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Google-Interna weisen auf heftigen Diversity-Streit hin

WIRED Staff 07.08.2017

Unter der Oberfläche brodelt es bei Google derzeit gewaltig: Eine zehnseitige Streitschrift gegen die Diversity-Politik des Unternehmens geht derzeit innerhalb der Belegschaft viral. Kurz nach ihrem Amtsantritt als Vice President of Diversity, Integrity & Governance muss sich Danielle Brown nun damit befassen.

Zehn Seiten Text beschäftigen derzeit Mitarbeiter und Chefetage bei Google: Die von Gizmodo vollständig zitierte Streitschrift mit dem Titel Google's Ideological Echo Chamber kritisiert die ihrer Meinung nach erzwungene Gleichstellung von Mann und Frau innerhalb der Firma — und hält sie sogar für geschäftsschädigend. Der unbekannte Autor vertritt dabei eine klassische Maskulinisten-Argumentation: Männer und Frauen, so schreibt er, seien nun einmal verschieden. Diese Tatsache anzusprechen, müsse innerhalb einer offenen Firmenkultur möglich sein.

Danielle Brown hat inzwischen als zuständige Spitzenpersönlichkeit bei Google auf die Ausbreitung der Streitschrift reagiert: Die Stellungnahme der konzerneigenen Diversity-Chefin hebt zum Beispiel hervor, dass sich in dem Text inkorrekte Annahmen zum Thema Geschlechterunterschiede wiederfinden, und dass er sich gegen einen wichtigen Teil der Firmenkultur richte: Der Aufbau einer offenen und alle einschließenden Arbeitsumgebung sei nicht nur ein Kernelement von Googles Identität, sondern schlichtweg der richtige Weg.

Während die meisten Medien den implizierten Sexismus der Streitschrift kritisieren, scheint die Reaktion auf vielen Seiten zumindest den Vorwurf des Mundtotmachens abweichender Meinungen zu bestätigen, die der Autor hervorbringt. Browns Reaktion zumindest versucht den Spagat, im selben Absatz eine offene Firmenkultur anzupreisen, in der unterschiedliche Meinungen ohne Angst vorgetragen werden können — zieht dann aber gleich die Grenze bei allem, was in Sachen Code of Conduct, Firmenpolitik und Gesetzen gegen die Diskriminierung konträr läuft.

Dass die Tech-Branche noch immer ein strukturelles Diversity-Problem hat, ist kaum überraschend. Yonatan Zunger, selbst ehemaliger Google-Mitarbeiter, schrieb zu dem Vorfall auf Medium seine persönliche Meinung: Der Autor des Manifests habe die Hälfte aller Kollegen als unfähig in ihrem jeweiligen Job bezeichnet. Dieses Versagen der sozialen Kompetenz, laut der Streitschrift ein weibliches Attribut, vergifte das Betriebsklima. Zunger findet: Der Verfasser sollte sich schleunigst einen neuen Arbeitgeber suchen.

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