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Dieses Münchner Elektroauto tankt Sonne und teilt Strom

WIRED Editorial 29.09.2017 Lesezeit 2 Min

Solarzellen auf der Karosserie, Moos als Luftfilter: Drei Münchner entwickeln eine neue Art des Elektroautos, den Sion. Dieser soll nicht nur umweltfreundlich sein, sondern auch von seinen Nutzern im Do-It-Yourself-Verfahren repariert werden können. Bereits 2019 soll der erste Wagen für 16.000 Euro ausgeliefert werden.

Die Machbarkeitsstudie: So nennen die Münchner Jona Christians und Laurin Hahn heute ihren ersten Versuch, ein Elektroauto zu bauen. Das Studienumfeld war die elterliche Garage, 2012, noch bevor die beiden Abitur hatten. Als Experimentiergrundlage diente ihnen ein alter Renault Twingo.

Vier Jahre später gründeten sie zusammen mit der Designerin Navina Pernsteiner ihr Startup Sono Motors – und aus dem Twingo wurde nun der Sion. Der erste professionelle Prototyp entstand in Zusammenarbeit mit dem Kleinserienbauer Roding Automobile, der bereits einen Elektro-Roadster für Siemens konstruiert hat.

461.440 Euro haben die Gründer von Sono Motors per Crowdfunding gesammelt, inklusive 25 Vorbestellungen. Für die ersten Testfahrten kann man sich online bereits anmelden. „Der Sion ist ein einfacher Kleinwagen mit solider Grundausstattung”, sagt Pernsteiner. Keine gro­ßen Extras also, dafür wächst im Armaturenbrett Moos als natürlicher Luftfilter. Und die 7,5 Quadratmeter Solarzellen auf Dach, Motorhaube und den Seiten produzieren Strom für 30 Kilometer Reichweite pro Tag. Die Batterie stemmt weitere 250 Kilometer.

Der Sion sei nicht für die große Reise geeignet, sagt Pernsteiner, aber für kurze Strecken perfekt. Und als Sharing-Fahrzeug. Gemeint ist nicht nur der Verleih nach dem Car2Go-Modell. Das Auto soll als mobile Ladestation nutzbar sein, qua Powersharing: Dank eines dualen Anschlusses kann der Wagen verschiedene elektronische Geräte aufladen und betreiben oder den produzierten Strom an andere E-Autos abgeben. Ihre Do-it-yourself-Mentalität möchten die Münchner auch an Kunden weitergeben: „Besitzer sollen ihren Sion selbst reparieren können“, sagt Pernsteiner. Dabei helfen offizielle How-to-Videos und Ersatzteile.

2019 soll der erste Sion ausgeliefert werden. Preis: 16.000 Euro. Die Batterie kann gemietet oder für etwa 4000 Euro dazugekauft werden. Übernahmeangebote schlug das Trio bisher aus. Stattdessen werden erste Zukunftspläne geschmiedet: „Wir denken an ein größeres Auto mit mehr Platz für Solarzellen.“