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Google-Entwickler wollen nicht an zensierter Suche für China arbeiten

WIRED Staff 02.08.2018 Lesezeit 3 Min

Mit einer neuen Suchmaschine will Google nun nach China zurückkehren. Die soll sich an die Zensurvorgaben der Regierung halten. Viele Google-Entwickler sehen das als Bruch der Firmenphilosophie.

Bereits im Jahre 2006 hatte Google ein chinesisches Subunternehmen gegründet. Allerdings wurde das – wie auch über 20 andere Firmen – Opfer einer Reihe von Hackerattacken. Daraufhin hatte Google angekündigt, seine Position in und gegenüber China zu überdenken und nicht länger die Suchergebnisse in China zu zensieren. Seit 2010 ist die Google-Suchmaschine in China offiziell blockiert. Seit 2014 sind auch Dienste wie Google Mail oder Chrome nicht mehr verfügbar. Stattdessen fokussiert sich Google dort auf die Entwicklung von Android, Firebase oder das KI-Framework TensorFlow. Nun könnte Google aber mit seinem Kerndienst zurückkehren.

Wie The Intercept unter Berufung auf zwei Insider berichtet, hat Google mit Dragonfly ein Projekt laufen, das eine für China angepasste Suchmaschine bieten soll. Die soll in eine eigens entwickelte Android-App für den chinesischen Markt eingebettet sein, die auch schon chinesischen Regierungsstellen vorgestellt und vorgeführt worden sei. Im Gegensatz zur regulären Google-Suche soll Dragonfly sich an die Zensurvorgaben der Kommunistischen Partei Chinas halten: Seiten und Suchbegriffe zu Themen wie Menschenrechten, Demokratie, Religion, Redefreiheit oder friedlichen Protestformen werden von vornherein ausgeschlossen. Entsprechende Sucheingaben führen dann schlichtweg zu keinem Ergebnis.

Es gibt Widerstand bei Google

Innerhalb der nächsten sechs bis neun Monate könne Google Dragonfly auf den Markt bringen, sofern Peking die Genehmigung erteilt. Wobei der Start auch davon abhänge, ob die Ergebnisse der Suche mit der von Google-Konkurrent Baidu mithalten können. Das Unternehmen gilt als das Google von China – nicht nur bei der Suche, sondern auch was Projekte wie die Plattform Apollo angeht, die für selbstfahrende Fahrzeuge entwickelt wird.

Mittlerweile haben die New York Times und Reuters den Bericht von The Intercept durch eigene Quellen bestätigt. Dabei berichtet die New York Times auch davon, dass es innerhalb von Google durchaus Widerstand gegen das Projekt gäbe; denn das stelle einen krassen Bruch mit den bisherigen Leitlinien dar, sich nicht Zensur und Repression zu beugen. Entwickler hätten sich geweigert an dem Projekt zu arbeiten und drohten mit Kündigung.

Auch andere Stellen kritisieren das Projekt. Amnesty-International-Forscher Patrick Poon sieht die Google-App als „ein großes Desaster für das Informationszeitalter“ und „einen Sieg für die chinesische Regierung.“ Eva Galperin von der Electronic Frontier Foundation sagt, das Engargement von Google sei „äußerst enttäuschend.“ Denn der US-Konzern würde so „als Propagandawerkzeug“ missbraucht. Damit würde ein Präzedenzfall geschaffen, der anderen Nationen demonstriere, dass sich Firmen derartigen Restriktionen letztlich doch unterwerfen würden.

Alles falsch?

Geht es nach chinesischen Staatsmedien sind aber eh alle Meldungen über Googles Projekt und die Rückkehr nach China durchweg falsch. „Relevante Abteilungen“ der chinesischen Regierung hätten die Berichte als „unwahr“ bezeichnet. Tatsächlich könnten die Pläne und Ambitionen von chinesischer Seite recht schnell über Bord geworfen worden sein. Zuletzt hatte Facebook die Erlaubnis bekommen, ein Forschungs- und Innovationszentrum in China zu eröffnen. Die war nach nur wenigen Stunden widerrufen worden.