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IOTA will das bessere Bitcoin sein

Anna Schughart 08.12.2017 Lesezeit 4 Min

Datenmarktplatz, rasanter Kursanstieg, weltweit erste Kryptostiftung: Die vergangenen Tage waren für IOTA turbulent. Plötzlich interessieren sich alle für das Berliner Startup. IOTA will die „Next Generation Blockchain“ für das Internet der Dinge sein.

Im Internet der Dinge werden ständig Informationen ausgetauscht. Maschinen kommunizieren mit Maschinen, Sensoren produzieren Daten, die wieder von anderen Geräten genutzt werden. So sollen beispielsweise Häuser selbst ihre Raumtemperatur regulieren können, Kühlschränke eigenständig shoppen oder selbstfahrende Autos entscheiden, wann sie tanken müssen – und auch noch selbst bezahlen. Im Internet der Dinge handeln Maschinen mit Maschinen.

Doch damit das funktioniert, braucht das Internet of Things (IoT) ein tragfähiges Netzwerk. Eine Möglichkeit, Daten auszutauschen, sie zu verkaufen und zu bezahlen – und zwar viel und ständig. Die Blockhain könne das nicht leisten, sagt Dominik Schiener, einer der Gründer von IOTA. Und das aus mehreren Gründen: Zum Beispiel, weil dort für jede Transaktion Spesen fällig werden – es aber beim Internet of Things vor allem um kleine Beträge gehe. Oder, weil sie nicht beliebig skalierbar, zu langsam sei. „Wir lösen die Probleme der Blockchain“, sagt Schiener.

Die Antwort von IOTA auf die Probleme der Blockchain heißt Tangle. Statt wie in der Blockhain einen Block nach dem anderen chronologisch zu verbinden, spinnt das Tangle ein großes Netz. Wer eine Transaktion über IOTA machen möchte, muss zwei weitere Transaktionen validieren. „Im Moment läuft IOTA noch mit einem Koordinator, der das Netzwerk vor verschiedenen Attacken schützt und bei der Validierung der Transaktionen hilft“, sagt Schiener. Wenn das Netzwerk genügend Teilnehmer hat, ist das nicht mehr nötig. Denn je mehr Teilnehmer IOTA hat, desto sicherer und schneller soll es sein.

Mit Hilfe der Tangle-Architektur kann man dann Transaktionen durchführen, Daten austauschen und sichern oder mit Hilfe der Iota-Token kaufen und verkaufen. Der Kurs für die Token ist in den vergangen Tagen stark gestiegen. Ein Beispiel, wie das alles aussehen könnte, ist der Datenmarktplatz – ein Prototyp, den IOTA Ende November für zwei Monate eröffnet hat. „Der Datenmarktplatz ist die Killerapplikation auf IOTA, wir ermöglichen damit komplett neue Business-Modelle“, sagt Schiener. Denn auf dem Marktplatz lassen sich Daten, die Sensoren produzieren, mit IOTA-Token kaufen. Es soll die Befreiung der Daten werden – raus aus den Silos, rein in die Datenseen.



Bisher werden auf dem IOTA-Datenmarktplatz zum Beispiel Wetterdaten zum Kauf angeboten. Mit dabei sind unter anderem Bosch und die Telekom. Aber nicht bloß Unternehmen, sondern auch Nutzer sollen ihre Daten verkaufen können – und so auch von ihnen profitieren. „Wir öffnen den Datenmarktplatz für die ganze IOTA-Community“, sagt Schiener.

Der Datenmarktplatz ist ein Beispiel, das zeigen soll, was alles möglich wäre. IOTAs Erfolg jedoch, betont Schiener, hänge davon ab, dass viele großen Unternehmen einsteigen. Ein Anreiz dafür: IOTA ist gratis und Open Source. Ein anderer: Die IOTA-Stiftung, die Anfang November vom Berliner Senat anerkannt wurde.

Es ist die weltweit erste Kryptostiftung. Sie zu realisieren habe länger als ein Jahr gedauert, erzählt Schiener: „Wir mussten die Regulatoren davon überzeugen, dass der IOTA-Token wirklich eine anerkannte Währung ist.“ Die IOTA-Stiftung, sagt er, habe nun ein Kapital von rund 500 Millionen Euro – das zustande gekommen ist, weil die Token-Inhaber einen Teil der existierenden Token gespendet haben. Mit Hilfe der Stiftung kann IOTA jetzt nicht nur großen Firmen signalisieren: Schaut her, wir sind seriös und werden reguliert, sondern auch ordentlich Geld in die Entwicklung der Technologie stecken. „Unser Ziel ist es, das Protokoll und die Software in den Production Ready-Status zu bringen“, sagt Schiener.