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Protonet muss die Mehrzahl seiner Mitarbeiter entlassen

Niklas Wirminghaus, Gründerszene 10.04.2017

Im Februar meldete das gehypte Hardware-Startup Protonet Insolvenz an. Seither wurden Dienste verteuert, jetzt sollen mit Entlassungen Kosten gespart werden.

Protonet ist noch nicht am Ende. Das einst gehypte Hardware-Startup aus Hamburg, das Anfang Februar einen Insolvenzantrag einreichen musste, kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters „aus eigener Kraft“ überleben. Allerdings wird es dafür seine „Kosten kräftig zurückschrauben müssen“, sagte der Hamburger Rechtsanwalt Klaus Pannen gegenüber Gründerszene. Das heißt: 10 der bislang 16 Mitarbeiter müssen gehen. 

Details zu den Kündigungen wollte Protonet-Mitgründer Christopher Blum auf Gründerszene-Anfrage nicht verraten. Die Entscheidung dazu liege „im Ermessen des Insolvenzverwalters“. Hintergrund ist, dass das Insolvenzgeld der Agentur für Arbeit, mit dem bisher die Gehälter der Belegschaft bezahlt wurden, Ende April ausläuft. Mit der Reduzierung der Personalkosten und den vorhandenen Einnahmen aus laufenden Supportverträgen könne der Geschäftsbetrieb aber fortgeführt werden, so Pannen.

Umsätze macht das Unternehmen derzeit mit dem Abverkauf der noch auf Lager liegenden Heimserver. Gleichzeitig wurden viele der bisher kostenfreien Leistungen für die mehr als 1.000 Protonet-Nutzer seit Anfang März kostenpflichtig. IT-Infrastruktur, Updates und Support waren bislang beim Kauf der Protonet-Produkte inbegriffen. Im Februar wurde den Nutzern eröffnet, dass sie bis Monatsende neue Service-Verträge zu kräftigen Preisen unterschreiben oder andernfalls auf Supportleistungen, Sicherheits- und Funktionsupdates für die Kollaborationssoftware Soul sowie den DNS-Dienst mit einer Protonet.info-Adresse verzichten müssten. 

Je nach Heimserver-Produkt kosten die Service-Verträge zwischen netto 49 Euro (für das Einsteigermodell Maya) und 199 Euro pro Monat (für das leistungsstärkste Modell Carla). Wer den Vertrag nicht unterschreiben wollte, soll den Protonet-Support weiter nutzen können – für einen Stundensatz von 149 Euro zuzüglich Umsatzsteuer.

Ob für die Crowd-Investoren noch eine realistische Chance besteht, einen Return auf ihren Einsatz zu sehen, bleibt weiter unklar

Den Nutzern schmeckt dieses „Angebot“ nicht besonders. Im Protonet-Forum schimpft ein Vertreter: „Wir haben für etliche Tausend Euro Carlas, Majas etc gekauft mit dem 100% Gold-Service included. Sorry, 4.000 Euro für einen intelligenten Cloudserver mit 4TB war immer ein mächtiger Preis, der sich nur gerechnet hat, weil der Service drin war. Jetzt kündigt Ihr diesen Vertragsbestandteil einseitig und wollt stattdessen dafür Unsummen aufrufen.“

Insolvenzverwalter Pannen sieht den Fortbestand von Protonet dennoch nicht in Gefahr: „Aufgrund der positiven Resonanz der Kunden und der vielversprechenden Investorengespräche glauben wir an ein langfristiges Fortbestehen des Unternehmens.“ Er sei mit mehreren potenziellen Geldgebern in Kontakt und zuversichtlich, dass bis Ende April ein Deal klappen könnte. Falls das nicht gelinge und Anfang Mai das Insolvenzverfahren eröffnet werden müsste, wäre das aber „kein Beinbruch“.

Wie es für Protonet langfristig weitergehen könnte, skizziert Mitgründer Christopher Blum gegenüber Gründerszene. Der Fokus soll auf der Kollaborationssoftware Soul sowie die dazugehörige Infrastruktur liegen, die „aus eigener Kraft weiter am Leben gehalten werden“ sollen, erklärt er. Die zugehörigen Assets, also vor allem die Rechte an der Software, liegen nicht in der vom Insolvenzverfahren betroffenen Protonet Betriebs GmbH, sondern in der US-amerikanischen Muttergesellschaft Protonet Inc., die 2016 im Zuge der US-Expansion gegründet worden war. Das Startup war damals in den namhaften Westküsten-Accelerator Y Combinator aufgenommen worden, später investierten weitere Geldgeber wie Tim Draper 1,6 Millionen US-Dollar in die US-Gesellschaft.

Weil Protonet vom Y Combinator den üblichen Deal mit 120.000 US-Dollar Funding für sieben Prozent der Anteile bekam, sank die Bewertung des Unternehmens auf nur 1,7 Millionen US-Dollar. Viele der Crowd-Geldgeber, die 2012 und 2014 über die deutsche Plattform Seedmatch investiert hatten, fühlten sich hintergangen: Bei der zweiten Kampagne, die 2014 in Rekordzeit drei Millionen Euro einbrachte, war das Unternehmen noch mit 11,9 Millionen Euro bewertet worden.

Ob für die Crowd-Investoren noch eine realistische Chance besteht, einen Return auf ihren Einsatz zu sehen, bleibt weiter unklar. Ob ihr Investment „irgendwann zurück geführt werden kann, hängt vom Erfolg von Soul ab“, so Mitgründer Blum.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
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