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Der Instagram-CEO erklärt, wie es mit der App weitergeht

Matt Burgess 11.11.2016

Rivalen kopieren, Virtual Reality ausprobieren und unnötigen Ballast loswerden: WIRED hat Instagram-Mitgründer und -CEO Kevin Systrom in London getroffen und mit ihm über die Zukunft des Fotonetzwerks gesprochen.

Wenige Stunden nachdem er in London aus dem Flugzeug gestiegen war, machte Instagram-CEO Kevin Systrom eine Fahrradtour mit Olympia-Medaillengewinner Mark Cavendish. Bis hierhin war es ein weiter Weg von jenen frühen Tagen, als Systrom zusammen mit Mike Krieger die App entwickelte, einem Kommilitonen an der Elite-Uni Stanford.

Vor wenigen Tagen traf WIRED Systrom bei einer Launch-Veranstaltung in der Londoner Tate Modern zum Gespräch darüber, wie sehr sich Instragram in den vergangenen Jahren verändert hat und wo es in Zukunft hingehen soll.

Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren, nach dem Kauf durch Facebook und dem Erreichen der Marke von 500 Millionen monatlichen Nutzern ist Instagram heute eine der weltweiten Top-Apps. Allein in Großbritannien, sagte Systrom, habe das Fotonetzwerk mittlerweile 18 Millionen aktive Nutzer pro Monat – eine Steigerung um 29 Prozent im Vergleich zu vor einem Jahr.

In diesem Zeitraum hat Instagram Stories gelauncht, psychologische Hilfe für seine User und neue Standalone-Apps eingeführt sowie sein Logo generalüberholt. WIRED traf Systrom, als er die neuesten Features für Stories vorstellte: @-Mentions, Links und die Boomerang-Integration.

Die neuen Features
Als Instagram Stories launchte – deren Inhalte nach 24 Stunden verschwinden – wurde das Feature vor allem mit Snapchat verglichen. Instagrams Produktchef Kevin Weil sagte damals zu WIRED, man sei sich der Ähnlichkeiten durchaus bewusst, Instagram sei aber keinesfalls die einzige App, die den Snapchat-Style übernehme, und auch bestimmt nicht die letzte.

Weils Chef stimmt ihm zu. Viele neue Features, die Tech-Firmen launchten, seien „Remixes“, sagt Systrom. „Aber all diese Ideen sind originell, wenn man sie remixt und ihnen den eigenen Flavour verpasst.“

Auch in Zukunft werde man Features von anderen Apps übernehmen, so der Instagram-CEO, auch wenn er keine Namen nennen will. „Wenn ich mir die Tech-Welt anschaue, sehe ich interessante Entwicklungen bei Formaten, die uns wichtig sind: Video und Foto.“

Mehr Video
Fast alle sozialen Netzwerke setzen derzeit verstärkt auf Video. Instagrams Mutterunternehmen Facebook hat seine Live-Video-Plattform gelauncht und Twitter streamt Sportveranstaltungen. Systroms App verzeichnete in den vergangenen sechs Monaten einen Zuwachs von 150 Prozent bei den Video-Konsumzeiten.

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Etwas, das der Instagram-CEO in Zukunft zu Geld machen will. „Nichts ärgert mich mehr, als wenn Leute uns ‚Foto-Sharing-App‘ nennen, weil mit Video heute so viel mehr möglich ist“, sagt Systrom. „Im Bereich Video sehen wir eine generelle Veränderung und in diese werden wir investieren.“

Virtuelle Realität
Eine VR-Version von Instagram wird es in naher Zukunft nicht geben. Facebook arbeitet nach dem Kauf von Oculus an eigenen VR-Adaptionen, aber diese Entwicklung hat noch nicht auf Instagram abgefärbt. Es gebe „bislang nichts, was wir auf kommerzieller Ebene tun werden“, sagt Systrom. „Damit wir etwas wirklich ernsthaftes bauen könnten, müssten wir hier alle mit irgendwelchen VR-Headsets sitzen. Da werden wir noch hinkommen, bis dahin beobachten wir das Ganze.“

Zusammenarbeit mit Facebook
Seit dem Kauf durch Facebook im Jahr 2012 wurden beide Apps, abgesehen von Sharing-Funktionen, voneinander getrennt gehalten. „Mark [Zuckerberg] hat von Anfang an auf Unabhängigkeit und eigenen Ressourcen für Instagram bestanden“, sagt Systrom. „Unsere gesamte Produktentwicklung läuft völlig autonom.“

Das sei auch bei den neuen Features der Fall gewesen, sagt der Co-Gründer. Medienberichten zufolge testet der Facebook Messenger derzeit ein eigenes Feature im Stories-Stil. Laut Systrom gibt es durchaus Koordination zwischen Teams beider Unternehmen, wenn sie entdecken, dass sie an „ähnlichen Ideen“ arbeiten. Aber es existiert kein konzernweiter Plan, die gleichen Features zu installieren.

Funktionen fallenlassen
Systrom will nicht, dass Instagram überladen wirkt. Sein Unternehmen sei „sehr nutzungsgetrieben“ sagt er, man schaue sich oft die Zahlen zu einzelnen Produkten an und treffe auf ihrer Basis Entscheidungen. „Wir investieren stark in diejenigen, die funktionieren, und werden die los, die es nicht tun.“

Vor Kurzem ließ Instagram zum Beispiel ein Feature fallen, das Usern all ihre Fotos auf einer Karte anzeigte. „Niemand nutzte das“, sagt Systrom. „Es gibt solche Beispiele, wo wir die Funktionalität beschnitten haben.“

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED UK.

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