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Einmal Exit und zurück: Ein Berliner Startup wagt den Neustart

Caspar Tobias Schlenk / Gründerszene 21.12.2017

Dem Health-Startup Vimeda gelang ein zweistelliger Millionen-Exit. Ein Jahr später kaufte der Gründer sein Unternehmen zurück. Warum?

Gerade erst hatte Tobias Teuber mit seinem Health-Startup Vimeda richtig losgelegt: Im Februar 2016 ging die Webseite online, das Marketing wurde hochgefahren. Parallel schaute sich der Gründer nach Investorengeldern um. Doch dann wollte ein amerikanisches Unternehmen sein Startup lieber komplett kaufen. „Ich war auf den Exit nicht vorbereitet“, sagt Teuber im Rückblick.

Das US-amerikanische Unternehmen Neoteryx interessierte sich für das Geschäft von Vimeda. Mit deren Blut-Tests lassen sich verschiedene Körperwerte kontrollieren. Wer beispielsweise Muskeln aufbauen will, kontrolliert etwa den Testosteron-Wert. Nachdem der Kunde die Blutproben eingeschickt hat, erscheinen die verschiedenen Werte kurze Zeit später online. Gebündelt in einem Dashboard erhält der Kunde Tipps, wie er zum Beispiel seine Ernährung anpassen sollte.

Tobias Teuber hat zusammen mit seiner Frau Julia das Unternehmen gegründet.

Neoteryx war für Vimeda kein Unbekannter. Sie stellen die Blutmarker her, die in den Test-Sets von Vimeda beiliegen. Beide Parteien vereinbarten für die Übernahme einen signifikanten zweistelligen Millionenbetrag, erzählt der Gründer. „Auf dem Papier hat der Deal Sinn gemacht.“ In dieser Phase habe das US-Unternehmen einen Preis für die Vision bezahlt, sagt Teuber. Nennenswerte Umsätze gab es so kurz nach dem offiziellen Start noch nicht.

Teuber besiegelte damit einen der größten deutschen Exits eines Health-Startups. Doch da der Gründer den Verkauf nicht an die große Glocke hängte, gelangte diese Nachricht bislang nicht an die Öffentlichkeit.

Schritt in die USA und Rückkauf

Direkt nach dem Exit schwenkte Vimeda seinen Fokus auf den US-Markt, ein Wunsch des neuen Eigentümers. Die Berliner bauten ein Team in den USA auf, richteten ein Lager ein und suchten nach einem Labor. „Es stellte sich heraus, dass alles länger dauert als gedacht“, sagt Teuber. „Ich wollte die Kontrolle wieder über mein Unternehmen haben.“ Auch weil der neue Besitzer sich operativ auf andere Großprojekte konzentrieren wollte habe man sich dann auf einen Rückkauf geeinigt. Die Verhandlungen begannen im Frühjahr dieses Jahres, im Oktober war der Deal besiegelt.

Zu dem Rückkaufpreis will der Gründer nichts sagen. Er habe aber auf viel Geld verzichtet. Ganz verabschiedet hat sich das Startup von seinem ehemaligen Käufer aber nicht – der alte Eigentümer ist noch mit 25 Prozent beteiligt.

Ein schmerzhafter Moment

Nun will das Berliner Startup mit dem neuen Namen Lykon den Neustart in Deutschland wagen. Einige Mitarbeiter aus dem US-Team mussten das Startup verlassen, erzählt Teuber. Ein sehr schmerzhafter Moment sei das gewesen. Nun arbeiten noch 20 Mitarbeiter für Lykon. Und das Geschäft entwickele sich wieder gut: Jeden Monat seien sie um 20 Prozent gewachsen, mit ihren Test-Sets hätten sie die ersten Engpässe gehabt, so Teuber.

Die Vision für die kommenden Monate liegt schon bereit. Mit seinem Service will das Team ganz unterschiedliche Gesundheitstipps geben. Über eine Fitbit-Integration liegen dann schon bald auch Daten über die Bewegung und den Schlaf vor. „Am Ende soll der Nutzer mehrmals am Tag mit der Lykon-App interagieren“, sagt Teuber. Beispielsweise mittags bekommt er ein passendes Rezept. Nachmittags bekommt er dann den Hinweis: Die Sonne scheint gerade draußen. Du hast einen Vitamin-D-Mangel, geh heute mal wieder nach draußen.

Mehr Daten für mehr Personalisierung

Durch bestimmte Tricks will Teuber es erreichen, dass die Nutzer die Ratschläge auch wirklich beherzigen. „Personalisierte Ernährungstipps schicken wir dann beispielsweise am Montag raus, wenn die Leute am Wochenende viel gegessen und getrunken haben – und ein schlechtes Gewissen haben“, sagt Teuber. Durch die Blutwerte und andere Gesundheitsdaten sollen schon bald sehr personalisierte Tipps für die Nutzer kommen.

Für diesen Neustart sucht Lykon jetzt Geld. Insgesamt 1,5 Millionen Euro will das Berliner Unternehmen einsammeln, einige neue Business Angel sind schon an Bord. Gerade hat das Startup in Großbritannien gelauncht.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gruenderszene.de.