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Diese Filterblasen reinigen Abwasser energiesparend

WIRED Editorial 27.12.2017

Verschmutztes Wasser von Öl und Chemikalien zu befreien, ist aufwändig und teuer. Noch. Ein Berliner Unternehmen hat eine energiesparende Methode entwickelt, die selbst mit den härtesten Fällen klarkommt: Blubberblasen.

Ein Bubble-Generator. Was nach einem Spielautomaten aus den 80er-Jahren klingt, ist tatsächlich zentraler Bestandteil einer neuen Methode der Wasserreinigung, die das Berliner Unternehmen akvola Technologies entwickelt hat. Wenn Wasser so dreckig ist, dass es als solches fast gar nicht mehr erkennbar ist, helfen diese Blasen. Denn die kommen selbst mit den härtesten Fällen klar. Mit Öl, Metallspänen oder Chemikalien – was in Abwässern von Raffinerien oder der metallverarbeitenden Industrie eben so mitschwimmt.


Die Geschichte der wasserreinigenden Blubberblasen beginnt im Jahr 2011 an der TU Berlin. Matan Beery arbeitet damals an seiner Doktorarbeit zum Thema Meerwasserentsalzung. Bevor die vonstattengehen kann, müssen aus dem Meerwasser erst mal kleine Algen und Sand entfernt werden. Beery hat eine Idee: Luftblasen könnten das erledigen. Im selben Forschungsprojekt an der TU ist damals Beerys Kommilitonin Johanna Ludwig mit ihrer Diplomarbeit beschäftigt. Gemeinsam entwickeln sie den ersten Prototypen, nennen die Technologie akvoFloat und gründen schließlich zusammen mit Lucas León ihre Firma akvola Technologies

„Viele Firmen im Wasserbereich haben ein ,aqua‘ im Namen“, sagt Ludwig. 
Akvola kommt dagegen von „akvo“, das heißt „Wasser“ in der Weltsprache Esperanto. So wollen Ludwig und ihre beiden Mitgründer zeigen: Wir sind ein internationales Unternehmen, 15 Menschen, zehn verschiedene Nationalitäten. Aber auch: Wir sind ein Unternehmen mit einer grundsätzlich neuen Idee.

Die akvoFloat-Technologie nutzt für die Wasserreinigung zwei verschiedene Trennverfahren: Filtration und Flotation. Für Letztere sind die Luftblasen zuständig. Den speziellen Bubble-Generator hat die Firma selbst entwickelt, er erzeugt die Mikroblasen, die im Wasser aufsteigen und auf ihrem Weg an die Oberfläche unter anderem Öltropfen und kleine Partikel mitnehmen. „Oben auf dem Wasser bildet sich dann eine Schmutzschicht, die automatisch abgeschwämmt wird“, sagt Ludwig. Im zweiten Schritt wird alles, was die Bläschen zurückgelassen haben, durch eine Keramikmembran gefiltert. Diese Kombination von Verfahren spart Platz und Material. Vor allem aber, sagt Ludwig, verbrauche die Technologie dank des Bubble-Generators bis zu 90 Prozent weniger Energie als bisherige Wasserreinigungsmethoden.

Das ist das vielleicht stärks­te Argument dafür, dass sie Erfolg haben könnte. „Wir befinden uns im Water-Energy-Nexus“, sagt Johanna Ludwig. Heißt: Heutzutage sei immer mehr Energie nötig, um sauberes Wasser herzustellen. Gleichzeitig brauche man immer mehr Wasser, um Energie zu produzieren und zu speichern. „Das ist ein Teufelskreis, weil beides nicht unendlich verfügbar ist.“ An den zwei Fronten setzt die Technologie von akvola an: Sie reinige das Abwasser mit wenig Energieaufwand, und weil das wieder nutzbar werde, ergebe sich eine Ersparnis beim Wasserverbrauch, sagt Ludwig.

Geholfen hat der (noch) kleinen Firma akvola Technologies in dieser frühen Phase ihrer Existenz auch, dass „im Wassermarkt gerade ein Umbruch herrscht und viele Firmen investieren müssen“, sagt Ludwig. Das liegt unter anderem an strengeren Gesetzesauflagen. Das Interesse ist dementsprechend hoch. Viele Pilotanlagen, u.a. bei einem großen Autobauer und einer Raffinerie, sind derzeit bereits im Testbetrieb. Und vor Kurzem hat akvola Technologies seine erste Anlage verkauft.