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Dates in der Virtual Reality! Ein Dortmunder Startup machts möglich

Georg Räth, Gründerszene 29.06.2017

In Zukunft werden wir in virtuellen Räumen flirten, sagt der Gründer von VR Dating World. Mit der VR-Brille auf dem Kopf und Geräten, die Sex simulieren.

Tinder hat das Dating auf das Smartphone gebracht. Mit VR Dating World soll es jetzt in die virtuelle Realität gelangen. Der Gründer Thorsten Engelmann baut an einem Online-Portal, bei dem die Nutzer ihre Flirt-Partner in computergenerierten Welten treffen. Wie sich das anfühlt? „Irre“, sagt Engelmann. Die Seite soll im Herbst live gehen.

Zuvor gründete der 35-Jährige gemeinsam mit Philip Cappelletti das Dating-Portal MySugarDaddy, bei dem vermeintlich wohlhabende Männer auf Frauen treffen, die angeben, jünger zu sein. Später entstand daraus SDC Ventures, ein Dortmunder Company Builder und Investor für Tech-Startups. Im Portfolio befinden sich neben der Dating-Seite das Buchungs-Portal Monteurzimmer-1a.de oder das VR-Computerspiel Dungeons and Treasure. Mitte Juli startet zudem ein Onlineshop im Bereich Bautechnik. GoPepper, ein Reise-Assistent mit künstlicher Intelligenz, hat das Unternehmen nach einer Testphase wieder fallen lassen.

Thorsten Engelmann

Im Gespräch erzählt der Gründer, wie er Online-Dating auf ein neue Ebene bringen will – und warum er nichts von überhypten Berliner Startups hält.

Thorsten, du willst Dating in der virtuellen Realität anbieten. Aber kaum jemand besitzt VR-Geräte. Ist es nicht etwas zu früh für Deine Idee?
Der VR-Bereich steckt noch in den Kinderschuhen. Die Brillen sind noch sehr klobig und teuer. Aber Smartphones waren früher auch groß und hässlich. Wir wollen frühzeitig ein Bein in die Tür bekommen und die ersten sein, die ein Produkt auf den Markt bringen. Denn in den nächsten zwei, drei Jahren wird sich die Technik unheimlich schnell entwickeln.

Warum glaubst Du, dass Ihr Erfolg haben werdet?
Als Virtual-Reality-Brillen im vergangenen Jahr auf den Markt kamen, haben wir direkt ein Spiel dafür programmiert, um zu schauen, was mit dieser Technik möglich ist. Heute haben wir mit über einem Jahr Erfahrung in der VR-Programmierung einen Vorsprung zur Konkurrenz.

Du betreibst bereits die Dating-Seite MySugarDaddy, bei der wohlhabende Männer auf jüngere Frauen treffen sollen. Diese Nutzer willst du dazu bewegen, nun auch in der VR-Dating-Welt zu flirten?
Wir können bei MySugarDaddy auf eine große Nutzerbasis zurückgreifen. Daher wird auch unser VR-Dating erst mal mit diesem Thema starten. Aber wir wollen das ganze als Dating-Welt aufbauen.

Wie soll die aussehen?
Der Nutzer wird an einem digitalen Empfang gefragt, welche Vorlieben er hat, also zum Beispiel, ob er Akademiker sucht oder einen Partner aus einer bestimmten Region. Danach geht er in den entsprechenden virtuellen Raum und trifft dort andere Nutzer. Das ist die moderne Version von Chaträumen.

Können in diesen Räumen auch Nutzer ohne VR-Brille teilnehmen?
Wir haben die 3D-Welt so gebaut, dass man dafür nicht unbedingt eine VR-Brille braucht. Nutzer können sich in dem Raum wie in einem normalen Computerspiel mit Maus und Tastatur bewegen. Wir glauben, dass unsere männlichen Nutzer eine VR-Brille haben werden und die Frauen, bei uns meist junge Studentinnen, keine.

