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Bitcoin richtig kaufen – ein Ratgeber

Dominik Schönleben 15.12.2017

Obwohl seit Jahren immer wieder der Crash prophezeit wird, scheint der Bitcoin-Hype bisher nicht abzuebben. Das Kaufen von Bitcoin und anderen Kryptowährungen ist aber gar nicht so einfach. Falls ihr trotzdem ein paar Kryptomünzen kaufen wollt: Hier sind unsere Tipps, wie man das als Laie macht.

Mit diesem Text wollen wir euch nicht raten, Bitcoin zu kaufen. Auch wir wissen nicht, wie lange der Hype um die Kryptowährungen anhält – oder ob der Bitcoin wie die Dotcom-Bubble und die Tulpenmanie innerhalb kürzester Zeit in sich zusammenbricht. Worin wir uns aber sicher sind: Es gibt viele Fehler, die man beim Kauf von Bitcoin machen kann, wenn man sich nicht auskennt. Deswegen wollen wir euch ein paar wichtige Tipps für Bitcoin-Einsteiger geben.

1) Wo kaufe ich Bitcoin?

Der Bitcoin wird auf internationalen Exchanges gehandelt – ähnlich wie bei Aktien. Doch deren Interfaces sind meist komplex und unübersichtlich. Wer als Anfänger Krypto-Coins kauft, kann leicht etwas falsch machen. Ja, über einen Exchange wie Bitfinex oder Kraken bezahlt ihr die wenigsten Kosten. Anfängern raten wir trotzdem davon ab. Eine der besten Alternativen ist die Seite Coinbase. Die kümmert sich um alle Details im Hintergrund: Ihr gebt einfach ein, wie viele Münzen ihr kaufen wollt. Man kann übrigens auch nur einen halben Bitcoin kaufen. Der Betrag wird euch dann auf eurem Coinbase-Account gutgeschrieben. Wollt ihr eure Bitcoin lieber über einen deutschen Anbieter kaufen, dann würden wir euch Bitcoin.de empfehlen. Dort kauft ihr die Münzen aber direkt von anderen Nutzern. Aus einer langen Liste an Angeboten wählt ihr dann eines aus und kauft es direkt – ein bisschen wie bei Ebay. Der Nachteil: Ihr seid weniger flexibel. Wenn jemand zwei Bitcoin zu einem bestimmten Preis anbietet, dann könnt ihr nicht einfach nur einen halben kaufen. Ihr müsst warten, bis jemand ein passendes Angebot macht.

2) Meine Münzen

Das größte Problem von Seiten wie Coinbase oder Bitcoin.de ist, dass die Münzen nicht wirklich euch gehören. Sollte eine dieser Seiten gehackt werden oder sich herausstellen, dass sie Insolvenz anmelden muss, dann sind eure Coins weg. Demnach empfehlen viele Bitcoin-Fans, das Geld auf dem eigenen Computer oder Datenträger aufzubewahren. Doch dazu später mehr. Wir würden jedoch davon im ersten Schritt abraten. Denn dabei kann man als technisch wenig versierter Nutzer viel falsch machen. Und dann sind die Coins auch weg. Eine Möglichkeit bleibt aber: Risiko streuen. Wer seine Coins auf mehreren Seiten aufbewahrt, verliert immerhin nicht alles, wenn der schlimmste Fall eintritt.

2) Account sichern

Egal bei welchem Anbieter ihr eure digitalen Münzen aufbewahrt: Sicherheit geht vor. Aktiviert immer eine Zwei-Faktor-Authentifizierung. Das heißt: Jedes Mal wenn ihr euch einloggt, werdet ihr nach einem zusätzlichen Einmal-Passwort gefragt. Das könnt ihr euch entweder aufs Handy schicken lassen oder noch besser: über die App Google Authenticator abrufen. Vergesst nicht, euch den Recovery-Code für die Zwei-Faktor-App auf Papier zu notieren. Dazu unten mehr.

3) Hot vs. Cold Storage

Bitcoin könnt ihr entweder Hot oder Cold aufbewahren. Hot heißt, dass sie bei einem Exchange oder einer Seite wie Coinbase von jemand anderen verwalten lasst. Cold bedeutet, dass ihr die Münzen auf eure eigene Hardware kopiert habt. Wollt ihr letzteres machen, dann solltet ihr euch einen Ledger kaufen. Also eine Art USB-Stick, auf dem ihr das Krypto-Geld speichert. Der Vorteil: Sollte euer Computer von einer Schadsoftware infiziert werden, die versucht, Bitcoins zu stehlen, dann ist das Geld sicher. Für alle, die sich gut genug damit auskennen, ist das die sicherste Möglichkeit, um sich zu schützen. Wollt ihr Coins auf dem Smartphone speichern, zum Beispiel, um damit einzukaufen, dann empfehlen wir euch die Wallet-App JAXX.

