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Diese Startups könnten 2018 durchstarten

Michael Förtsch 26.01.2018

Manchmal kann es schnell gehen. Aus einem unbekannten Unternehmen wird binnen weniger Monate ein Star und Taktgeber der Tech-Welt. WIRED präsentiert euch 10 Startups, die ihr im Auge behalten solltet.

Nicht jedes frisch gegründete Unternehmen wird sofort weltbekannt. Vielmehr werkeln junge Firmen zunächst im Geheimen an ihren Ideen und weichen neugierigen Blicken aus. Sie entwickeln, testen und starten ihre Produkte und Dienste dann im kleinen Kreis. Groß gepoltert wird oft erst später. Aber selbst dann startet eine geniale Idee nicht unmittelbar durch, sondern will erst entdeckt, verstanden und angenommen werden. Geschieht das, rückt ein unbekanntes Startup manchmal plötzlich ins öffentliche Interesse, wird zum weltbekannten Hoffnungsträger oder gar ein echtes Phänomen. Genauso erging es einst Tesla, Snap, Airbnb, Hyperloop One und auch SpaceX. Auch in diesem Jahr könnten so einige bislang recht unbekannte Namen abrupt wichtig werden.

Eviation Aircraft

Was Tesla für den PKW auf der Straße geleistet hat, das soll bald auch für die Lüfte gelingen. Denn auch hier soll das Reisen ohne das Verbrennen fossiler Treibstoffe möglich werden. Ganz vorne mit dabei sein will das israelische Startup Eviation Aircraft. Seit der Gründung im Jahr 2015 hat das kleine Team aus Tzoran-Kadima in aller Stille an Plänen für ein rein elektrisches Flugzeug geforscht. Nach mehreren Prototypen soll jetzt der nächste Schritt anstehen. Bereits in diesem Jahr will das Unternehmen mit Alice sein fliegendes Äquivalent zum Tesla Roadster für bemannte Probe- und Pilotflüge abheben lassen.

Bereits in diesem Jahr will Eviation Aircraft mit Alice sein fliegendes Äquivalent zum Tesla Roadster für bemannte Probe- und Pilotflüge abheben lassen.

Bei Alice handelt es sich um ein zwölf Meter langes Elektroflugzeug für neun Passagiere. Mit einer Batterieladung stemme die Kurzstreckenmaschine rund 970 Kilometer. Je ein Propeller an jedem Flügel und ein Triebrotor am Heck sollen eine Reisegeschwindigkeit von 445 Kilometern pro Stunde ermöglichen. Damit soll sich Alice vor allem für ruhige Flüge zwischen Großstädten und benachbarten Ländern eigenen. In nur zwei Stunden ließe sich beispielsweise die Route von San Diego ins Silicon Valley zurücklegen. Dafür brauche es nicht mal einen Piloten – denn von vornherein soll das Flugzeug für den vollautonomen Betrieb konzipiert sein. Geht es nach den Entwicklern, könne Alice im Jahr 2020 die Zertifizierung der EU- und US-Luftaufsicht bekommen.

Varjo Technologies

Noch lässt der wahre Durchbruch der Virtual Reality auf sich warten. Zu klobig sind aktuelle Virtual-Reality-Brillen vielen Nutzern noch, das Kabelgewirr kann unheimlich nerven und so ganz überzeugen mag die Bildqualität von Playstation VR, Oculus Rift und HTC Vive auch nicht. Das finnische Startup Varjo will zumindest Letzteres zügig ändern. Die aus Nokia-Veteranen bestehende Entwicklergruppe verspricht ein Bild schärfer als das eines Ulta-HD-Fernsehers. Rund 70 Megapixel soll der Nutzer mit der 20/20 getauften Virtual-Reality-Brille vor den Augen haben – verglichen mit 1,2 Megapixel bei der HTC Vive. Erreicht wird das, wie das Unternehmen erst Ende 2017 demonstrierte, mit einem cleveren Trick.

Die Virtual-Reality-Brille von Varjo setzt nämlich auf zwei Displays. Eines sitzt direkt vor den Augen der Nutzer. Ein weiteres Minidisplay mit hoher Pixeldichte ist im Brillenboden eingelassen. Dessen Bild wird über bewegliche Spiegel auf das Hauptdisplay projiziert. Und zwar – dank Eye-Tracking – stets in die aktuelle Blickrichtung. Hierdurch wird ein besonders klares Seherlebnis präsentiert und auch die Belastung für die Augen reduziert. Bis Ende 2018 soll die Virtual-Reality-Brille marktreif sein. Geplant ist ein Preis von 10.000 Euro – womit die 20/20 zunächst nur für Industriekunden wie Ingenieure und Architekten interessant ist. Jedoch dürfte die Technik schnell günstiger und von anderen Entwicklern adaptiert werden.

