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Der Eve V ist der Traum-PC einer finnischen Community

David Pierce 05.12.2017 Lesezeit 14 Min

Mit einer Portion Idealismus und einer treuen Community haben zwei Mittzwanziger ohne viel Erfahrung einen richtig guten Computer gebaut. Der Weg dahin war alles andere als leicht.

Die China-Reise sollte ursprünglich nur zehn Tage dauern. Dabei wollte der 23-jährige Eve-CEO Konstantinos Karatsevidis nur sichergehen, dass die Produktion seines neuen Produkts reibungslos verläuft. Karatsevidis und sein neunköpfiges Team haben die letzten Jahre damit verbracht, das V zu bauen – ein Notebook-Tablet-Hybrid, das an Microsofts Surface-Geräte erinnert. Der Unterschied: V ist ein Gerät, das zusammen mit Community-Mitgliedern entwickelt wurde. Karatsevidis hat Jahre damit zugebracht, das Notebook zu gestalten.

Aus zehn Tagen wurden am Ende anderthalb Monate, in denen Karatsevidis seinen Flug zurück nach Finnland sechs Mal änderte. „Während dieser Zeit lebte ich mit meinen Jungs quasi in der Fabrik“, sagt Karatsevidis. Tag für Tag saßen sie mit den Arbeitern an der Fertigungsstrecke und stellten sicher, dass jedes einzelne Geräteteil genau da saß, wo es hingehörte. „Wir wollten dafür sorgen, dass das Gerät den Qualitätsstandard hat, den wir erreichen wollten“, sagt er. Gerätehersteller wie Karatsevidis messen Qualität in Stabilität: Wie oft lässt sich der Seitenständer öffnen, bevor er zerbricht. Wie heiß kann das Gerät werden, bevor es kritisch wird. Karatsevidis weiß, dass die Nutzer sein Produkt auch an der Wertigkeit der Tastatur bewerten werden, zum Beispiel daran, welchen Widerstand die Lautstärketasten beim Drücken haben.

Karatsevidis fühlte sich unter Druck gesetzt. Er musste das V fertigbekommen und dabei alles richtig machen. Nicht nur, um die 4.208 Personen zufrieden zu stellen, die Eve vor etwas mehr als einem Jahr auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo unterstützt haben, indem sie dem Unternehmen 1,4 Millionen Dollar gegeben haben. Sondern auch für alle anderen, die das Gerät vorbestellt und monatelange Lieferverzögerungen in Kauf genommen haben und für die weiteren 70.000 Interessenten, die sich für Eves nächsten Flash Sale angemeldet haben.

Frag die Konsumenten

Im Jahr 2012, als Karatsevidis noch ein Teenager war, lernte er Mikko Malhonen bei einem Pokerabend kennen. Die beiden freundeten sich an dem Abend an und sprachen bis spät in die Nacht über Technik, die Zukunft und ihre Geschäftsideen. Ein Thema ließ sie an dem Tag nicht los: Es gab aus ihrer Sicht außer Apples iPad einfach keine guten und günstigen Tablets auf dem Markt. Sie waren sich darüber einig, dass sie das ändern könnten.

Zuerst fanden sich Karatsevidis und Malhonen damit an, auf Alibaba nach günstigen Geräten zu suchen, sie zu importierten und zu verkaufen. Das machten andere vor ihnen auch schon. Viele Kopfhörer, zum Beispiel, ähneln sich, und unterscheiden sich nur durch ein anderes Logo. Karatsevidis und Malhonen reichte das irgendwann nicht mehr. Sie wollten mehr Kontrolle und Flexibilität über die Produkte. Da Karatsevidis’ Vater eine Firma besaß, die Geräte für die Feuerwehr baute, kannte er sich mit der Herstellung von Produkten etwas aus. Also machten sich Karatsevidis und Malhonen auf den Weg nach China, um herauszufinden, wie man Tablets herstellt.

Karatsevidis und Malhonen fanden auf einer Elektronikmesse in Shenzhen einen Hersteller, der ein fertiges Tablet anbot. Sie änderten ein paar Teile, nannten das Gerät T1 und begannen damit, es auf ihrer Website für 159 Dollar zu verkaufen. Das war 2014. Danach gründeten sie ihre Firma Eve.

