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Facebook bezahlt die Musikindustrie, damit ihr sorglos Videos hochladen könnt

Benedikt Plass-Fleßenkämper 06.09.2017 Lesezeit 3 Min

Laden Internetnutzer selbsterstellte Videos ins Netz, verletzen sie dabei nicht selten Urheberrechte durch die Verwendung von geschützten Musikstücken. Die Konsequenz: Videos werden gelöscht, im schlimmsten Fall droht ein Rechtsstreit. Dieses Problem will Facebook umgehen – mit einer astronomischen Zahlung an die Musikindustrie.

Facebook setzt seit geraumer Zeit große Hoffnungen in das Thema Videoinhalte. Das soziale Netzwerk ermuntert seine Nutzer mit immer neuen Funktionen nicht nur dazu, mehr Videos zu konsumieren, sondern auch zu erstellen und hochzuladen. Grund für diese Bemühungen ist das Monetarisierungspotenzial von Video-Content – Facebook hofft auf üppige Werbeeinnahmen. Wie ernst es Mark Zuckerberg und Co. mit diesem Anliegen ist, beweisen aktuelle Verhandlungen mit der Musikindustrie.

Eines der größten Probleme mit nutzergenerierten Videoinhalten ist die Wahrung von Urheberrechten. Unterlegen die Hobby-Filmer ihre Clips mit Musik oder zeigen Ausschnitte aus Filmen und Videospielen, verletzen sie damit das Copyright der jeweiligen Verlage und Interpreten. Ein Dilemma, dem YouTube seit einiger Zeit mit einer recht aufwendigen Lösung entgegenwirkt. Das von Google betriebene Portal erkennt urheberrechtlich geschütztes Tonmaterial automatisch und beteiligt die Urheber an den Werbeeinnahmen, die der jeweilige YouTube-User mit dem Video verdient.

Eine solche Option bietet Facebook bisher nicht, Videos mit urheberrechtlich geschützten Inhalten müssen manuell aus dem Netzwerk entfernt werden. Ein Umstand, der sowohl auf Seiten der Urheber als auch bei Facebook-Nutzern für Frust sorgt. Wie Bloomberg unter Berufung auf Insider-Quellen berichtet, befindet sich Facebook deshalb schon seit Monaten in Verhandlungen mit der Musikindustrie. Dabei habe es bereits eine Einigung darüber gegeben, dass Facebook ein ähnliches Konzept wie YouTube einführen wolle, um die Situation zu entschärfen.

Das Problem: Die technische Umsetzung ist kompliziert und könnte bis zu zwei Jahre dauern. Ein Zeitraum, der für beide Parteien nicht vertretbar ist. Deshalb greift Facebook laut Bericht nun tief in die Tasche, um die Musikindustrie bei Laune zu halten. Bloomberg zufolge hat der Konzern den großen Plattenfirmen eine Zahlung von mehreren hundert Millionen US-Dollar angeboten, um Streitigkeiten um verletzte Urheberrechte dauerhaft beizulegen.

Die genaue Höhe der zur Debatte stehenden Geldsumme ist nicht bekannt. Auch ist offen, wie die Musikindustrie auf das Angebot reagiert. Da diese sich mit der Etablierung von Streaming-Diensten wie Spotify und Werbeeinnahmen via YouTube langsam von ihrem vorangegangenen Einbruch erholt, dürfte die angebotene Geldspritze aus Kalifornien aber durchaus willkommen sein. Denn fest steht: Die Urheberrechtsverletzungen durch Nutzer-Videos finden weiter statt – mit oder ohne Deal. Das Auffinden und Melden der entsprechenden Videos liegt per Gesetz in der Verantwortung der Rechteinhaber und kostet diese Zeit und Geld.



Bloomberg warnt allerdings auch davor, dass eine derartige Kooperation zu einem zweiten YouTube führen könnte – zu einer guten Werbeplattform, die vergleichsweise wenig Einnahmen generiert. Facebooks Ambitionen, am Thron von YouTube zu sägen, scheinen angesichts derartiger Maßnahmen indes ungebrochen. Mark Zuckerberg betonte in jüngerer Vergangenheit mehrfach, dass Videoinhalte in den kommenden Jahren das neue Zugpferd für Facebook sind und maßgeblich über die zukünftige Marktposition des Unternehmens entscheiden werden.