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Noch mehr Ex-Mitarbeiter prangern die Arbeitsatmosphäre bei Uber an

Michael Förtsch 23.02.2017

Die Vorwürfe gegen Uber werden immer härter. Nachdem eine Ex-Mitarbeiterin dem Fahrdienstleister vorwarf, sein Sexismus-Problem zu ignorieren, melden sich nun weitere ehemalige Angestellte. Das Arbeitsumfeld bei Uber sei regelrecht toxisch, sagen sie. 

Der Bericht von Susan Fowler hat die Tech-Welt aufgerüttelt. Die Entwicklerin hatte Ende 2015 einen Job bei Uber angetreten. Schon am ersten Arbeitstag sei sie von ihrem Manager via Chat sexuell belästigt worden, schreibt sie. Die Personalabteilung habe sich jedoch geweigert, Schritte gegen ihn einzuleiten, da er als „High Performer“ galt. Nur wenige Monate später wurde ihr gekündigt. Doch Fowlers Erfahrungen und ihr Eindruck einer regelrechten Benachteiligungskultur scheinen kein Einzelfall zu sein. Weitere Ex-Mitarbeiter berichten nun, Uber habe ein prinzipielles Problem im Umgang mit seinen Angestellten und der Atmosphäre, die am Arbeitsplatz herrscht.

Mehrere ehemalige Uber-Angestellte offenbarten der New York Times, dass sie sich 2016 mit Beschwerden über Vorgesetzte oder Kollegen an die Personalabteilung oder sogar CTO Thuan Pham gewendet hätten. Die Vorfälle sind dabei äußerst brisant: Ein Uber-Manager soll einer Mitarbeiterin an die Brust gefasst haben, ein weiterer Manager habe einem Angestellten gedroht, heißt, ihn mit einem Baseballschläger zu verprügeln. In einer hitzigen Debatte während eines Meetings soll ein Vorgensetzer einem Untergebenen homophobe Beleidigungen entgegen gebrüllt haben. Und bei einer Firmenparty in Las Vegas im Jahr 2015 soll es gleich zu mehreren sexuellen Übergriffen durch einen Manager gekommen sein. Alles offenbar ohne gravierende Folgen für die Beschuldigten. Stattdessen würden „problematische Manager“ meist lediglich in eine andere Stelle im Unternehmen versetzt.

Das 68-Milliarden-Dollar-Startup Uber ist bekannt dafür, dass es auf neuen Märkten offensiv auftritt, rechtlich schon mal in Grauzonen agiert und versucht, Mitbewerber mit fragwürdigen Methoden auszuspielen. Diese Vorgehensweise soll sich auch intern durchgesetzt haben. Wer in seiner Uber-Karriere vorankommen wolle, berichten ausgeschiedene Mitarbeiter, müsse seine Vorgensetzen übergehen oder Kollegen ausstechen. Regelmäßig würden bei Meetings Vorwürfe gegen Einzelne vorgebracht. Das Arbeitsumfeld sei aggressiv und aufgeladen. Wer in seiner Position jedoch erfolgreich sei, werde vor Vorwürfen und Disziplinarmaßnahmen geschützt. Das gelte vor allem für das sogenannte A-Team, jene Uber-Angestellten, die enge Beziehungen zu Firmenchef Travis Kalanick unterhalten.

Kalanick selbst hat schnell eine Untersuchung der Vorwürfe angesetzt. Ebenso haben er und weitere Führungskräfte am vergangenen Dienstag ein Meeting abgehalten, bei dem die Erfahrungsberichte, der Sexismus im Unternehmen und weitere Probleme debattiert wurden. Dabei entschuldigte sich Kalanick für seine eigenen Verfehlungen, die diese Unternehmenskultur begünstigt haben könnten. „Was ich versprechen kann, ist, dass es mit jedem Tag etwas besser wird,“ beteuerte er. „Ich kann euch sagen, dass ich dem wirklich und mit vollstem Einsatz auf den Grund gehen werde.“ Aufsichtsratsmitglied und Huffington-Post-Gründerin Arianna Huffington erklärte zudem, dass Uber nicht länger „brillante Arschlöcher“ einstellen werde.

Wie die Uber-Software-Entwicklerin Aimee Lucido in einem Blogpost schreibt, sei sie „erfreut, wie schnell Travis darauf reagiert. Wir sind jetzt besser gerüstet diese Art Problem anzugehen, als jemals zuvor.“ Allerdings seien Sexismus und Diskriminierung vielleicht speziell ein Problem bei Uber – aber bei weitem nicht nur hier. Sie hält dazu an, sich stets gegen die Diskriminierung und für mehr Diversität und Inklusion einzusetzen – nicht nur in Sachen Geschlecht, sondern allgemein. Und egal in welchem Unternehmen.

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