Eine Sache am T1 ließ Karatsevidis nicht los. Käufer des Geräts hatten Ideen, wie man das Tablet noch besser machen kann. Er fand Vorschläge in Foren und Feedback von Käufern auf Internetseiten. Er entschied sich, diese Ideen und Vorschläge in die Entwicklung des nächsten Produkts einzubeziehen. Er und Malhonen wussten, dass sie beim nächsten Mal etwas komplett anderes machen wollten, statt ein Produkt zu kopieren und umzubenennen. Aber das würde mehr Arbeit, mehr Lieferanten und mehr Ressourcen erfordern.

Die Eve-Gründer baten schließlich Microsoft Finnland um Hilfe. Sie wollten von dem Unternehmen wissen, wie man ein Produkt in dieser Größenordnung produzieren kann. Microsoft schickte die beiden zur Hong Kong Electronics Fair – eine jährlich stattfindende Messe für Zulieferer, Distributoren und Hersteller von Elektronik-Artikeln. Was dort passierte, kann Karatsevidis immer noch nicht ganz erklären. Er und Malhonen waren zu einem Abendessen mit Managern großer IT-Unternehmen und Fabriken eingeladen. Karatsevidis entdeckte darunter einen offenbar wichtigen Mann, der mit einem Gefolge aus weiteren Männern herumlief. Er nahm all seinen Mut zusammen und ging auf den Mann zu. Es stellte sich heraus, dass er ein wichtiger Intel-Manager war. Karatsevidis erzählte ihm von seiner Idee, ein Laptop-Notebook-Gerät zusammen mit der Community bauen zu wollen. „Das ist eine blöde Idee“, sagte der Intel-Manager und ging weiter. Nach ein paar Schritten kam er jedoch zurück und sagte: „Nein, das ist die Zukunft.“ Jetzt ist der Intel-Manager, dessen Namen Karatsevidis nicht preisgeben will, ein wichtiger Mentor für Eve und er hat dazu beigetragen, das Unternehmen in der IT-Branche bekannt zu machen.

Microsoft und Intel investierten in das Projekt von Karatsevidis und Malhonen. Sogar die finnische Regierung gewährte Eve einen Zuschuss. „Für sie war es sehr interessant, dass wir uns den Massenmarkt erschließen und dort sehr schnell wachsen können“, sagt Karatsevidis. „Wenn wir mit der Community zusammenarbeiten, fallen wir außerdem schnell auf, ohne Geld für Werbung ausgeben zu müssen.“

Zuerst bestand Eves Community aus 15 damaligen T1-Käufern in einer WhatsApp-Gruppe, die sich Gedanken darüber machten, welche Produkte und Funktionen sie interessieren könnten. Dabei geschah etwas Bemerkenswertes: Alle Mitglieder der Gruppe schienen sich einig zu sein. Sie argumentierten und diskutierten, aber letzten Endes erreichten sie immer ein gemeinsames Ergebnis. Durch diese Erfahrung ermutigt, startete Karatsevidis ein Web-Forum, an dem jeder teilnehmen konnte. Er hatte keine Ahnung, wer mitmachen würde, woher die Teilnehmer kommen würden oder wie sich jeder einzelne verhalten würde. „Wir hatten keine Hoffnung, dass das erfolgreich wird“, sagt er.

Die eve.community-Website wurde am 6. Januar 2016 gestartet. Schnell stellten sich die ersten Nutzer vor: ein Student aus Kokkola, ein IT-Entwickler aus den Niederlanden und ein polnischer Spieleentwickler. Die noch junge Community ärgerte sich über die neuen Produktankündigungen von IT-Firmen und feierten den Sieg Finnlands bei den U20-Eishockeymeisterschaften. Das Eve-Team begann damit, die Community zu fragen, wie sie ihre Tablets nutzten und was sie von neuen Tablets erwarteten.