Relativity Space

Die Zukunft der Raumfahrt gehört den Privatunternehmen. Zumindest sieht es mit dem Erfolg von SpaceX und sich rasant entwickelnden Rivalen wie Rocket Lab und Blue Origin derzeit danach aus. Die wollen mit mehrfach nutzbaren Raketenstufen und Modulen die Kosten für einen Trip ins All immer weiter reduzieren. Relativity Space verspricht eben jenen Unternehmen nun, die Fertigung der Bauelemente zusätzlich unkomplizierter, schneller und noch günstiger zu gestalten. Denn gehts nach dem 2015 etablierten US-Startup, wird die Weltraumtechnik in wenigen Jahren gänzlich aus dem 3D-Drucker kommen.

Relativity Space will Raketentechnik unkompliziert, schnell und günstig herstellen.

Die Idee, komplexe Bauteile von 3D-Druckern fertigen zu lassen, ist nicht neu. Jedoch hat Relativity Space eigens Drucker konzipiert, die speziell auf die Dimensionen und die Werkkomplexität der Elemente von Raketenstufen zugeschnitten sind. Bei den Stargate getauften Apparaten handelt es sich um über sechs Meter lange und feinstjustierbare Roboterarme, die mit Metallpulver-Silos gekoppelt werden. Praktisch ließe sich schon jetzt in nur wenigen Tagen ein ganzer Treibstofftank drucken – und in eineinhalb Wochen ein Triebwerk. Damit könnte sich der Startpreis einer Trägerrakete von 100 Millionen auf 10 Millionen US-Dollar drücken lassen. Bis 2020 will Relativity Space es ermöglichen, eine gesamte Rakete im 3D-Druckverfahren zu realisieren.

Volocopter

Derzeit verfolgen viele Startups den Traum vom fliegenden Auto und schwebenden Taxi. Das Unternehmen Volocopter – einst E-Volo – ist eines, das am nächsten dran ist, diese Science-Fiction-Vision in die Realität zu überführen. Die deutschen Ingenieure aus Bruchsal setzen dafür mit ihrem Volocopter auf das Multikopter-Prinzip: Das elektrische Flugauto gleicht einem Hubschrauber, nutzt aber ähnlich einer Drohne mehrere kleine Rotoren. Insgesamt 18 davon sind beim Modell 2X auf ein kreisrundes Tragwerk montiert. Jeder einzelne Propeller wird vom Bordsystem individuell gesteuert – einen Heckroter oder ein Ruder braucht es daher nicht. Ebenso soll der Volocopter autonom fliegen und damit ohne Pilot auskommen können.

Das elektrische Flugauto Volocopter gleicht einem Hubschrauber aber nutzt ähnlich einer Drohne mehrere kleine Rotoren.

Erst Anfang Januar ist mit Intel-Chef Brian Krzanich erstmals auch ein Passagier in einem Volocopter mitgeflogen. Gehts nach den Unternehmensgründern, sollen die Flugautos bald schon zum normalen Stadtbild gehören. Wie bei einem Taxistand sollen Passagiere an festen Haltestellen einsteigen und sich quer über das urbane Getümmel chauffieren lassen. Zumindest in Dubai. Denn das Emirat hat mit dem deutschen Startup bereits einen Vertrag für einen fünfjährigen Testlauf abgeschlossen. Aber auch in Deutschland soll der Volocopter in absehbarer Zeit als Taxi der Lüfte unterwegs sein – allerdings gesteuert von einem Piloten. Die Serienproduktion soll schon in diesem Jahr beginnen.

Ripple

Das bereits 2012 als Opencoin gegründete Startup Ripple hat schon für Aufsehen gesorgt. Denn dessen gleichnamige Kryptowährung hat Firmengründer Chris Larsen ein Vermögen von 59 Milliarden US-Dollar beschert – und damit kurzzeitig reicher als Mark Zuckerberg gemacht. Aber: Ripple – oder auch XRP – soll nicht nur eine weitere Kryptowährung neben Bitcoin sein, sondern auch zum Handelsplatz und Zahlungsnetzwerk heranwachsen. Das soll nicht einfach parallel zum bisherigen Geldwesen existieren. Im Gegenteil: Es soll den internationalen Finanzverkehr und Güterhandel umschließen, schneller und nachvollziehbarer machen – und das nicht nur für Banken, sondern für jedermann.

