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In Wien sollen autonome Shuttle-Busse fahren

Michael Förtsch 12.04.2018

In der österreichischen Hauptstadt Wien werden 2019 selbstfahrende Busse zur Testfahrt antreten. Sie sollen zwischen Wohngebieten und U-Bahn-Stationen pendeln. Zur Sicherheit wird stets ein Aufpasser mit an Bord sein.

Während in deutschen Großstädten wie Berlin und München gerade zögerlich erste Testfahrten mit Elektrobussen abgehalten werden, werden in der österreichischen Hauptstadt Wien in Zukunft erste fahrerlose Busse unterwegs sein. Ab 2019 sollen zwei Mini-Shuttle vom Modell Arma des 2014 gegründeten Start-ups Navya aus Frankreich einen Testlauf im Stadtteil Seestadt Aspern unternehmen. Sie sollen im Rahmen des Forschungsprojektes auto.Bus Seestadt einem traditionellen Fahrplan folgen, Haltestellen um die U2-Station Seestadt anfahren, Fahrgäste aufnehmen und absetzen – und das bis zum Sommer 2020. Dabei soll sich vor allem zeigen, ob der Personennahverkehr der Wiener Linien mit autonomen Fahrzeugen effizienter und sicherer gestaltet werden könnte.

Die Shuttle-Busse sind vergleichsweise kompakt. Der rein elektrisch getriebene Navya Arma ist nämlich nur 4,75 Meter lang, 2,11 Meter breit und 2,65 Meter hoch und bietet damit elf Sitzplätze. Bei den Probefahrten in Wien sollen die beiden Mini-Busse trotz einer theoretischen Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde mit maximal 20 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Ebenso wird stetig ein sogenannter Operator an Bord sein, der die Fahrten überwachen und bei Notfällen eingreifen kann. Zudem werden die beiden Busse vor einem Einsatz mit realen Passagieren noch Testläufe auf abgesperrten Arealen absolvieren.

Bei dem Projekt, an dem auch das Austrian Institute of Technology, das Kuratorium für Verkehrssicherheit, die Siemens AG Österreich und Navya selbst teilnehmen, soll auch ermittelt werden, wie das Vertrauen der Passagiere und anderer Verkehrsteilnehmer in die Busse erhöht werden könnte. Unter anderem soll herausgefunden werden, wie sich vermitteln lässt, nach welchen Regeln die Busse handeln und was ihre Sensoren wahrnehmen. Denn bislang waren die Arma vor allem auf isolierten und verkehrsarmen Geländen wie dem Kernkraftwerk Civauxoder kurzen Strecken wie einem 1,5-Kilometer-Abschnitt in der Fußgängerzone des Schweizer Städtchens Sitten unterwegs.

Einen ähnlichen Testlauf wie die Wiener Linien wagt auch die Deutsche Bahn. Allerdings nicht in einer Großstadt, sondern im bayrischen Kurort Bad Birnbach. Seit 2017 pendelt ein vom französischen Autobauer Easymile entwickelter EZ10-Mini-Bus selbstständig zwischen dem örtlichen Bahnhof, dem Dorfzentrum und der Therme. Der EZ10 war aber auch schon in Berlin unterwegs – dort allerdings nur auf Firmen- und Privatgelände wie dem Euref-Campus und der Charité.