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Warum Steve Bannon nun in Kryptowährungen macht!

Michael Förtsch 18.06.2018 Lesezeit 4 Min

Der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon will groß ins Geschäft mit Kryptowährung einsteigen. Er selbst habe ein beachtliches Bitcoin-Vermögen und plant wohl auch eigene ICOs. Nicht ohne Grund: Rechte Bewegungen sind dabei, Kryptowährungen für sich zu vereinnahmen.

Steve Bannon hat so einige Stationen in seinem Lebenslauf. Er arbeitete bei der Investmentbank Goldman Sachs, war Filmproduzent und auch an der Gründung der Skandalfirma Cambridge Analytica beteiligt, die nun unter dem Namen Data Propria zurück ist. Bekannt wurde Bannon aber zuvorderst als Leiter des rechtspopulistischen Mediennetzwerks Breitbart News und als Chefstratege von Donald Trump. Aber vor zehn Monaten war Bannon von Trump gefeuert worden und hat zwischenzeitlich auch mit Breitbart gebrochen. Nun will Bannon in einem neuen Feld aktiv werden – mit der Zielsetzung, etablierte Systeme so aufzureißen, wie es Trump mit der US- und Weltpolitik tut.

Wie unter anderem die New York Times und Vanity Fair berichten, hat sich Bannon über die vergangenen Wochen mit zahlreichen Investoren und Managern wie Brock Pierce getroffen, die Erfahrung mit Kryptowährungen besitzen. Denn er arbeite mit seinem Investmentunternehmen Bannon & Company an Initial Coin Offerings und wolle Gründer oder auch ganze Länder dabei unterstützen, eigene Kryptowährungen zu starten. Vor einigen Monaten hatte er bereits geunkt, einen „deplorables coin“ entwickeln zu wollen – ein Verweis auf die Unterstützer von Trump, die Hillary Clinton als „a basket of deplorables“ – ein „Korb voller Bedauern“ – bezeichnet hatte.

Wie weit die Pläne von Bannon schon gediehen sind, lässt sich nicht sagen. Interesse an Kryptowährung scheint er jedoch schon länger zu haben. Er hatte gesagt, er habe einen „guten Teil“ in Bitcoin investiert. Allerdings scheint sein Aktivismus in diesem Feld weniger mit der Technologie oder den Gewinnmöglichkeiten zu tun zu haben. Vielmehr sieht Bannon Kryptowährungen als Waffe der Ultrarechten gegen die vermeintliche Unterdrückung durch das sogenannte Establishment.

„Es ist für mich ziemlich offensichtlich, dass all diese politischen Bewegungen, wenn sie nicht die Kontrolle über ihre eigene Währung haben, dem Einfluss jener unterliegen, die diese Währung steuern“, sagt Bannon. Was Bannon, seine Anhänger und auch andere rechtsnationale Gruppierungen in Kryptowährungen sehen, ist zuvorderst das Werkzeug, um eine ökonomische Plattform zu schaffen, die staatliche Regularien unterminiert und sich selbst legitimiert; ganz unabhängig von Gesetzen, Normen und Ethik.

Damit adaptiert, instrumentalisiert und pervertiert die neue Rechte die Konzepte und Visionen der – auch nicht unkritisch zu sehenden – Cypherpunk-Bewegung, aus der Bitcoin hervorgegangen ist. Die träumte einst von der Demokratisierung des Geldverkehrs für eine „offene Gesellschaft“; einer Möglichkeit anonym (oder zumindest pseudonym) Transaktionen abzuwickeln und damit den allzu neugierigeren Blicken von Regierungen, Banken oder „anderen gesichtslosen Organisationen“ zu entgehen.

Auch Bannon will „den Zentralbanken die Kontrolle wegnehmen“, wie er sagt. Ob das gelingt, bleibt natürlich abzuwarten. Aber bis dahin erlauben es Bitcoin, Ethereum, Litecoin, Monero und vielleicht bald auch eigene Währungen den extremistischen Bewegungen zumindest schon, sich der Kontrolle von Regierungen, Behörden und dem Boykott von Tech-Firmen zu entziehen.

Dienste und Plattformen wie PayPal, GoFundMe oder Patreon sind zuletzt stärker gegen Konten und Kampagnen von rechtsnationalen Aktivisten und Gruppen vorgegangen. Ebenso haben Kreditkartenanbieter und Payment-Dienste wie Google Pay und Apple Pay Vertreter der sogenannten Alt-Right ausgesperrt. Kryptowährung hingegen fließen an derartigen Dienstleistern vorbei; lassen sich kaum bis gar nicht kontrollieren oder blockieren.

Wie Heidi Beirich, die Leiterin des Intelligence Project des Southern Poverty Law Center, dem Guardian sagte, würde Bitcoin die Spendensammlung durch rechte Bewegungen „in einer Geschwindigkeit [ermöglichen], die ich so noch nicht gehen habe." Profiteure sind einzelne Rechtsaktivisten wie der Neo-Nazi-Hacker Andrew Auernheimer aber auch Institutionen wie der Verlag Counter-Currents. Der Nationalist Richard Spencer bezeichnete Bitcoin gar als „Währung der Alt-Right.“ Wobei: Zuletzt wird Monero in rechten Zirkeln propagiert. Vor allem der rassistisch-nationalistische Podcaster Christopher Cantwell bewirbt die Digitalwährung Monero, die von ihren Machern mit den Worten „It’s fast, private, and secure“ beworben wird.

Auch die AfD-Politikerin Alice Weidel scheint die Möglichkeiten, die „private Digital-Währungen„ bieten, zu faszinieren. Auf Vorträgen soll sie über die „Mängel des aktuellen Geldsystems“ gesprochen haben – und fordert stattdessen eine Art „D-Mark 2.0.“

Mittlerweile fürchten beispielsweise Ethereum-Gründer Vitalik Buterin aber auch viele andere, dass rechte Ideologen und radikale Libertäre die Kryptowährungen und die Idee der Blockchain vereinnahmen könnten. Bemühungen wie jene von Steve Bannon könnten Vorschub leisten, Kryptowährung nicht nur zu einem demokratischen Zahlungsmittel zu machen, sondern auch zu einem Werkzeug, das organisierten Hass, Gewalt und Ausgrenzung befeuert. Das ist ein Problem, das die Köpfe hinter Bitcoin, Ethereum und Co. nicht ignorieren dürfen.