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Problem Solver: Zwei Netzaktivisten für mehr Glasfaser-Anschlüsse

Joely Ketterer 19.09.2016

Ein gutes Produkt löst ein großes Problem, lautet eine Startup-Weisheit. WIRED stellt Unternehmen, Menschen und Ideen vor, die diesem Grundsatz folgen, Problem Solver eben. Diesmal: Die ViaEuropa Deutschland GmbH will Gigabit-Anschlüsse auf Glasfaserbasis nach Deutschland bringen.

Das Problem? Deutschland ist bei der Internetversorgung auf VDSL-Vectoring ausgelegt, eine mittlerweile veraltete Technologie, die mit staatlichen Mitteln gefördert wird und jedes Jahr mehrere Milliarden Euro kostet. Schweden hingegen setzt seit 20 Jahren auf Glasfaser-Breitband. Damit hat das skandinavische Land die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit für Internetverbindungen in Europa. 49 Prozent der Bevölkerung haben Gigabit-Anschlüsse, die auf Glasfaser basieren. In Deutschland sind es hingegen gerade einmal 1,2 Prozent.

Die Lösung? Ein Update des Netzes durch dezentralen Glasfaserausbau bei den Breitbandanschlüssen. Das Open-Network-Modell, das ViaEuropa Deutschland einführen möchte, basiert auf vier Elementen: Eine passive Infrastruktur, die für die Verlegung und Finanzierung von Glasfaser sorgt. Das könnte zum Beispiel eine Stadt sein. Eine aktive Infrastruktur, die sich um Wartung kümmert und das Backend zur Verfügung stellt. Das könnten die Stadtwerke übernehmen. Und dann gibt es noch einen Marktplatz, der die aktive Infrastruktur mit Service-Providern, dem vierten Element, in Verbindung bringt. Kunden können dann zwischen Anbietern wählen und hohe Transparenz sowie Wettbewerb würden gefördert.

Wer steckt dahinter? Die Publizistin und frühere IT-Managerin Anke Domscheit-Berg und ihr Mann Daniel Domscheit-Berg, Ex-Mitarbeiter der Enthüllungplattform WikiLeaks. Die beiden Netzaktivisten haben für ihre Idee zum Glasfaser-Breitbandausbau das Unternehmen ViaEurope Deutschland gegründet und sich anschließend mit dem schwedischen Unternehmen ViaEuropa Sverige AB als Joint Venture zusammengetan. Die beiden Gründer sagen, sie hätten ihr Startup „aus Notwehr“ ins Leben gerufen. Der Stand der Dinge in Sachen Breitbandausbau in Deutschland sei eines Technologiestandortes nicht würdig, sagen sie.

Aber braucht man das wirklich? Ein symmetrischer Glasfaserzugang mit einem Gigabit kostet in Schweden ungefähr 50 Euro – in Deutschland oft das zehnfache. Außerdem ist es in Schweden möglich, für eine Einmalzahlung von mehreren 1000 Euro einen Gigabit-Anschluss zu erhalten und ab dann nur noch für die Dienste zu zahlen. Auch das geht in Deutschland bisher nicht. Dazu kommt, dass Glasfasernetze in Schweden in öffentlicher Hand liegen. Das war den Netzaktivisten und Gründern von ViaEuropa Deutschland besonders wichtig. Zusätzlich können Haushalte von Einnahmeüberschüssen aus Kundentarifen profitieren. 50 Prozent der monatlichen Zahlungen fürs Internet sollen an die passiven Infrastrukturbetreiber gehen. Die hohen Installationskosten könnten so nach einigen Jahren refinanziert werden.

Wie geht es weiter? Das Startup der Domscheit-Bergs möchte als erstes Kommunen für seine Idee gewinnen – sie würden den Ausbau der passiven Infrastruktur übernehmen und wären dadurch auch für die Finanzierung verantwortlich. Unter dem Label Opengiga wird das Geschäftsmodell vermarktet. Technisch ist laut den Domscheit-Bergs schon alles bereit, jetzt komme es nur noch auf Vertragszusagen an. Sobald es ausreichend viele gebe, könne mit der Installation der Glasfaseranschlüsse begonnen werden.

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