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Wie Volkswagen ab April Car2Go und DriveNow angreifen will

Jürgen Stüber 18.11.2018 Lesezeit 3 Min

Bislang hielt sich Volkswagen mit Details zu seinem neuen Carsharing-Service WeShare bedeckt. Jetzt wurden weitere Details bekannt.

Ab April 2019 will der Volkswagen-Konzern mit seinem neuen Carsharing-Service WeShare eine Flotte von 1.500 elektrischen VW-Golf auf Berliner Straßen stellen. Weitere 500 batteriebetriebene eUp-Fahrzeuge sollen im Laufe des kommenden Jahres folgen. „Ab 2020 werden wir die neuen elektrischen I.D.-Fahrzeuge einsetzen, sobald sie verfügbar sind“, sagte Volkswagens Intermodality-Stratege Augustin Friedel bei der Fachkonferenz Mobility Circle am Mittwoch in Hamburg.

Damit dürfte Volkswagen auf einen Schlag die Flottengrößen der Mitbewerber erreichen oder gar übertreffen. Der Start in Berlin ist ein massiver Angriff auf die Marktführer Car2Go und DriveNow, die künftig in einem Joint Venture zusammenarbeiten wollen, momentan jedoch noch auf die Freigabe durch die US-Kartellbehörde warten. Car2Go vermietet in Berlin 1.200 Fahrzeuge. Bei DriveNow dürften es einem Pressebericht zufolge auch etwas mehr als 1.000 Fahrzeuge sein.

Umfassende Mobilitätsplattform, in einer App gebündelt

WeShare versteht sich langfristig als eine umfassende Mobilitätsplattform, die in einer App gebündelt werden soll. Sie wird nicht nur Autos vermieten, sondern ein ganzes Portfolio an anderen Dienstleistungen für unterschiedliche Anforderungen anbieten, wie Friedel sagte.

Gestartet wird mit der stationslosen Autovermietung (Free Floating) und einem P2P-Carsharing, also mit Fahrzeugvermietung durch Privatpersonen. Mikromobilität mit E-Scootern oder elektrischen Tretrollern könnte später mit eingebunden werden. Ridehailing und Shuttle-Services und auch der öffentliche Nahverkehr könnten ebenso intelligent mit dem WeShare-Angebot verknüpft werden.

Ein kritischer Punkt vor dem Start der neuen Plattform ist die Ladeinfrastruktur. „In Berlin sind zwar ausreichend Ladestationen vorhanden. Doch die Hälfte wird von Verbrennern zugeparkt“, sagt Friedel. Dass die zusätzliche Flotte den Parkplatzmangel in der Stadt verschärfen wird, glaubt Friedel nicht. „Mit Parkraum sind wir in Berlin im Vergleich zu anderen Städten noch relativ gut dran.“

Der Start der Plattform in Berlin soll eine Blaupause für die weitere Expansion des Unternehmens liefern. „Nach Berlin soll WeShare in weitere Kernmärkten in Europa ausgerollt werden“, sagt Friedel.

Der Konzern verspricht sich von dem Angebot vor allem, näher an den Kunden heranzukommen und gerade vor dem Hintergrund der eMobilitäts-Offensive von Volkswagen für das Thema Elektromobilität zu werben und eine jüngere Kundschaft zu erreichen. Denn: „Der durchschnittliche Golf-Käufer ist 53 Jahre alt“, sagte der Markenstratege.

WeShare ist mit seinem Vehicle-on-Demand-Angebot nur ein Baustein der Mobilitätsstrategie von Volkswagen. Mit Moia betreibt der Konzern einen Dienst für On-demand-Ridesharing in Hannover und demnächst auch in Hamburg.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene
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