll mit Pushnachrichten zu Trump-Tweets (siehe Screenshot). Was sich lustig anhört, nervt nach einiger Zeit. Meine anderen sechs Sparregeln kommen im Vergleich relativ selten zum Einsatz.
Was passiert mit meinem Geld?

Mittlerweile habe ich – vor allem Dank Trump – mehr als 2.000 Euro gespart. Das Geld kann ich entweder über eine sogenannte virtuelle Kreditkarte zum Online-Shopping verwenden oder zurücküberweisen lassen. Das Ersparte liegt auf einem sogenannten E-Geld-Konto und darf nicht verzinst werden, wie Savedroid auf der Homepage erklärt. In der aktuellen Niedrigzinsphase sei dies schwierig.

Erst Spielerei – dann Verträge wechseln
Damit der Reiz nicht nachlässt, hätte ich mir in regelmäßigen Abständen neue Sparregeln gewünscht. Genauso unterhaltsam wie die Trump-Tweets. Und stärker auf mein eigenes Leben oder aktuelle Ereignisse zugeschnitten.
Mehrere Sparregeln sind bereits wieder aus der App geflogen. Ein Smoove sollte etwa ermitteln, wie viel finanziellen Spielraum ich auf meinem Konto habe – und dann automatisch sparen. Er passte allerdings nicht richtig ins Programm. Der Spaß blieb aus.

Es war ein richtiger Schritt, das Feature zu entfernen. Doch nun muss in meinen Augen ein nächster kreativer Schub folgen, der meinen Enthusiasmus wieder weckt.

Was kommt als nächstes?
Eine Frage bleibt bislang offen, die sich jeder Nutzer stellen muss: Wie verdient Savedroid eigentlich Geld? Das Konto und die App sind kostenlos. Stattdessen analysiert das Startup, was für einen Stromtarif die Nutzer haben – und gibt ihnen ein günstiges Vergleichsangebot. Dafür erhält das Startup eine Provision. So steht es zumindest auf der Homepage, ich selber habe noch kein Angebot erhalten. Ein Wechselservice für andere Verträge soll folgen. Darunter könnten beispielsweise Handy-Verträge oder Versicherungen fallen.

Kann das funktionieren? Ich würde meinen Stromvertrag eher nicht über eine App wie Savedroid wechseln. Mich mit dem nervigen Thema auseinander zu setzen, würde den Spaßfaktor für mich weiter killen.

Abgesehen von neuen Smooves wünsche ich mir, dass ich das gesparte Geld beispielsweise in Festgeld oder durch einen Robo-Advisor wie beispielsweise Scalable Capital anlegen könnte. Der Konkurrent Clinc hat das geplant, der offizielle Launch hat sich allerdings verzögert.
Ich bin gespannt, wie Savedroid in ein paar Monaten aussieht – und ob ich dann wieder an Bord bin.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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