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Germany's Got Tech Talent: Deutschland ist innovativer als gedacht

Nikolaus Röttger 30.11.2016

In Deutschland wird gern über die schleppenden Digitalisierung geklagt. Doch wenn man genau hinschaut, sieht es in Sachen Innovation und Talent gar nicht so schlecht ist. Das bestätigt nun auch ein neuer Report.

In den vergangenen fünf Monaten sind WIRED-Reporter durch Deutschland gereist, um herauszufinden, wie digital und innovativ dieses Land eigentlich wirklich ist. Wir waren in schwäbischen Kleinstädten, im Rheinland, in Hamburg, Berlin und München – und gerade die bayerische Landeshauptstadt hat großes Potenzial, die nächste Stufe der Digitalisierung zu prägen. Das jedenfalls lässt sich aus der Studie State of the European Tech 2016 herauslesen, die von den Machern der Slush-Konferenz und der Investmentfirma Atomico von Skype-Gründer Niklas Zennström durchgeführt wurde.

Der Report bestätigt, was die WIRED-Reporter auf ihrer Reise erlebt haben: Bei allen berechtigten Klagen darüber, dass Deutschland die Digitalisierung verschlafen habe und der Breitbandausbau nur schleppend vorankomme, ist das Potenzial eben doch groß. Bereits jetzt wird in Startups und Konzernen, aber auch bei Mittelständlern intensiv an Digital- und Innovationsthemen gearbeitet. Insgesamt ist der Tech-Arbeitsmarkt in Deutschland im vergangenen Jahr sogar um 3,3 Prozent gewachsen, so die aktuelle Studie. Nur in Irland, wo viele US-Konzerne ihre Europa-Zentralen haben, ist das Wachstum mit 5,5 Prozent höher. Der Durchschnitt liegt europaweit bei 2,1 Prozent.

Besonders auffällig sind die Stärken deutscher Städte im Bereich Deep Tech

Ein wichtiger Erfolg für die Industrie sind Arbeitskräfte. Und auch hier kann Deutschland punkten: Unter den zehn wichtigsten Computer-Science-Universitäten in Europa befinden sich laut Studie drei deutsche: die TU München, das Karlsruhe Institute of Technology (KIT) und die RWTH Aachen.

Besonders auffällig sind die Stärken deutscher Städte im Bereich Deep Tech, wozu die Studienmacher sowohl Entwicklungen bei Künstliche Intelligenz (Deep Learning, Computer Vision, Big Data) als auch bei Internet of Things (Wearables, Smart Home), Virtual und Augmented Reality sowie Frontier Hardware (Drohnen, Roboter, 3D-Druck) zählen. Europaweit haben sich die Deep-Tech-Investitionen seit 2011 auf voraussichtlich eine Milliarde Dollar in 2016 vervierfacht. Das meiste Geld floss dabei nach Großbritannien und Frankreich, Deutschland folgt auf Platz 3.

Um herauszufinden, wo sich die meisten Deep-Tech-Talente befinden, haben die Studienmacher LinkedIn ausgewertet. Dabei fragten sie unter anderem: In welcher Stadt sind im Vergleich zu allen lokalen Mitgliedern die meisten Berufstätigen im Bereich Frontier Hardware tätig. Unter den Top 10 sind vier deutsche Städte: Köln (Rang 9), Frankfurt (Rang 7), Berlin (Rang 5) und auf Platz eins München. Im Bereich Künstliche Intelligenz schaffen es drei deutsche Städte unter die ersten zehn: Frankfurt (Platz 5), München (Platz 2), Berlin führt das AI-Talente-Ranking an. Auch im Bereich VR und AR liegt Berlin vorn, München auf Platz 3.

Diese Talent-Ergebnisse sind für Deutschland vor allem deswegen ein positives Signal für die Zukunft, weil Gründerinnen und Gründer vor allem dort ihr Business starten, wo sie auf gute Mitarbeiter treffen. Darum etwa hält der Computer-Vision-Pionier EyeEm am KI-Standort Berlin fest, darum arbeitet das Roboter-Unternehmen Magazino in München an Logistik-Hardware und ein Mittelständler aus Köln an der Hyperloop-Revolution. Alles Geschichten aus unserer Deutschland-Reise, die man ab dem kommenden Dienstag (6. Dezember 2016) in der neuen WIRED-Ausgabe lesen kann.

Hier könnt ihr den State of European Tech Report 2016 nachlesen:

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