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Ex-Mitarbeiterin: Uber hat ein Sexismus-Problem, das es bewusst ignoriert

Elisabeth Oberndorfer 20.02.2017

Eine ehemalige Mitarbeiterin behauptet, dass die Personalabteilung von Uber ihre Sexismus-Vorwürfe bewusst ignoriert hat. CEO Travis Kalanick gibt sich überrascht und kündigt Ermittlungen an. Im Silicon Valley überraschen diese Vorwürfe allerdings nicht. 

Mit einer Bewertung von 68 Milliarden US-Dollar ist Uber das wertvollste Startup der Welt, doch es ist nicht unbedingt für seine hohen ethischen Ansprüche bekannt. Das Unternehmen steht laufend wegen der Arbeitsverhältnisse seiner Fahrer in der Kritik, 2014 sorgte ein Uber-Manager mit einer persönlichen Schmierkampagne gegen eine Journalistin für Schlagzeilen. Jetzt macht Uber als Arbeitgeber erneut Negativschlagzeilen: Eine ehemalige Mitarbeiterin wirft der Personalabteilung vor, sexuelle Belästigung und Sexismus bewusst ignoriert zu haben.

Die Entwicklerin arbeitete von November 2015 bis Dezember 2016 bei Uber. Am ersten Tag nach der Probephase habe ihr Manager über Chat sexuelle Anspielungen gemacht, schreibt Susan Fowler in ihrem Blog. Davon habe sie Screenshots gemacht und das Verhalten ihres Vorgesetzten bei der HR-Abteilung gemeldet. Die stimmte laut Fowler zwar zu, dass es sich hierbei um sexuelle Belästigung handelt, wollte aber keine weiteren Schritte einleiten. Der Manager sei ein „High Performer“ und habe sich sonst bisher nichts zu schulden kommen lassen.

In Gesprächen mit anderen Frauen in ihrer Abteilung erfuhr Fowler ihren Erzählungen zufolge aber, dass dieser Manager schon mehrmals bei der Personalabteilung gemeldet wurde. Außerdem beobachteten die Mitarbeiterinnen immer wieder sexistische Vorgehen und Aussagen, die von den Personalverantwortlichen ignoriert worden seien.

Fowler wurde schließlich der Wechsel des Teams untersagt, im Dezember wurde sie gekündigt. Laut der Ex-Mitarbeiterin hat die Personalabteilung diese Kündigung selbst als rechtswidrig bezeichnet, allerdings nichts dagegen unternommen. Ein weiteres Indiz für Sexismus war für Fowler der sinkende Frauenanteil in ihrer Abteilung: Als sie ins Unternehmen kam, waren 25 Prozent weiblich, bei ihrem Ausstieg nur mehr drei Prozent.

Der Blogbeitrag mit den Vorwürfen sorgte am Sonntag für Aufregung und rasche Verbreitung, sodass CEO Travis Kalanick eine Stellungnahme dazu veröffentlichte: „Was sie schreibt, ist abscheulich und gegen alles, wofür Uber steht. Es ist das erste Mal, dass ich davon höre und ich habe unsere neue HR-Managerin Liane Hornsey mit einer dringenden Untersuchung dieser Vorwürfe beauftragt.“ Bei Uber gebe es keinen Platz für ein solches Verhalten und jeder, der gegen diese Regel verstößt, werde gekündigt, sagt Kalanick weiter

Auch Uber-Aufsichtsratsmitglied Arianna Huffington meldete sich via Twitter zu Wort, sie will die Leiterin der HR-Abteilung bei den Ermittlungen unterstützen. Im Silicon Valley sorgen Fowlers Vorwürfe zwar für Verärgerung, aber nicht für Überraschung. „So war Uber schon immer, sie werden sich nie ändern“, tweetete die Pando-Chefredakteurin Sarah Lacy, gegen die die Schmierkampagne 2014 gerichtet war. Ihr Kollege Casey Newton von The Verge stimmt ihr zu: „So wird Uber immer bleiben.“ Chris Messina, der seine Führungsposition bei Uber im Januar verließ, schreibt, seine Erfahrung mit der HR-Abteilung sei ähnlich „gefühllos und nicht unterstützend”, gewesen. Andere aktivieren den Hashtag #deleteuber wieder und rufen dazu auf, die App zu löschen.

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