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Ein Startup und eine KI im Kampf gegen den Stumpfsinn

WIRED Editorial 15.11.2017 Lesezeit 2 Min

Unstrukturierte Dokumente – damit können auch die ausgefeiltesten Systeme in Büros bisher nicht gut umgehen. Der Mensch muss ran. Oder SearchInk: Das Berliner Startup setzt auf Künstliche Intelligenz, um Ordnung ins Datenchaos zu bringen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe des WIRED Magazins im September 2017. Wenn ihr die Ersten sein wollt, die einen WIRED-Artikel lesen, bevor er online geht: Hier könnt ihr das WIRED Magazin testen.

Auch das modernste Büro fällt immer wieder ins analoge Loch: Jedes Mal, wenn etwa eine Rechnung abgetippt werden muss, tut sich im digitalen Arbeitsablauf eine Lücke auf. Daten, die nicht in ein vorgegebenes Raster passen, überfordern die Maschine und der Mensch muss einspringen.

„Bisherige Systeme können unstrukturierte Dokumente nicht verlässlich erfassen“, sagt Sofie Quidenus, Mitgründerin von SearchInk. Das Berliner Startup nutzt künstliche Intelligenz, um das Problem anzugehen. Mit einer semantischen Textanalyse untersucht das System zunächst, worum es geht: Liegt eine Kundenanfrage vor, eine Rechnung, eine Bestellung? Anschließend identifiziert die Software alle Informationen, die für die weitere Verarbeitung wichtig sind, und überträgt sie in andere Computersysteme. Ganz automatisch.

Wir können Prozesse um bis zu 80 Prozent beschleunigen, indem wir Ordnung ins Datenchaos bringen

„Wir können Prozesse um bis zu 80 Prozent beschleunigen, indem wir Ordnung ins Datenchaos bringen“, verspricht Quidenus. Anderen, die Ähnliches versuchen, hat sie jahre­lange Erfahrung mit dem automatischen Erfassen von Texten voraus. Noch als Studentin in Wien gründete Quidenus 2004 eine Robotikfirma zum Bücher-Scannen. So bekam sie Zugriff auf Millionen unterschiedlichster Dokumente – perfekt, um ein KI-System an unstrukturierte Daten zu gewöhnen.

Die Idee für Search­Ink entstand aus dem Versuch, auch handschriftliche Texte – Tinte auf Papier – computerlesbar zu machen. Schnell wurde Quidenus und ihrem Team klar, dass die Technologie helfen könn­­te, eines der größten Probleme vieler Unternehmen zu bewältigen: Mitarbeiter, die administrative Aufgaben erledigen, sind laut McKinsey die Hälfte ihrer Zeit damit beschäftigt, Informationen zu erfassen und zu sortieren.

Ausgestattet mit 4,2 Millionen Startkapital will Qui­denus ihren smarten Office-­Assistenten auch gleich noch zum Management-Berater machen. Schließlich gewinnt das System Tag für Tag neue Einsichten über Kunden, Aufträge, Reklamationen und Geschäftsabläufe, kann also Tipps geben, was sich verbessern ließe.