Am 18. Januar schrieb Malhonen einen Beitrag für das Forum. Der Titel: „The Project: Pyramid Flipper“ – ein PC, der sich bei Bedarf in ein Laptop verwandeln kann. Das war es, was er und Karatsevidis als nächstes bauen wollten. Warum Pyramid Flipper? Weil sie den Laptop-Markt umkehren wollten, indem sie den Nutzer auf die Spitze setzen wollten und das Unternehmen als Basis sahen. Der ursprüngliche Arbeitstitel sei Flagburner gewesen, sagt Malhonen, aber sie hätten sich dann doch auf einen politisch korrekten Namen geeinigt. Das eingebettete Foto von PC Principal aus South Park sollte dennoch deutlich machen, was Malhonen davon hielt, wenn Unternehmen sich an die Spitze der Pyramide stellten. In seinem Forenbeitrag beschrieb Malhonen, wie sie sich den Pyramid Flipper vorstellten. Als den „ultimativen, tragbaren PC“, der „so dünn und leicht wie nur möglich“ ist, aber dennoch leistungsfähig genug, um „ein mobiles Gerät für Kreative“ zu sein. Malhonen legte eine lange Liste mit Leistungsdaten vor, dachte sich eine Anwendergeschichte über einen Freelancer namens Maukka aus und stellte den gesamten Plan für das Gerät ins Netz. Die Community war nicht begeistert: „Das ist nicht wirklich das Gerät, an dem ich interessiert wäre“, schrieb ein Nutzer.

Andere schlugen Optimierungen vor und fügten Funktionen hinzu, um Eves Ideen für das Produkt an die eigenen Vorstellungen anzupassen. Je mehr diskutiert wurde, desto mehr erkannten Malhonen und Karatsevidis, dass die Community – etwa 50 Personen in den ersten Tagen – sich ernsthaft mit ihren Ideen auseinandersetzte. Und entgegen aller Foren-Vorurteile äußerten sie ihre Gedanken und Wünsche auf eine vernünftige Art und Weise. Daraufhin beschlossen die beiden, die Community bei allen Entscheidungen mit einzubeziehen. Und so entschieden 40 Forenteilnehmer, dass der Pyramid Flipper ein 2-in-1 Gerät sein würde. 83 Prozent der Mitglieder waren in einer Umfrage dafür. In lebhaften Diskussionen wurde nach einem Namen für das Gerät gesucht und darüber debattiert, welche Anschlüsse es haben sollte und wie viele davon. Sie suchten den Prozessor aus und die Bildschirmgröße.

Die Community setzte sich schließlich gegen die Eve-Gründer durch und machte deutlich, wie wichtig es ist, sie mit einzubeziehen. Dieselben Forenmitglieder setzten sich sogar mit dem Team des Design-Büros von Propeller auseinander, mit dem Eve zusammenarbeitete. „Die Community war wirklich wichtig für uns “, sagt Jessica Lambert, die für Propeller die Geschäftsentwicklung leitet und ein wichtiges Mitglied des Eve-Projekts war. „Sie teilten uns ihr Bauchgefühl bei Entscheidungen mit und sagten uns, was sie von dem Tablet erwarten und wofür sie es nutzen würden.“ Propeller wollte ein schlankes und klares Design. Das Tablet sollte nicht dicker sein als 8 Millimeter mit zukunftssicheren USB-C-Anschlüssen. Aber die Community wollte Standard-USB-Anschlüsse und lieber einen größeren Akku als ein dünneres Gehäuse. Dass er diesen Kampf verloren hat, darüber ist Karatsevidis ganz besonders froh. „Ohne einen leistungsfähigen Akku hätten wir keine Chance gehabt“, sagt er.

In jeder Forendiskussion treten normalerweise Probleme auf. Jemand will zum Beispiel etwas Unmögliches durchsetzen. Ein anderer sieht nur seine Bedürfnisse. Am Ende werden Forenteilnehmer beleidigt. Im Eve-Forum war das anders. Dort herrschte ein vernünftiger Umgangston und so war es möglich, sich zusammen ein vernünftiges Gerät auszudenken. Der Pyramid Flipper hat viel mit dem Microsoft Surface gemeinsam, darüber hinaus aber auch einen leistungsfähigeren Akku, ein etwas dickeres Gehäuse, mehr Anschlüsse und einen schnelleren Prozessor. Die Suche nach einem Namen für das Gerät war nicht einfach. Die erste Umfrage dazu brachte 120 Vorschläge hervor: Panacea, Chimera, Zeus, Stratus, Progenesis, Style und Taby McTabFace. Einer von Eves Community Managern schlug vor, das Gerät einfach nur V zu nennen. Das klang gut, sah wie das Victory-Zeichen und eine umgedrehte Pyramide aus. Vier Umfragen später hatten 80 Wählerinnen und Wähler mit überwältigender Mehrheit für den Namen gestimmt. Und so lautete das Gerät Eve V.

