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Amazon verkauft Gesichtserkennungs-Software an die Polizei

WIRED Staff 23.05.2018 Lesezeit 3 Min

Amazon verkauft seine Bild- und Videoanalyse Rekognition gezielt an US-Polizeibehörden. Diese nutzen sie zur Gesichtserkennung über Bodycams. Bürgerrechtsorganisationen kritisieren das scharf und fordern Amazon auf, die Zusammenarbeit einzustellen. Sie fürchten Missbrauch und Massenüberwachung durch die Polizei.

Das Bildanalysetool Rekognition ist ein Teil von Amazons Cloud-Computing-Plattform AWS. Seit 2016 ist die durch Machine Learning geschulte Software verfügbar. Sie kann in Videos und Bildern sowohl Texte, Objekte ausmachen aber ebenso „mit hoher Genauigkeit Gesichtsanalysen und Gesichtserkennung“ für eine „hohe Spannbreite an Nutzungsmöglichkeiten“ durchführen. Wie die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union öffentlich machte, hat Amazon Rekognition seit dem vergangenen Jahr an Polizeibehörden in verschiedenen US-Bundesstaaten vermarktet.

Wie geleakte Emails belegen, sollen mindestens zwei Polizeibehörden in Florida und Oregon das System implementiert und genutzt haben. Auch zu Festnahmen habe es geführt. Amazon selbst bewirbt Rekognition als die perfekte Lösung, um mittels der Analyse der Aufnahmen von Überwachungskameras, Drohnen und Bodycams, die Polizisten stetig an ihrer Uniform tragen, Vermisste oder gesuchte Straftäter zu identifizieren. Nach Vertretern der ACLU kämen das Werbematerial und die Anleitung „einer Gebrauchsanweisung für autoritäre Überwachung“ gleich. Das Bildanalysetool von Amazon sei dafür prädestiniert, von Regierungsstellen und Behörden missbraucht zu werden und stelle eine Bedrohung für die Zivilgesellschaft und insbesondere die nicht-weiße Bevölkerung dar.

Rekognition könne ebenso genutzt werden, um friedliche Protestierer oder Menschen bei Massenkundgebungen auszuforschen. Bereits vor zwei Jahren veröffentlichten Wissenschaftler der Georgetown University in Washington eine Studie, die zeigte, dass über 117 Millionen US-Amerikaner in den Gesichtserkennungsdatenbanken der US-Strafverfolgungsbehörden vermerkt sind – meist vollkommen ohne deren Wissen. Diese Ressourcen, so warnten die Wissenschaftler, würden das Potenzial bieten, die verfassungsrechtlichen Freiheiten von Millionen Menschen zu beschneiden.

Insbesondere nach Vorfällen wie in Ferguson sei es gefährlich, wenn ein Konzern wie Amazon ein derart leicht zu missbrauchendes System den Behörden zugänglich mache. „Wenn ein gefährliches Überwachungssystem wie dieses erst einmal gegen die Öffentlichkeit gerichtet ist, kann der Schaden nicht ungeschehen gemacht werden“, sagt ACLU-Sprecherin Nicole Ozer. In einem offenen Brief fordert die ACLU gemeinsam mit rund 40 weiteren Bürgerrechtsorganisationen von Amazon und dessen Gründer Jeff Bezos, die Vermarktung und Verkauf von Rekognition an Behörden einzustellen. Amazon schade mit seinem Tun auch dem „„Vertrauen und Respekt“, den es über die vergangene Jahre aufgebaut habe.

Zur Forderung der Bürgerrechtler hat Amazon bislang noch keine Stellung abgegeben. Eine Sprecherin des Konzerns erklärte lediglich, dass die Technologie nicht nur zur Verbrechensbekämpfung verwendet werde, sondern beispielsweise auch von Vergnügungsparks, um verlorene Kinder zu finden. Der Fernsehsender Sky News hat mit Amazon Rekognition gearbeitet, um bei der Live-Übertragung der Hochzeit von Prince Harry und Meghan Markle die geladenen Gäste automatisch zu erkennen. Amazon verlangten aber von den Kunden, sich an geltendes Recht zu halten. Dieses hinkt aber praktisch überall auf der Welt noch hinter der technologischen Entwicklung hinterher.