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E-Book-Piraterie kostet den Markt jetzt schon Millionen

Max Biederbeck 19.09.2014

Piraten-Seiten für eBooks sind auf dem Vormarsch. Davon sind zumindest die Macher des „Gutenberg 3.6 Report“ überzeugt und behaupten: Wird nicht bald etwas gegen die illegalen Angebote getan, wird der Markt bleibend beschädigt. Auch Flatrate-Modelle wie Amazons Kindle unlimited oder Readfy würden daran nichts ändern.

Die Seite „Lauschen und Lesen“ bietet tausende Romane, Fach- und Hörbücher zu unglaublichen Preisen. Mit dabei sind Bestseller wie das Fantasy-Epos „Game of Thrones“ oder Stieg Larssons Krimi „Verblendung“, aber auch Fachbücher mit Namen wie „Systemorganisation und Emergenz in der Medizin“.

Zehn Cent bezahlt man für ein eBook, vielleicht auch mal 15 oder 35. Das ist viel zu günstig, um legal zu sein, bei Amazon kostet ein eBook meist mehr als zehn Euro. So geben die Seitenbetreiber auch ganz offen zu: „LuL.to ist das größte deutsche Piraten-Portal (...) Wir bieten Dir die Wahnsinnsmenge von ca. 3,7 Terabyte an Medien zum Lesen und Lauschen.“

Solche Ramsch- oder „Paid Piracy“-Angebote seien auf dem Vormarsch, behauptet der am Mittwoch erschienene Gutenberg 3.6 eBook-Piracy Report. Die Piraterie sei zum Normalfall geworden.

Auf einen legalen Download kommen zehn illegale.

Andreas Schaale, Gutenberg 3.6 Report

Während die Suche nach illegalen Angeboten über Google stagniere, so der Bericht, griffen mittlerweile 75 Prozent der Besucher direkt auf ihre Lieblings-Piratenseite zu. „Diese Daten unterstreichen unsere Hypothese, wonach sich der illegale Markt zunehmend fest in der Erfahrung der Nutzer etabliert“, heißt es in der Studie.

Erstellt wurde sie von Manuel Bonik und Andreas Schaale. Ihre Agentur Evodio Capital Limited ist darauf spezialisiert, illegale eBook-Kopien ausfindig zu machen. Dann hilft sie Verlagen dabei, diese wieder aus dem Netz zu nehmen. Als Kunden nennen Bonik und Schaale unter anderem den Springer-Verlag und die Stiftung Warentest. „Auf einen legalen Download kommen zehn illegale“, sagt Schaade. Das verursache Ausfallkosten für die Verlage, die zusehends zum Problem würden.

Noch ist der Marktanteil von elektronischen Büchern in Deutschland zwar klein, im Jahr 2013 belief er sich auf 286 Millionen Euro im Vergleich zu mehr als neun Milliarden Umsatz mit „klassischen“ Büchern. Bis 2017 wird der eBook-Umsatz aber bereits auf rund 852 Millionen Euro ansteigen. „Wir warnen nicht zum ersten Mal: Setzt man dem illegalen Markt nichts entgegen, hilft das einem legalen Markt schwerlich bei seiner Entwicklung“, sagen die Studienmacher deshalb.

Flatrateangebote werden dem Schwarzmarkt nichts entgegensetzen

Andreas Schaale, Gutenberg 3.6 Report

Große Gefahr geht ihnen zufolge nicht nur von deutschen Piratenseiten aus, sondern vor allem von Angeboten mit Sitz in Russland. Das Portal libgen.org etwa verursache allein für die deutschsprachige Buchbranche einen täglichen Schaden im fünfstelligen Bereich. Zirka 23 Millionen Visits hat die Seite pro Tag, darunter auch von 40.000 Besuchern aus Deutschland.

„Die jetzt aufkommenden Flatrate-Angebote werden nicht ausreichen, um diesem Schwarzmarkt etwas entgegenzusetzen“, sagt Schaade. Sowohl Bezahldienste wie Amazons Kindle Unlimited als auch werbefinanzierte Auftritte wie das neue Readfy seien zu begrenzt. Bücher seien oft nur ausleihbar und das Angebot zu klein, sagt Schade: „Die illegalen Angebote bieten eine große Auswahl, sind häufig kostenlos, und die eBooks gehen in den Besitz des Users über. Ist doch klar, für was sich die meisten da entscheiden.“