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6 Mio. für Dojo Madness: Der E-Sports-Markt wächst auch in Berlin

Cindy Michel 07.04.2017

E-Sports spielen längst nicht mehr in der Kreisklasse. Die Zahl der Fans und Wettkämpfer wächst – und mit ihr der Erfolg von Startups wie Dojo Madness. Investoren gaben dem Berliner Unternehmen nun sechs Millionen Dollar für die Entwicklung seiner Coaching-Apps und Analyse-Tools.

Manche bezweifeln, das E-Sports echter Sport sind. Anderer Meinung ist da der Sportwissenschaftler Ingo Froboese von der Sporthochschule Köln. Dem SWR sagte er, E-Sportler seien längst keine Nerds mehr, sondern Hochleistungssportler mit einem hohen Anforderungsprofil. Auch Timm Lutter vom Digitalbranchenverband  Bitkom ergreift in der aktuellen WIRED-Ausgabe Partei für die Bildschirm-Wettkämpfer: „Wenn Curling olympisch ist, kann man fragen, warum E-Sports es nicht auch sein sollten.“ 

Für die Fans spielen solche Diskussionen ohnehin längst keine Rolle mehr. Seit 2014 habe die Zahl der Zuschauer bei E-Sports-Übertragungen um 50 Prozent zugenommen, meldet der Marktforscher Newzoo. Weltweit waren das im vorigen Jahr mehr als 323 Millionen Menschen, bis 2020 sollen es fast 600 Millionen werden. Und wo Fans sind, da ist auch Geld: Den globalen E-Sports-Markt taxierte SuperData Research 2016 auf 892 Millionen Dollar. Der Umsatz soll sich auf etwa 700 Millionen Dollar belaufen und zum Ende des kommenden Jahres prognostizieren die Data-Experten das Überschreiten der Milliardengrenze.

Eine rasante Marktentwicklung, die dem Berliner Startup Dojo Madness in die Hände spielt. Und aufs Konto: Sechs Millionen Dollar konnte sich der Entwickler von Coaching-Apps und Analyse-Tools in der jüngsten Finanzierungsrunde sichern. Der Hauptgeldgeber Raine Ventures scheint mehr als zufrieden mit dem neuen Partner: „Die Produkte von Dojo Madness verbessern die Erfahrungen, die Spieler in ihren Lieblingsspielen machen und erhöhen ihren Einsatz. So ist Dojo nicht nur für Gamer von großem Wert, sondern auch für Spielehersteller.“

Dojo-Madness-Gründer Jens Hilgers

Auch die Berliner haben sich bewusst für ihre Finanzierungspartner entschieden: „Unser Ziel ist nicht, so viel Geld wie möglich zu sammeln. Wir glauben daran, dass die Umstände stimmen müssen, und wir wollen vor allem smartes Geld akquirieren, das wir klug einsetzen können, um die Firma voranzubringen“, erklärt Dojo-Pressesprecherin Kalie Moore gegenüber WIRED. „Daher wählen wir Investoren, die von großem strategischen Wert für uns sein können.“ Wie eben Raine, so Moore: „Raine Ventures hat ein riesiges Netzwerk mit Verbindungen nach Asien, aber auch in den westlichen Sport- und Entertainment-Sektor.“

Insgesamt hat Dojo Madness in den vergangenen zwei Jahren 12,75 Millionen Dollar einsammeln können. Neben den Investoren der aktuellen Runde (neben Raine vor allem K Cube Ventures) wurde das Startup bisher von March Capital Partners, London Venture Partners, DN Capital, dem Business-Angel Kristian Segerstrale und der Investment Bank Berlin (IBB) unterstützt.

Die neugewonnen finanziellen Mittel will Dojo Madness sowohl in die Weiterentwicklung bestehender Produktlinien investieren als auch in die Erschließung neuer Märkte: „Wir arbeiten daran, unsere Produkte auch in anderen Regionen der Welt bekannt zu machen. Starten werden wir in Südostasien. Asien ist ein Schlüsselmarkt für uns und Raine“, sagt Moore. 

Das Berliner Startup, das vor knapp drei Jahren von der E-Sports-Legende Jens Hilger gegründet wurde, hat sich auf Coaching and Analyse für E-Sportler spezialisiert. Mit den SUMO-Apps – LOLSUMO, DOTASUMO  und OVERSUMO – können Spieler für League of Legends, Overwatch und Dota 2 trainieren. Basierend auf Datenanalysen werden ihnen etwa personalisierte Guides bereitgestellt oder Einblicke gegeben, die fürs nächste Match entscheidend sein können.

Außerdem startete Dojo Madness vor Kurzem die Coaching-Plattform League Coaching. Auf dem virtuellen Marktplatz können professionelle Spieler interaktiv trainieren oder sich für Live-Trainingsessions anmelden. Das neueste Produkt des Unternehmens ist SHADOW.GG, ein kostenpflichtiges Analyse- und Datenvisualisierungs-Tool.

Doch nicht nur in den Arenen und auf den Märkten gewinnen E-Sports immer mehr Anhänger, sondern auch an den Universitäten. Der Bildschirmsport ist zwar noch nicht olympisch, aber immerhin akademisch: Vor Kurzem verkündetet die University of Utah, Stipendien etwa nicht mehr nur für Football oder Basketball zu vergeben, sondern auch für E-Sports.

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