Ripple-Firmengründer Chris Larsen

Eine Transaktionen im RippleNet soll in maximal fünf Sekunden abgeschlossen sein, kann mit einem Datenanhang verknüpft und dank Blockchain von jeder Partei nachgeprüft werden. Insgesamt sollen sich pro Sekunde 1500 Transaktionen abwickeln lassen. Aber nicht nur mit XRP, denn die hauseigene Kryptowährung sei im Ripple-Netz optional. Auf dem virtuellen Marktplatz ließe sich jede existente Währung und jedes Gut anbieten und verkaufen. Dabei würden traditionelle Banken nicht aus-, sondern eingeladen. American Express, UBS, Unicredit und über 100 weitere arbeiten bereits mit Ripple zusammen – ebenso wie auch Google.

Zume Pizza

Wer in den letzten Monaten in Mountain View oder Palo Alto unterwegs war, hat sicherlich einen der wuchtigen Lieferwagen von Zume Pizza gesehen. Der Pizzabäcker soll mehr als nur eine weitere Kette sein. Denn die Gründer Alex Garden und Julia Collins haben den Plan gefasst, die Pizzaproduktion zu erneuern. Und zwar mit Robotern. Schon jetzt sind die Menschen beim Pizzabacken hier in der Unterzahl. Ein Maschine formt den Teig, Roboterarme bestreichen ihn mit Sauce, belegen ihn mit Käse, Salami, Ananas und anderen Zutaten. Die humanoiden Mitarbeiter korrigieren hingegen hauptsächlich Fehler, die die Maschinen noch begehen.

Ein Maschine formt den Teig, Roboterarme bestreichen ihn mit Sauce, belegen ihn mit Käse, Salami, Ananas und anderem Zutaten.

Gebacken wird die fertig belegte Pizza auch nicht vor Ort, sondern unterwegs. In mit GPS-ausgestatteten Lieferwagen wird sie in den Ofen geschoben, so dass sie kurz vor der Türschwelle fertig ist und frisch zum Kunden kommt – in unter 20 Minuten. Dazu setzt Zume Pizza auch auf ein System, das lerne, was die Kunden an bestimmten Tagen und Uhrzeiten bevorzugt bestellen. Damit soll sich vorhersagen lassen, welche Pizzen besonders gut laufen, welche Zutaten eingekauft oder nur in kleinerer Menge gebraucht werden. Dadurch soll das Unternehmen ressourcenschonend wirtschaften und effizient arbeiten. Dieses Konzept wird sicher zum Vorbild für andere Food-Startups.

Daheim

Das Social-Startup Daheim will keine technische Revolution anstoßen oder das Verkehrswesen aufmischen. Es soll hingegen gesellschaftlichen Zusammenhalt und Integration schaffen – und könnte dadurch langfristig große Veränderungen herbeiführen. Denn Madita Best und ihr Team wollen dafür sorgen, dass die zahlreichen Geflüchteten, die über die letzten Jahre nach Deutschland kamen, hier nachhaltig Anschluss und Teilnahme erfahren. Daheim vermittelt ihnen dafür Sprachkurse – aber auf eine Weise, die wirklich animieren und motivieren soll.

Das Daheim-Team

Über eine eigene Videotelefonie-Plattform im Netz – und in Zukunft auch über eine Android- und eine iOS-App – finden die Nutzer bei dem 2016 gegründeten und in Duisburg beheimateten Projekt deutschsprachige Gesprächspartner. Die werden den Nutzern nicht wahllos zugewiesen. Stattdessen werden beide Parteien durch einen Matching-Algorithmus auf Basis von gemeinsamen Interessen und Vorlieben zusammengeführt. Hierdurch soll Freude am gemeinsamen Lernen und Kennenlernen garantiert sein. Langfristig würde das Angebot daher nicht nur für Geflüchtete taugen, sondern für jeden, der Interesse hat, die deutsche Sprache, Kultur und Gesellschaft kennenzulernen.

