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Auf seiner F8-Konferenz setzt Facebook auf das Thema Kamera

Elisabeth Oberndorfer 19.04.2017

Auf der Entwicklerkonferenz F8 in San José hat Mark Zuckerberg die WIRED-Reporterin mit seinem entspannten Auftritt beeindruckt. Obwohl er Facebook nicht mehr als Pionier, sondern eher als starken Trittbrettfahrer positionierte. Warum auch nicht: „Die Kamera muss zentraler als das Textfeld werden“, sagte er. Bei vielen ist sie das schon. Zeit für eine Facebook-AR.

Fokus auf die Kamera

Mark Zuckerberg lacht gern über seine eigenen Scherze. So fröhlich wie bei der Eröffnung der Entwicklerkonferenz F8 in San José sieht man ihn aber selten. Der Geschäftsführer des Social-Media-Konzerns wirkte entspannt, was denn doch ein wenig verwunderte angesichts der Kontroversen der vergangenen Tage, bei denen Facebook sich Kritik am Umgang mit einem Mordvideo stellen musste. Er hatte eine Botschaft an die rund 4000 Entwickler im Saal und letztlich für alle, die Facebook nutzen; oder den Messenger oder WhatsApp oder Instagram: Es werde neue Einsatzmöglichkeiten für Kameras geben, neue Augmented Reality Anwendungen, mehr Bots

Das hat nicht zuletzt mit der Rivalität mit Snapchat zu tun. Facebook hat schon auf mehrere Arten versucht, das, was Snapchat beliebt macht zu kopieren. Aufnahmen, die den Moment einfangen, sich danach aber selbst löschen etwa. War Facebook einst vor allem ein Textmedium, ist es mittlerweile eine Plattform vor allem für (Live-)Videos geworden. „Die Kamera muss in den Apps zentraler als das Textfeld sein“, betonte Zuckerberg jetzt noch mal in San José. Gleich mehrmals in seiner Keynote auf der F8 ging er auf die Bedeutung von Kameras für Facebook und seine Unternehmen ein. 

Facebook sei dabei, zur „Camera Company“ zu werden, sagte Zuckerberg (so bezeichnet sich auch Snap). Entsprechend gebe es künftig eine Augmented-Reality-Plattform, das „AR Studio“. Dabei handelt es sich um eine Möglichkeit für Entwickler, AR-Filter für Kameras zu entwerfen. Der Facebook-CEO demonstrierte die „Camera Effects Platform“ mit Schriftzügen, die sich im Bild bewegen und Gesichtsmasken. Von dem neuen Feature dürfte Snap schon vorab erfahren haben. Denn die App-Betreiber stellten fast zeitgleich mit Facebook am Dienstag ihre neuen Augmented-Reality-Filter vor. Währenddessen versuchte Zuckerberg, die Erwartungen gering zu halten: „Aktuell sind damit einfache Effekte möglich, aber in Zukunft wird es tausende Möglichkeiten geben”

Zuckerbergs Aussagen zur Kamera und Augmented Reality verrieten zwischen den Zeilen einiges über die aktuelle Strategie des Technologiekonzerns. Statt ein Pionier zu sein, lehnt sich Facebook an Innovationen anderer an und macht sie massentauglich. Der große Vorsprung, den das Unternehmen gegenüber anderen Playern in der Tech-Branche noch hat, ist die große Reichweite. Bahnbrechendes kam von Facebook zumindest am ersten Tag der Konferenz nichts. Die auf der Hauptbühne präsentierten Neuerungen mit den Gesichtsfiltern für die Kamera und einer Social-VR-App ließen das Social Network eher wie einen Gaming-Anbieter aussehen und nicht wie eine Medienplattform.