3) Auf Papier sichern

Computer oder Datenträger können kaputtgehen. Wenn ihr also nicht der nächste sein wollt, der 7.500 Bitcoin auf einer alten Festplatte verliert, dann macht folgendes: Jede Wallet-Software generiert beim Einrichten automatisch ein langes Passwort. Dieser Recovery- oder Seed-Code kann benutzt werden, um die Coins auf eine neue digitale Geldbörse zu überweisen, wenn die alte verloren geht. Solch ein Passwort solltet ihr unbedingt aufbewahren. Aber nicht digital, sondern nur auf Papier. Aber Achtung: Dieses Blatt gehört dann im besten Fall in einen Safe. Denn wer es findet, hat sofort zugriff auf euer Geld.

4) Es gibt mehr als nur Bitcoin

Bitcoin war die erste Kryptowährung. Es ist aber nicht sicher, dass sie die erfolgreichste bleiben wird. Es gibt viele Gründe, warum eine andere Währung nach einem Crash als Sieger hervorgehen könnte. Einer davon ist, dass eine Überweisung mit Bitcoin aus technischen Gründen derzeit um die 17 Euro kostet – Bitcoin ist also eher mit Gold zu vergleichen, als mit einem Zahlungsmittel. Wenn ihr in Kryptowährungen investieren wollt, dann denkt darüber nach, euer Risiko zu streuen. Die erfolgreichsten Alternativen heißen Bitcoin Cash, Ether, Lite Coin, Ripple und IOTA. Nicht alle Alternativen können über Dienstleister wie Bitcoin.de oder Coinbase gekauft werden, viele gibt es nur auf den eigentlichen Handelsplätzen, den Exchanges.

5) Über einen Exchange kaufen

Während ein Bitcoin tausende Euro wert ist, gibt es hunderte von Alternativen, die nur wenige Cent kosten. Die könnt ihr über einen Exchange wie Bitfinex kaufen. Auf diese sogenannten Alt-Coins zu setzen, ist ein bisschen wie auf Penny-Stocks zu wetten. Also Aktien von völlig unbekannten Firmen, die meist schnell pleitegehen und von denen nur einige Ausnahmen Erfolg haben. Beim Handel mit solchen Währungen könnt ihr schnell euer Geld verspielen. Das ist nichts für Anfänger. Die meisten dieser Währungen sind nicht für Euro zu haben, sondern können nur mit anderen Kryptowährungen gekauft werden. Wollt ihr sie wirklich kaufen, dann am besten nicht mit Bitcoin, sondern eher mit Ether, weil die Transaktionsgebühren dann niedriger sind.

6) Kaufen und Verkaufen

Die Kurse von Kryptowährungen sind äußerst volatil. Das heißt, sie schwanken stark – manchmal innerhalb weniger Stunden um hundert Euro und mehr. Wer ständig auf den Kurs schaut, kann so schnell die Nerven verlieren, wenn es nach unten geht. Als Anfänger ist es nicht sinnvoll, ständig zu kaufen oder zu verkaufen, denn dabei zahlt ihr auf lange Sicht wegen der Gebühren nur drauf. Wer nicht zum hauptberuflichen Trader werden will, dem bleibt eigentlich nur eine Strategie: kaufen und warten – auch wenn der Kurs mal ein bisschen runtergeht. Verantwortlich ist dafür auch das deutsche Steuerrecht.

7) Bitcoin versteuern

Wer Kryptowährungen kauft, braucht erstmal nichts bei der Steuererklärung angeben. Problematisch wird es beim Verkauf: Sollte der Gewinn mit Kryptowährungen den 600-Euro-Freibetrag für Privatverkäufe überschreiten, muss er als Einkommen versteuert werden. Es gibt jedoch eine Ausnahme: Haltet ihr die Münzen für länger als ein Jahr, dann ist der Gewinn steuerfrei. Dabei gilt folgende Regel: Jene Coins, die ihr zuerst gekauft habt, werden auch als erstes wieder verkauft. Problematisch wird es bei Verlusten: Die können zwar mit den Gewinnen aus allen Privatverkäufen in dem Jahr verrechnet werden – weitere Möglichkeiten gibt es aber nicht, sie bei der Einkommenssteuer geltend zu machen.