Redwood Materials

Zunächst blieb die Gründung von Redwood Materials vollkommen unbemerkt. Ebenso klingt der Unternehmensname auch nicht gerade spektakulär. Jedoch stehen hinter der Gründung, wie sich im Mai 2017 herausstellte, zwei Manager vom E-Autobauer Tesla. Nämlich Technik-Chef J. B. Straubel und der für „besondere Projekte“ zuständige Andrew Stevenson. Daher wird spekuliert, dass sich hinter dem Startup eventuell ein geheimes Tesla-Projekt verbirgt – und Elon Musk derjenige ist, der das Startkapital von 2 Millionen US-Dollar bereit gestellt hat.

Sicherlich: Bisher ist nicht wirklich klar, was Redwood Materials eigentlich sein und tun soll. Sicher ist lediglich, dass es sich um ein Recyclingunternehmen handelt, das auf „advanced technology“ setzen will. Was das genau heißt? Unklar. Mutmaßungen gehen bislang in die Richtung, das Unternehmen könne an der Wiederaufbereitung von Altakkus forschen. Das würde zu Aussagen von Elon Musk passen, der in verschiedenen Interviews und einer Tesla-Keynote davon sprach, dass das „Neudenken von Materiallieferungen und der Nutzung von Rohstoffen“ einer von Teslas Fokuspunkten werde.

Perfect Day Foods

Gute Milchprodukte ohne eine einzige Kuh. Genau das ist es, was das 2014 gegründete Food-Startup Perfect Day Foods erreichen will. Dabei geht es den Gründern Perumal Gandhi und Ryan Pandya sowohl darum, die Massentierhaltung unnötig zu machen, als auch Milchprodukte an jene zu bringen, die bisher darauf verzichten müssen. Sei es aus ethischen Vorbehalten oder aufgrund von gesundheitlichen Unverträglichkeiten. Die Grundlage für diese Ziele hat Perfect Day Foods bereits gelegt: nämlich Milch, die nicht aus einem Euter kommt.

Die weiße Flüssigkeit ist kein einfaches Milchersatzprodukt, sondern synthetische Milch.

Die weiße Flüssigkeit ist kein einfaches Milchersatzprodukt, sondern synthetische Milch. Die Basis dafür ist eine Buttercup getaufte Hefe, die gemeinsam mit Zucker, Pflanzenfetten und Vitaminen gleich einem Biersud verbraut wird. Dafür würde über 90 Prozent weniger Wasser benötigt als bei der traditionellen Milchgewinnung. Das Ergebnis soll nicht von natürlicher Milch zu unterscheiden sein. Abgesehen davon, dass keine Laktose oder tierischen Hormone enthalten sind. Gleich dem Original lasse sich die „Animal-free Milk“ zu Käse, Joghurt, Eiscreme und Teigen weiterverarbeiten. In diesem Jahr sollen die ersten Kuh-freien Milchprodukte auf den Markt kommen – zunächst in den USA und später wohl auch in der EU.

Byton

Vor Beginn des Jahres 2018 hatte wohl noch niemand von Byton gehört. Tatsächlich hat sich der Autobauer bis zur Präsentation auf der CES in Las Vegas auch ziemlich bedeckt gehalten. Umso wuchtiger war der Eindruck, den der Tesla-Konkurrent mit seinem Elektro-SUV hinterlassen hat. Der brilliert mit einen futuristischen aber straßentauglichen Design. Im Inneren bietet er mehr Bildschirm als Armaturenbrett und auch die technischen Werte sind durchaus opulent. Der Konzeptwagen, der so auf die Straße kommen könne, soll in seiner „High Performance“-Version 475 PS leisten, 520 Kilometer mit einer Akku-Ladung stemmen und sich in 30 Minuten bis zu 80 Prozent laden lassen.

Hinter Byton steht mit der Future Mobility Corporation ein chinesisches Unternehmen.

Dazu soll der SUV selbstverständlich für autonomes Fahren ausgerüstet sein, seinen Fahrer am Gesicht erkennen, auf Gesten und auch Stimmkommandos reagieren. Über eine eigene Cloud-Plattform würden sich Geräte, Apps, Daten und Profile im Wagen zusammenführen lassen: Vom Fitness-Tagebuch bis hin zur Musik-Bibliothek. Hinter Byton steht mit der Future Mobility Corporation ein chinesisches Unternehmen. Aber die Gründer, Ingenieure und Planer des „smarten“ Autos kommen auch von BMW und Nissan. Entwickelt und designed wird daher nicht nur in Nanjing, Peking und Hong Kong, sondern ebenso in München und dem Silicon Valley. Derzeit sucht der Autobauer nach Investoren. Denn 2019 sollen die ersten Fahrzeuge vom Band rollen.