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Microsoft kauft KI-Startup und will Cortana menschlicher machen

WIRED Staff 22.05.2018 Lesezeit 2 Min

Das KI-Startup Semantic Machines ist darauf spezialisiert, digitalen Sprachassistenten ein natürlicheres Sprachbild beizubringen. Jetzt hat Microsoft das Team aufgekauft. Die Entwickler sollen Cortana helfen, alsbald Dialoge zu führen, die sich nicht mehr vom Gespräch mit einem Menschen unterscheiden lassen.

Der Science-Fiction-Film Her zeigt, wie der Traum der Entwickler von Heim- und Sprachassistenten aussieht. Die Nutzer sollen mit einer Künstlichen Intelligenz sprechen und dabei vergessen, dass es sich nicht um einen Menschen handelt. Genau an dieser Vision arbeitete das 2014 gegründete Startup Semantic Machines, das, wie am Samstag bekannt wurde, nun von Microsoft übernommen worden war. Das Team um den ehemaligen Siri-Entwickler Larry Gillick und den Sprachsteuerungspionier Dan Klein nutzt Maschinelles Lernen, um Künstliche Intelligenzen mit natürlichen Konversationsmustern und Gesprächsrhythmen zu trainieren.

Aus dem Entwicklerteam soll nun ein Forschungs- und Kompetenzzentrum im kalifornischen Berkeley hervorgehen. Microsoft will dadurch vor allem den von der fiktiven KI aus der Videospielreihe Halo inspirierten Sprachassistenten Cortana als auch den Chatbot Xiaoice aufwerten. Langfristig, so zitiert The Verge David Ku, Microsofts CTO für Künstliche Intelligenz und Forschung, wolle man die Grenzen des Möglichen in Sachen Sprachsteuerung verschieben. Beide Dienste sollen zukünftig also nicht nicht mehr nur auf Befehle und Fragen reagieren, sondern bei Unklarheiten oder fehlendem Kontext auch aktiv Nachfragen formulieren, Konversationen weiterführen und sogar ganze Gespräche ermöglichen.

Ein Ziel ist es auch, den Assistenten einen eigenen Charakter zu verleihen. Bereits beim Start von Cortana, der im Englischen die Stimme der Sprecherin Jen Taylor nutzt, vermarktete Microsoft den KI-Helfer als Sprachassistent mit Persönlichkeit. Eine nennenswerte Verbreitung fand Cortana aber bislang nicht. Denn Windows Phone als Standardplattform wurde zwischenzeitlich begraben. Das einzige mit Amazon Echo vergleichbare Smart-Speaker-System mit Cortana ist Invoke vom Hifi-Experten Harman/Kardon, weshalb Microsoft nun selbst an entsprechender Hardware arbeite. Immerhin: Auf allen aktuellen Windows-Plattformen ist Cortana fest vorinstalliert.

Zuletzt hatte Google auf der Google I/O mit Duplex ein System vorgestellt, das bei der Präsentation in einem Telefongespräch äußerst überzeugend und menschlich wirkte, während es für seinen Nutzer einen Friseurtermin aushandelte. Microsofts Akquise von Semantic Machines wirkt wie eine direkte Reaktion darauf, dürfte aber schon länger in der Vorbereitung gewesen sein.