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Programmieren für Alexa: Ein Student verdient 10.000 Dollar pro Monat

Gründerszene 17.04.2018 Lesezeit 4 Min

David Markey ist 22 Jahre alt und Student. Nebenbei programmiert er Skills für Amazons Alexa – und verdient damit mehr Geld als er ausgeben kann.

Es begann 2016 – während des „Prime Day“ von Amazon. An diesem Tag bietet der Internethändler jedes Jahr vergünstigte Artikel für seine Prime-Kunden an. Mathematik- und Wirtschaftsstudent David Markey kaufte sich damals seinen Amazon Echo – einen smarten Lautsprecher, der mithilfe des Sprachassistenten Alexa Befehle seiner Besitzer verstehen und ausführen kann. Allerdings viel zu wenig Befehle, wie Markey fand. Anweisungen wie „Alexa, spiel Musik ab!“ und „Alexa, wie wird das Wetter heute?“ reichten ihm nicht.

Markey begann, seine Wohnung mit intelligenten Geräten wie Glühlampen auszustatten und steuerte diese mit dem Sprachassistenten. Außerdem ließ er sich jeden Morgen die Nachrichten von Alexa vorlesen. „Ich habe den neuen Komfort wirklich genossen“, sagt Markey im Gespräch mit CNBC.

Aber er vermisste etwas. Der Student wollte, dass ihm Alexa täglich ein neues Wort und seine Bedeutung beibrachte. Und er wollte, dass ihm der Begriff und die Erklärung dazu mit einer menschlichen und nicht mit einer computergenerierten Stimme vorgelesen werden.

Das Wort des Tages

Da Markey programmieren kann, schrieb er kurzerhand selbst so ein Programm. Amazon bietet über eine Entwicklerplattform die Möglichkeit, eigene Skills zu entwerfen. Damit können Alexa neue Befehle beigebracht werden. Also nutzte Markey seine Fähigkeiten, um die Anwendung selbst zu entwickeln.

„Ich hatte ein Mikrofon, also suchte ich mir ein paar Wörter aus, die ich nicht kannte, und sprach sie an einem Wochenende ein“, sagt er. Sein Programm stellte er Anfang 2017 in den Amazon Skills Shop. Dort können Alexa-Nutzer für ihre Smart-Home-Geräte Anwendungen kaufen, um den Funktionsumfang zu erweitern. Sein Programm nannte Markey Word of the Day – Wort des Tages. Die Wörter und deren Definitionen sprach er selbst ein.

Der Student Dejian Zeng arbeitete am Fließband in einer iPhone-Fabrik in Shanghai. Er berichtete von 72-Stunden-Wochen, mit wenig Pausen – zu einem Hungerlohn.

Als er das erste Mal die Nutzerzahlen seiner Anwendung sah, war er überrascht. „Es war viel mehr, als ich erwartet hatte“, sagt Markey. Genaue Zahlen will er nicht nennen, aber andere Nutzer liebten sein Programm. Also machte er weiter und veröffentlichte regelmäßig neue Wörter.

Geld verdiente Markey mit seiner Anwendung allerdings nicht. Es war ein Hobby, bei dem er für seine wachsende Fangemeinde immer neue Inhalte erstellte.

Eine E-Mail an Jeff Bezos

Doch eines Tages war er frustriert. Nach einem Umzug wegen eines Praktikums saß Markey in seinem Zimmer und konnte die Wörter für seine Anwendung nicht einsprechen, weil der leere Raum hallte und er deshalb kaum zu verstehen war. Der Student setzte sich auf sein Bett und zog beim Einsprechen eine Decke und seine Jacke über den Kopf, um den Hall wegzubekommen.

Danach schrieb er eine E-Mail an Amazon-Gründer Jeff Bezos. Er schrieb ihm, dass das Erstellen der Inhalte für Alexa zwar Spaß mache und er täglich beobachten könne, wie immer mehr Nutzer dazukämen, ihm aber letztlich ein Ziel fehle, berichtet Markey. Daraufhin meldete sich ein Entwickler der Echo-Lautsprecher bei ihm und lud ihn zu einem Gespräch ein.

Das Ergebnis: Markey durfte am Alexa-Developer-Rewards-Programm teilnehmen. Es zeichnet Entwickler aus, wenn sie erfolgreiche Anwendungen für den Sprachassistenten geschaffen haben. Das Wort des Tages gehörte zwar nicht dazu, aber ein anderes Programm, das sich Markey ausgedacht hatte: Das Word of the Day Quiz, das Ende 2017 veröffentlicht wurde.

10.000 Dollar pro Monat

Danach stellte sich auch der finanzielle Erfolg ein. Markey erfand einen dritten Skill namens Price It Right – Errate den Preis. In dem Spiel müssen Nutzer den Preis von Amazon-Produkten erraten. Eine Spielfirma wollte Markeys Skills kaufen und erlaubte ihm im Gegenzug, einen Teil der Erlöse zu behalten. Plötzlich bekam er monatlich 10.000 Dollar.

Alles andere als schlecht – erst recht für einen 22-jährigen Studenten. Trotzdem, sagt Markey, habe er mehr als das Geld erhalten. Bei einem Alexa-Entwicklertreffen bekam er einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. Es ging um einen Job nach seinem Studienabschluss im Mai – und er bekam die Stelle. Das Geld sei zwar ein netter Verdienst, sagt Markey, „aber das Wertvollste für mich war der Beginn meiner Karriere“.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene
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