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Warum Daimler bald halbautonome LKW-Kolonnen durch die USA schickt

WIRED Staff 26.09.2017 Lesezeit 2 Min

Die US-Lastkraftsparte von Daimler testet das Platooning-Verfahren für LKW-Konvois auf öffentlichen Straßen in den USA. Die Fahrzeuge werden digital gekoppelt, so dass nur ganz vorn ein Mensch am Steuerrad sitzt – die anderen LKW fahren wie von einem unsichtbaren Band gezogen hinterher.

Die Testfahrten finden ab 2018 auf Straßen in den dünn besiedelten Staaten Oregon und Nevada statt. Die LKWs werden per WLAN miteinander gekoppelt und fahren computergesteuert im gleichen Abstand zueinander.  Die Fahrassistenten sind in der Lage, neben Abstands- und Spurhaltung innerhalb von 0,2-0,3 Sekunden die Notbremse zu aktivieren, was beim Menschen in der Regel zwischen einer und zwei Sekunden dauert. Durch das Ausnutzen des Windschattens des Leitfahrzeugs soll das Platooning-Verfahren vor allem auch Kraftstoff sparen.

Dennoch werden die LKWs nicht komplett autonom fahren: Vielmehr dient das Platooning-Verfahren dazu, Langstreckenfahrten für die Angestellten entspannender zu gestalten. „Platooning ist nicht dazu da, den Fahrer zu ersetzen – sondern ihn auf langen Fahrten zu entlasten“, sagt der Präsident von Daimler Trucks North America, Roger Nielsen.

Durch den geringen Abstand und die schiere Größe der LKWs könnte bei Autofahrern ein bedrohliches, monolithisches Gefühl durch die Konvois entstehen. Dem will Daimler entgegenwirken: Zwar seien die Fahrzeuge digital gekoppelt, dies lasse sich aber jederzeit lösen — beispielsweise, wenn sich ein überholendes Fahrzeug zwischen die Trucks einreihen wolle.

Neben Daimler testet auch der E-Autohersteller Tesla das Platooning-Prinzip. In Deutschland gibt es Testreihen, unter anderem von MAN auf einem Teilabschnitt der Autobahn A9 in Bayern. Das europäische Forschungsprojekt SARTRE (Safe Road Trains for the Environment) forscht ebenfalls an einer Lösung für LKW und PKW.