Communitys mit Verantwortung

Zuckerberg sagte wörtlich: „Wir müssen Communitys bauen. Sie geben uns ein Gefühl, eine Bestimmung zu haben.“ Die virtuellen Communitys würden helfen, ein Gemeinschaftsgefühl entstehen zu lassen, erklärte Zuckerberg. Und ohne den Begriff „Fake News“ fallen zu lassen, spielt er damit indirekt auf die Spaltung der US-Gesellschaft an, die vor allem bei der US-Präsidentschaftswahl und seit Donald Trumps Amtsantritt zu spüren war. Austausch, Gemeinschaft, ein stärkeres Miteinander statt Cliquenbildung sei das Ziel. „Wir müssen viel tun, um Communitys zu schützen“, ergänzte der Facebook-CEO und bezog das etwas bemüht auch auf das Video eines Mordes, das am Wochenende der Mörder selbst auf seinem Facebook-Profil veröffentlicht hatte. Facebook war dort in die Kritik geraten, weil das Video einige Stunden zu sehen war. „Wir werden alles tun, um solche Tragödien zu verhindern“, sagte Zuckerberg, ohne dann noch weiter auf den Vorfall in Cleveland einzugehen.

Die Welt durch die Facebook-Brille sehen: Mark Zuckerberg auf der F8

Konkreter äußerte sich sein Kollege und Chief Product Officer Chris Cox bei der F8 zu der Verbreitung von Falschmeldungen und deren Auswirkung auf die Gesellschaft: „2017 haben wir es uns zum Ziel gesetzt, Menschen zu vernetzen und gemeinsame Nenner zu finden. Wir wollen ihnen verschiedene Perspektiven aufzeigen.“ Als Beispiel nannte er das in Frankreich gelaunchte Feature „Perspectives“, bei dem Facebook die Einstellung der Politiker zu ausgewählten Wahlkampfthemen darstellt. In den USA können Bürger mit der Funktion „Town Hall“ mit Abgeordneten in Kontakt zu treten.

„Wir übernehmen für unsere Rolle 100-prozentige Verantwortung”, sagte Cox über das Nachrichtengeschäft und die Medienkompetenz, die Facebook dort zugeschrieben wird. Zuckerberg hatte sich vergangenes Jahr noch dagegen gewehrt, Facebook als Medienunternehmen zu bezeichnen. Mittlerweile hat das Management offenbar seinen Einfluss auf den Medienkonsum seiner Nutzer anerkannt.

Bei seiner Eröffnungsrede bekannte sich Zuckerberg dazu, in gewissen Bereichen zu langsam gewesen zu sein. Die Neuerungen, die der Konzern im Rahmen seiner Großveranstaltung vorstellte, lassen darauf schließen, dass sich das so bald nicht ändern wird. Denn abseits von der Social-VR-Plattform Spaces, einigen Erweiterungen beim Messenger und für die Developer-Community relevanten Änderungen blieben die großen Überraschungen aus. Wahre Innovation hat Facebook nicht geliefert.

Das Hardware-Labor „Building 8“, von dem Beobachter eine große Ankündigung bei der F8 erwartet hatten, sprach CEO Zuckerberg nur kurz an. Es könnte durchaus sein, dass das Unternehmen die größte Produktneuheit erst am zweiten F8-Tag verkündet. Sollte das der Fall sein, dann hat Zuckerberg die Chance verpasst, Facebook als Technologieführer zu positionieren. Jedoch wirkte der Konzern bei seiner eigenen Entwicklerkonferenz, die seit 2007 stattfindet, wie ein Nachzügler. Mit zwei Milliarden monatlich aktiven Nutzern ist Facebook in der Lage, neue Entwicklungen wie Augmented Reality oder Bots einem breiten Publikum näher zu bringen. 

Ein weiteres Asset ist die enge Beziehung zur Entwickler-Community, die das Unternehmen auch abseits der F8 pflegt. Den Pioniergeist hat das Unternehmen jedoch verloren. Und Zuckerberg zeigte sich mit seinem Auftritt nicht besorgt darüber. Holt Snap bei der Reichweite auf, wird der Facebook-Chef bei der nächsten F8 wohl nicht mehr so entspannt sein. 

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