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„Nutshell ist das Prezi für unterwegs“, sagt Prezi-Gründer Adam Somlai-Fischer über die neue App

Max Biederbeck 12.02.2015

Adam Somlai-Fischer von Prezi präsentiert beim Startup Europe Summit in der Berliner Factory seine neue Präsentations-App Nutshell. Einige werden diese als Spielerei empfinden, oder als Klon von bekannten Apps wie Vine oder Instagram. Im Interview mit WIRED Germany erklärt Somlai-Fischer, warum sein neues Produkt aber viel mehr sein soll.

Vielleicht läuft gerade das letzte Meeting eines langen Arbeitstags, ein Geschichtsreferat in der achten Stunde oder eines dieser nervigen Abendseminare an der Uni, während die Kommilitonen längst in der Kneipe sitzen. Wer zu diesen Zeiten eine Präsentation hält, hat es von Natur aus schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen. Wer früher versuchte, mit PowerPoint-Effekten gegen die Müdigkeit seiner Zuhörer anzukämpfen, der erntete dafür meist Spott. Zerspringende Fenster, reinlaufende Schriften, nervig hüpfende Pixelgimmicks — alle hassten es. Dann kam 2009 Prezi um die Ecke. Am Anfang von Kritikern als Spielerei abgetan, wurde der Online-Editor für Präsentationen mit seinen wilden Schwenks, Zooms und der räumlichen Darstellung von Inhalten schnell zu einem der Hauptkonkurrenten von PowerPoint. Beim Startup Europe Summit in Berlin hat Prezi-Gründer Adam Somlai-Fischer nun Nutshell präsentiert, die neue App seines Unternehmens. Und mancher wird ihm vorwerfen, er kehre zurück zur Spielerei.

Je visueller du eine Geschichte erzählst, desto mehr Eindruck machst du.

WIRED: In den letzten Jahren ist Prezi zu einem der wichtigsten Herausforderer für Microsoft PowerPoint geworden. Jetzt präsentierst du Nutshell. Mit der App kann der User drei Bilder fotorgrafieren, sie miteinander verbinden und die Short-Diashow mit Texten, Effekten und Animationen versehen. Das fühlt sich ein wenig wie ein Spielzeug für langweilige Busfahrten an.
Adam Somlai-Fischer: Na und? Je visueller du eine Geschichte erzählen kannst, desto mehr Eindruck machst du doch. Klar, im Vergleich zu Prezi erscheint Nutshell wie ein sehr kleines Projekt, die Initiative zur Entwicklung ging im Unternehmen auch von nur fünf Leuten aus. Aber es ist einfach ein gutes Tool, um eine Geschichte zu erzählen.

WIRED: Also soll Nutshell das Prezi für unterwegs sein?
Somlai-Fischer: Nutshell hat tatsächlich total viel mit dem Original von Prezi zu tun. Auch schon in der Entwicklung.

Adam Somlai-Fischer präsentiert seine neue App in Berlin.

WIRED: Was meinst du damit?
Somlai-Fischer: Die Idee zu Nutshell entstand, als einige unserer Mitarbeiter anfingen, Prezi für kleine private Sachen zu benutzen. Nicht für komplexe Präsentationen, sondern für Kleinigkeiten. Ich glaube, dass es auch unseren Usern so geht. Sie werden die App sehen und denken: Hey, das kenne ich von Prezi, Ich kann verschiedene Fotos in einem Raum miteinander verbinden und so eine Geschichte erzählen, die mehr ist als eine bloße Diashow. Prezi wurde am Anfang auch belächelt, jetzt werden wir in einem Atem mit PowerPoint genannt.

WIRED: Aber da wart ihr auch die einzige Alternative. Nutshell dagegen hat viele Konkurrenten: Vine, Instagram, sogar Twitter hat jetzt eine eigene Video-Funktion.
Somlai-Fischer: Ich denke, mit unserem Produkt ist es viel einfacher, ein gutes Video zu machen als mit Vine. Da muss der User schon viel Gefühl mitbringen, um die Videoschnitte zum richtigen Zeitpunkt zu setzen. Außerdem macht Nutshell ja eine Mischung aus Video und Foto.

WIRED: Eine Mischung?
Somlai-Fischer: Es gibt kein gesprochenes Wort, keine aktive Handlung, sondern nur die drei Punkte einer Geschichte, die du wirklich wichtig findest. Videos sind da viel komplexer. Auf der anderen Seite bietet die Aneinanderreihung von Bildern viel mehr Kontext als ein einzelnes Foto.

WIRED: Das hört sich wirklich ein wenig nach den Anfängen von Prezi an. Als ich das Programm zum ersten Mal benutzt habe, dachte ich damals auch: Das ist ja eine ganz schöne Spielerei.
Somlai-Fischer: Und ich hoffe, dass wir Leute wie dich umstimmen konnten. Mittlerweile gibt es 50 Millionen Prezis da draußen. Wir haben 300 Mitarbeiter und ein Funding von 70 Millionen Dollar. Unser Programm wird von Privatpersonen und Geschäftsleuten für professionelle Darstellungen benutzt. Das ist keine Spielerei, das kann ich dir versichern.

WIRED: Und diesen Erfolg wollt ihr jetzt mit der App wiederholen?
Somlai-Fischer: Das will ich meinen. Ich denke, dass Nutshell auch in der Geschäftswelt benutzt werden wird. Aber ganz abgesehen davon: Es ist auch total spannend, Menschen dabei zu helfen, sich besser auszudrücken.

WIRED: Kann Nutshell auch in eine klassische Prezi eingebaut werden?
Somlai-Fischer: Die entstehenden Videos sind nur ein Megabyte groß, das heißt, eine Einbindung ist sehr naheliegend. Aber es gibt auch andere unabhängige Anwendungsbeispiele: Ich habe ein kleines Café und zeige auf meiner Website mein Daily Special. Das geht mit Nutshell wesentlich besser als mit vielen anderen Tools. Kreativität wird zum Boost für dein Business.

WIRED: Du glaubst, das wird sich verkaufen?
Somlai-Fischer: Das hat es bei Prezi und das wird es wieder. Prezi und Nutshell machen dich einfach authentischer und stärker vor deinen Zuhörern oder Kunden.

WIRED: Weil ich dank der ganzen Zooms und Schwenks leichter wach bleibe, wenn mir jemand stundenlang einen Vortrag hält?
Somlai-Fischer: Weil es schon bei der Konzeption diese Vortrags hilft, eine Geschichte oder Argumentation durchzudenken, während man den Pfad durch eine Prezi anlegt. Klar, wenn du ein superprofessioneller Redner bist, dann brauchst du das alles nicht, aber dann hast du auch 20 Jahre Training hinter dir. Für unsereiner ist das anders. Wir sind doch froh, wenn uns jemand dabei hilft, unsere Gedanken in eine Reihenfolge zu bringen. 

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