Die Produktion beginnt

Nachdem sie sie sich auf die Leistungsdaten und das Design geeinigt hatten, begannen Karatsevidis und Malhone mit dem Bau des Prototyp. Im November 2016 waren sie endlich zufrieden mit dem Ergebnis und zuversichtlich, dass es funktionieren kann. Daraufhin starteten sie ihre Crowdfunding-Kampagne über Indiegogo. „Wir wollten, dass das Geld von Indiegogo nicht in die Entwicklung fließt,“ sagt Karatsevidis. Dafür hatten sie ja ihre Investoren und noch übrig gebliebene Gewinne vom T1.

Die Kampagne war so erfolgreich – sie hatte ihr Ziel innerhalb von vier Minuten erreicht – dass es die beiden Eve-Gründer beunruhigte. „Wir haben den Kampagnen-Link vor der Community verborgen,“ sagt Karatsevidis, um zu verhindern, dass zu viele Menschen der Diskussion betreten und sie damit ruinieren. „Unsere größte Herausforderung war es, sicherzustellen, dass nur Leute mitmachen konnten, die wirklich etwas beizutragen hatten.“

Am Ende der Kampagne musste Eve Tausende von Bestellungen bearbeiten, 1,2 Millionen Euro verwerten und fast 3000 Community-Mitglieder verwalten. „Die gute Nachricht ist, dass das Eve zum Besseren verändert hat,“ sagt Karatsevidis. Er hatte Bedenken, dass auch nur ein paar Trolle oder nörgelnde Stimmen den Vibe zerstören würden, aber die vernünftigen Diskussionen hielten an. Auf der anderen Seite hatte das Team ganz andere Sorgen. Wie sollten sie ihr Produkt verschicken, wenn es einmal fertig war?

In der Produktentwicklung kommt nach dem Prototyp meist die Testphase und Design-Validierung, kurz DVT für Design Validation and Testing. In dieser Phase werden 15 bis 20 Prototypen mit nahezu fertiger Soft- und Hardware produziert, um sie final zu testen und zu zertifizieren, bevor die Massenproduktion beginnt. Eve entschied, eine Ladung Prototypen an Mitglieder aus der Community zu schicken, damit sie sie im täglichen Leben ausprobieren und Feedback geben können. Sie entdeckten unzählige Bugs und Probleme, wie zum Beispiel das leise statische Summen aus dem Kopfhörerausgang. In der lauten Fabrik in China fiel das nicht auf, in der leisen Wohnung der Testpersonen dafür umso mehr.

Es gab viele Probleme zu lösen, auch noch in letzter Minute, was die Fertigstellung des Tablet-Notebook-Hybriden um einen Monat verzögerte. Im Frühling 2017 teilte Karatsevidis der Community mit, dass die Zeit endlich gekommen war. „Wir sagten, ‘Okay Leute, das war’s. Indiegogo war erfolgreich, wir haben die Entwicklung beendet und sind bereit, die Laptops auszuliefern.“ Ende März oder Anfang April sollten die Geräte an alle Unterstützer versandt werden.

Ein paar Wochen später nahm Karatsevidis alles in einem langen Blog-Post im Eve-Forum wieder zurück. „Es war eine lange Woche,“ begann er, bevor er erklärt, dass es Probleme mit dem Bildschirmzulieferer gab. Sie hatten 15.000 Displays bestellt und in bar bezahlt. Die Bildschirme, die sie dann erhielten, waren aber einfach nur schrecklich. Sie hatten gelbe Schlieren, tote Pixel und Backlight-Bleeding, also das ungewollte Leuchten von dunklen Bildinhalten. „Glücklicherweise hat unser Zulieferer noch mehr auf Lager und schickt uns bis nächste Wochen eine neue Charge,“ schrieb er. Nur dass diese „neue Charge“, die erst einen Monat später ankam, dieselben Probleme hatte. Genauso wie die übernächste. Nun stand Eve vor dem Problem, den Anbieter nicht wechseln zu können, da sie ja schon bezahlt hatten und ohnehin niemand genau den Bildschirm herstellte, den sie brauchten. Während des gesamten Frühlings und Sommers waren sie in einem endlosen Hin-und-Her gefangen, über das sie die Nutzer so oft wie möglich informierten.

Für gewöhnlich würde man erwartet, dass Käufer wütend auf solche Verzögerungen reagieren. Dass sie verärgert auf die Inkompetenz der Leute reagieren würden, denen sie ihr Geld anvertraut hatten. Dass sie sofort eine Erstattung verlangen würden. Vereinzelt gab es das auch. Aber insgesamt schweißte jedes Problem die Community nur enger zusammen. Forenmitglieder begannen, sich „Stakeholder“ zu nennen und sprachen in der Wir-Form, wenn es um die Produktion des Geräts ging.

