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Lauf dich reich: Dieses Startup zahlt Geld für jeden Schritt

Karsten Lemm 25.11.2015

Die Jungfirma Bitwalking aus London will Menschen mit Digitalgeld dafür belohnen, sich mehr zu bewegen. Schritt für Schritt soll genug zusammenkommen, um Waren zu kaufen. Die Gründer erhoffen sich mehr Fitness für Millionen und wollen ein beiläufiges extra Einkommen schaffen, das besonders Menschen in Entwicklungsländern hilft.

Herumsitzen kann ausgesprochen lukrativ sein. Programmieren, Gesetze wälzen, mit Excel-Tabellen jonglieren – alles hoch bezahlte Tätigkeiten, die wenig Muskelkraft verlangen. Nur fit hält es nicht. Andere Menschen sind immerzu auf den Beinen und laufen viele Kilometer am Tag, ohne dafür einen einzigen Cent zu erhalten. Beides will nun Bitwalking angehen: Das Startup aus London zahlt Nutzern seiner „Go!“-App virtuelles Geld für jeden Schritt, den sie tun. Wer 10.000 Schritte zusammenbekommt – das sind je nach Körpergröße etwa acht Kilometer –, hat sich einen Bitwalking-Dollar (BW$) verdient.

Die Gründer, Nissan Bahar und Franky Imbesi, betonen auf ihrer Website, dass es sich dabei um „echtes Geld“ handele: „Hier geht es nicht um ein Belohnungssystem, Bonuspunkte, Meilen, ein Spiel oder eine Fitness-App.“ Stattdessen sollen Nutzer die Möglichkeit haben, mit ihren Bitwalking-Dollar bei Händlern einzukaufen, die das Projekt unterstützen, oder sie können online Shoppen gehen – ebenfalls bei Partnerfirmen, die BW$ als Währung akzeptieren.

Die Bitwalking-Gründer Nissan Bahar und Franky Imbesi erdachten bereits einen USB-Stick-Computer, der in Afrika zum Hit wurde.

Bahar und Imbesi haben bereits gezeigt, dass sie erfolgreich ungewöhnliche Ideen umsetzen können. Mit ihrem Keepod-Projekt entwickelten die beiden Jungunternehmer vergangenes Jahr eine Art PC, der auf einen USB-Stick passt und lediglich sieben US-Dollar kostet. Der USB-Stick bringt sein eigenes Betriebssystem mit und enthält sämtliche Nutzerdaten. An einen beliebigen Rechner gesteckt, etwa in einem Cybercafé, macht der Keepod aus dem öffentlichen Gerät einen persönlichen Computer. In Kenia und mehr als 80 weiteren Ländern hat sich der schlaue USB-Stick bereits bewährt.

Startkapital: Zehn Millionen Euro warten auf fleißige Fußgänger

Für ihr Bitwalking-Projekt ist es Bahar und Imbesi gelungen, mehr als zehn Millionen Euro an Startkapital einzusammeln, vorwiegend von japanischen Investoren. Der japanische Elektronikkonzern Murata arbeitet laut BBC bereits an einem Fitness-Armband, das in Bitwalking-Währung anzeigt, wieviel die gezählten Schritte wert sind. Auch mit einer britischen Bank, Schuhherstellern und den Veranstaltern eines Musikfestivals seien die Gründer bereits im Gespräch. Auf lange Sicht spekulieren Bahar und Imbesi darauf, Partner wie Gesundheitsversicherungen und Sportartikelhersteller für ihre Idee zu begeistern. Auch Unternehmen könnten Interesse zeigen, das Projekt zu unterstützen, um Mitarbeiter zu einem gesünderen Lebensstil anzuregen.

Zum Auftakt beschränkt Bitwalking sich auf vier Länder – Großbritannien, Japan, Kenia und Malawi – und verlangt eine Anmeldung mit Autorisierung. Um mögliche Betrügereien zu verhindern, lässt die App nur maximal 30.000 Schritte am Tag zu, also drei Bitwalking-Dollar. Immerhin: In Malawi beträgt das durchschnittliche Einkommen in ländlichen Gegenden gerade mal 1,5 US-Dollar am Tag, und die Firma hat bereits zwei Bitwalking-Börsen eröffnet, die es Nutzern erlauben sollen, ihr BW$-Vermögen in Bargeld, den Malawi Kwacha, umzutauschen.

Fürs eigene Einkommen denken die Bitwalking-Gründer darüber nach, Einsichten über das Verhalten ihrer Nutzer an andere Unternehmen zu verkaufen – anonymisiert, wie sie betonen: „Es kann sein, dass wir Werbekunden die Möglichkeit geben werden, bestimmte Zielgruppen anzusprechen, je nach Grad der Aktivität“, so Nissan Bahar gegenüber der BBC. „Aber wir werden keine Informationen über Bewegungsmuster einzelner Menschen weitergeben.“

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