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Wie das Startup Opinary eure Meinungen sichtbar macht

Georg Räth 18.04.2017

Opinary setzt auf Umfragen in Artikeln von großen Newsseiten wie Spiegel Online und schaut derzeit in die USA. Geld gab es dafür bereits von Rocket Internet.

„Wie stehen Sie zu Erdogan?“ Wenn Ihr das nächste mal online dazu aufgerufen werdet, Eure Meinung zu äußern, könnte Opinary dahinter stecken. Das Startup von Gründerin Pia Frey verdient Geld mit Umfragen in Nachrichtenartikeln. Und auch die Webseitenbetreiber sollen davon profitieren.

Frey ist 28 Jahre alt und gründete Opinary gemeinsam mit ihrem Bruder Cornelius Frey und Max Meran in Berlin. Seit Anfang des Jahres arbeitet sie allerdings von New York aus, da die USA für das Meinungs-Startup der am stärksten wachsende Markt sei. Abgesehen davon sind die Berliner auch in Deutschland und Großbritannien aktiv. Opinary arbeitet nach eigenen Angaben mit über 40 Medien wie etwa Spiegel zusammen und erreiche bis zu 30 Millionen Nutzer im Monat. Bis Ende des Jahres sollen es 100 Millionen werden. Die Gründerin im Gespräch.

Pia, Du hast jahrelang als Journalistin gearbeitet. Kamst Du so auf die Idee, ein Meinungstool zu entwickeln?
Pia Frey: Alle Redaktionen denken darüber nach, wie sie eine loyale Community aufbauen, die jeden Tag auf die Webseite zurückkommt und dort viel Zeit verbringt. Aber all das funktioniert nicht, wenn es zwischen den Nutzern und den Journalisten keine Konversation gibt. Dieses Problem habe ich als Redakteurin im Newsroom erlebt.

Und Du glaubst, dass Dein Meinungs-Tool das ändert?
Frey: 
Lange stellten Kommentarspalten diesen Kontaktpunkt zu den Nutzern dar. Wir wollen, dass Leser ihre Meinung schnell und einfach teilen können und dazu einen Überblick über das komplette Meinungsspektrum bekommen. Ich finde es allgemein schwierig, wenn Journalisten die Welt erklären, aber in ihrer Newsroom-Blase nicht wissen, was da draußen gedacht wird. Viele Nutzer fühlen sich mittlerweile nicht mehr von den Medien repräsentiert. Wir wollen ein Pulsmesser für die Stimmung der Nutzer sein.

Befandest Du Dich als Journalistin auch in einer Blase?
Frey: 
Klar, wenn man im Newsroom sitzt und nur produziert, ist es leicht, das Feingefühl für die Welt da draußen zu verlieren.

Dein Tool soll loyale Nutzer produzieren. Was heißt das konkret?
Frey: 
Wir denken, dass es schwer ist, eine Beziehung mit Nutzern aufzubauen, wenn die wie bisher zu 99 Prozent passiv sind. Indem wir ihnen mit unseren Tools Fragen stellen und vermitteln, dass ihre Meinung etwas zählt, halten wir Nutzer 25 Prozent länger auf der Seite, sie teilen Artikel doppelt so häufig und sie kommen häufiger zurück. Zudem verdienen die Medien mit unserem Tool Geld, indem wir mit Marken zusammen arbeiten.

Wie genau?
Frey: 
Für Marken und Unternehmen ist Aufmerksamkeit und gutes Verständnis ihrer Zielgruppen genauso zentral wie für Redaktionen. Unseren Partnern ermöglichen wir es, mit ihren potentiellen Zielgruppen direkt in Interaktion zu treten, indem wir für sie gesponserte Umfragen in unserem Verlagsnetzwerk platzieren. Das heißt „Engagement Marketing”. Beispielsweise fragt Toyota Nutzer in einem Artikel über die Zukunft des Fahrens, ob sie sich in ein selbstfahrendes Auto setzen würden. Von den Umsätzen durch unsere Unternehmenspartner bekommen Verlage einen Anteil.

Würde es nicht mehr einbringen, wenn Ihr die Nutzermeinungen als repräsentative Studie verkaufen würdet?
Frey: 
Es ist gar nicht so leicht, „repräsentativ” zu definieren. Aber klar: Neben der Aufmerksamkeitssteigerung haben wir einen guten Überblick darüber, was verschiedene Zielgruppen mit Millionen von Nutzern denken. Deshalb liegt es für uns natürlich nahe, über direkte Auswertung der demographischen Informationen unsere Kompetenz für Markt- und Meinungsforschung auszubauen.

Ihr setzt hauptsächlich auf ein Meinungs-Tool, das einem Tacho ähnelt und bei dem die Nutzer ihre Meinung irgendwo zwischen zwei Extremen festlegen müssen. Entscheiden sich Eure Nutzer durch die oft kontroversen Themen nicht einfach für die Extreme?
Frey: 
Die Meinungsbilder sind in den meisten Fällen extrem differenziert. Das Abstimmungsverhalten und die Meinungen unterscheiden sich auch je nach Medium: Auf Spiegel Online beispielsweise ist die Meinung der Nutzer oft mittig und sehr ausgewogen. Bei der Huffington Post haben die Leute häufig eine starke Meinung.

Warst Du schon mal von einer Abstimmung überrascht?
Frey: 
Ständig, zum Beispiel beim Brexit. Da war jeder den ich kenne und auch die meisten Medien der Meinung, dass Großbritannien in der EU bleiben sollte. Aber auf den Seiten unserer meisten Medienpartner waren über 60 Prozent von vielen hunderttausend Nutzern der Meinung, dass die Briten austreten sollten.

Wer wählt eigentlich die Themen für die Umfragen aus. Ihr oder die Medien?
Frey: 
Wir haben einen eigenen Newsroom, der den ganzen Tag Debattenthemen filtert und dazu Umfragen erstellt, die den Partnern bereitgestellt werden. Die Redaktionen können aber auch ihre eigenen Umfragen gestalten.

Ihr habt vor einem Jahr ein Investment mit einer Million abgeschlossen, unter anderem hat Rockets Investment-Arm Global Founders Capital investiert. Plant Ihr bereits die nächste Finanzierung?
Frey: 
Wir sind unter anderem deshalb in den USA, weil wir bald anfangen, uns Gedanken zu unserer nächsten Finanzierungsrunde zu machen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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