Das Eve-Forum ist ein bemerkenswertes Zeitzeugnis darüber, was alles benötigt wird, um ein Produkt von Grund auf zu entwickeln. Karatsevidis postete Videos aus der Fabrik, Fotos von Prototypen in verschiedenen Phasen und er verlor sich manchmal in so banalen Abhandlungen darüber, wie schwer es ist, zwei unterschiedliche Materialien in der gleichen Farbe zu bekommen. „Wir mussten eine Entscheidung treffen,“ sagt Karatsevidis. „Ab dem Zeitpunkt der Verzögerung konnten wir nicht anders, als vollkommen transparent zu sein. Einfach um allen zu zeigen, dass wir im gleichen Boot sitzen und selbst nichts anderes wollen, als damit Erfolg zu haben.“ Aus dem Forum kam nur Zuspruch, einige hatten sogar Tipps, wie sie weiter vorgehen sollten.

Schließlich fand Eve einen neuen Zulieferer, konnte die Teile austauschen und im Oktober endlich die Massenproduktion starten. Karatsevidis überwachte den Prozess, damit nicht noch einmal etwas schief gehen konnte. Anfang November gingen die ersten Geräte an die frühen Unterstützer. Auch Journalisten bekamen Test-Exemplare. Am 4. Dezember konnte dann die Öffentlichkeit erstmals einen Eve V während eines limitierten Flash Sale erwerben.

Nach so vielen Debatten und Abstimmungen könnte man meinen, dass der Eve V die Art von Brei ist, der durch zu viele Köche verdorben wurde. Aber irgendwie, entgegen aller Widrigkeiten, hat Eve ein fantastisches Gerät hergestellt. Klar, einige sonderbare Details wie die Backspace-Taste mit der Aufschrift „Oops!“ werden nicht jedem gefallen. Aber alles in allem ist das Eve V ein beeindruckender Laptop. „Jenseits des rebellischen Marketings und der verworrenen Hintergrundgeschichte ist der Eve V einfach nur ein sehr guter Computer,“ schreibt The Verge und vergibt 8 von 10 möglichen Punkten. Viele Kritiker fragten sich, wie eine so kleine Firma mit Kundensupport und Retouren umgehen würde. Am Ende waren aber alle davon beeindruckt, was ein paar Mittzwanziger und Foren-User alles auf die Beine stellen konnten.

Inzwischen diskutiert die Community schon den nächsten Schritt für Eve. Sie arbeiten an einem Dock für den V mit mehr Eingängen und mehr Leistung. Der Arbeitstitel: Donald Dock. Auch für das nächste große Produkt gibt es schon Ideen. User vithren schlägt einen etwas normaleren Laptop vor, das ihm 294 Kommentare einbrachte. Hifihedgehog wünscht sich einen direkten Konkurrenten zum iPad, das in 174 Kommentare diskutiert wurde. Wie wäre es mit einem V mit E-Paper-Bildschirm, fragte sich borax99? Eher nicht, war die übereinstimmende Meinung. Noch bevor Karatsevidis oder Malhonen darauf eingehen konnten, diskutierten die Nutzer in jedem Thread schon technische Details, erstellten Entwürfe zu Pressemitteilungen und durchsuchten das Internet nach Herstellern und ähnlichen Designs.

Karatsevidis ist sich nicht sicher, was wirklich das nächste Ziel ist. Er würde gerne etwas anderes machen, das aber immer noch nah genug am V dran ist, so dass er dieselben Kontakte und Lieferketten nutzen kann. Nach den letzten paar Jahren, trotz aller Komplikationen, strotzt Karatsevidis nur so vor Selbstvertrauen. Klar, könnten sie auch ein Auto produzieren, sagt er. Das würde eine Weile dauern, aber möglich wäre es.

Wer also wissen will, woran Eve womöglich arbeiten wird, der muss nur ins Forum schauen. Nutzer fanoftech4life hat schon im Februar 2016 ein Thread mit dem Namen „An amazing Eve phone“ eröffnet. Es ist der beliebteste Beitrag im Forum und wird auch heute noch kommentiert. Und wir können uns sicher sein, dass Karatsevidis mitliest.

Dieser Artikel erschien zuerst bei WIRED.com.