Damit meinst Du, dass sich wohlhabende Männer eher eine teure VR-Brille leisten können. Und wie fühlt sich das Flirten in der virtuellen Realität an?
Sobald man die VR-Brille aufsetzt, unterhält man sich quasi real mit anderen. Wenn man dabei die eigene Stimme benutzt, ist das ein irres Gefühl. Interaktionen in VR sind nah dran an der Realität. Man ist sehr schnell in dieser Welt. Ich wollte mich zum Beispiel schon oft an der Bar anlehnen, obwohl die nur virtuell ist.

Bisher wird bis auf die Stimme nicht viel aus der Realität in VR übertragen. Was ist mit der Gestik oder Mimik?
Gestik und Mimik sind bei uns in Planung. Gerade gibt es die Entwicklung, mit dem Handy sein Gesicht abzufotografieren und damit ein 3D-Modell zu errechnen, bei dem dann mit der Stimme der Mund passend gesteuert wird. Wir wollen diese Technik demnächst bei uns einbauen. Es wäre auch super, wenn Nutzer mit einem Abbild ihres ganzen Körpers in die virtuelle Realität gehen könnten. Aber dafür benötigt man derzeit noch einen Body-Scanner, und der kostet 15.000 Euro. Sobald es aber neue Techniken gibt, erweitern wir unser Produkt Stück für Stück.

Werden reale Treffen in Zukunft an Relevanz verlieren?
Davon gehe ich schon aus, denn durch VR werden reale Treffen ersetzbar. Persönliche Treffen und Kennenlernen in der realen Welt wird es weiterhin geben, aber dadurch dass die räumliche Trennung nicht mehr relevant ist, kann man sich viel schneller zu einem Meeting treffen oder zusammen ein Fußballspiel am virtuellen Fernseher verfolgen.

Für Dein Unternehmen wäre es aber am besten, wenn die Nutzer möglichst lange in Ihrer VR-Welt verbringen, oder?
Ja, aber wir werden die Menschen nicht daran hindern können, sich real zu treffen. Das ist auch ok. Unser Ziel ist es, Menschen zu vernetzen und zusammen zu bringen.

Gibt es nicht auch virtuelle Beziehungen, gerade durch VR?
Die Frage ist, wie sich die virtuelle Realität weiterentwickelt. Die Japaner forschen beispielsweise an Gegenständen, die Sex imitieren. Vielleicht ist das in 20 Jahren das normale Leben. Ich hoffe aber nicht.

Wie wollt Ihr mit der Plattform Geld verdienen?
Wenn Nutzer in einen privaten Chatraum gehen, dann kann dieser Raum auch eine Yacht sein oder eine Karibik-Insel. Und für diese virtuellen Räume bezahlen die Nutzer. Am Anfang wird unsere Plattform allerdings kostenlos sein, weil es relativ wenig Nutzer geben wird und wir erstmal Erfahrungen sammeln wollen.

Du betreibst auch den Company Builder und Investor SDC Ventures. Wie kam es dazu?
Im Ruhrgebiet ist im Gegensatz zu den Startup-Hochburgen in Berlin, München oder Hamburg wenig los. Wir haben von anderen Gründern aber immer wieder Anfragen bekommen, ob wir sie nicht finanziell und mit Erfahrung unterstützen könnten. So haben wir nach und nach gute Leute und Ideen kennengelernt. Und da wir uns weiterentwickeln und neben Dating auch andere Projekte starten wollten, haben wir SDC Ventures gegründet.

Und wie geht Ihr mit der Firma vor?
Wir versuchen Nischen zu finden, mit denen man nicht viel Geld verbrennt. Wir haben unser Geld hart erarbeitet und ehrlich verdient und gehören nicht zur Berliner Szene, die mit Millionen um sich wirft, um einen schnellen Exit zu machen.

Welche Projekte verfolgt Ihr?
Wir machen gut bürgerliche Sachen, die mit einer hohen Wahrscheinlichkeit funktionieren und Geld verdienen. Wenn ein Unternehmen nicht aus den Umsätzen wächst oder nicht reif genug ist, dann lassen wir es auch wieder sein und greifen andere Projekte auf.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene.
Das Original lest ihr hier.

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