Eine Studie bestätigt: Hinter Textnachrichten einen Punkt zu setzen, ist furchtbar

WIRED Editorial 09.12.2015 Lesezeit 3 Min

Auf der Skala der Oberlehrerhaftigkeit steht der Punkt am Ende einer Message ziemlich weit oben. Intuitiv wussten wir schon lange: Wer das tut, ist ein schlechter Mensch. Eine neue Studie hat das jetzt auch offiziell bestätigt.

Wissenschaftlerinnen der Binghamton University im Bundesstaat New York haben herausgefunden, dass das Beenden von Textnachrichten mit einem Punkt als unaufrichtig wahrgenommen wird. „Text-Messaging ist eine der meistgenutzten Methoden der computervermittelten Kommunikation (CVK). Das schnelle Tempo des Textens imitiert die direkte Kommunikation, was zu der Frage führt, ob entscheidende nichtverbale Aspekte einer Unterhaltung, etwa der Tonfall, in der CVK ebenfalls ausgedrückt werden“, schreiben die Forscherinnen in ihrer Studie.

Bisher ist vor allem untersucht worden, wie Menschen ihre digitalen Nachrichten komponieren. Das von der Psychologin Celia Klin geführte Team hat sich dagegen die Empfängerseite angeschaut: Wie werden die Nachrichten verstanden und emotional interpretiert? Besonders interessierten sie sich dabei für die Frage, welche Rolle die Interpunktion spielt. Um dies zu testen, rekrutierten sie 126 StudentInnen ihrer Universität zeigten ihnen unterschiedliche Versionen einer kurzen Unterhaltung — mal als Textnachricht, mal als handgeschriebener Austausch.

Der Punkt transportiert keinerlei zusätzliche Information — außer vielleicht, dass man sehr großen Wert auf korrekte Interpunktion setzt.

Die Unterhaltungen bestanden in einer kurzen Einladung oder Frage (etwa „Willst du mit ins Kino?“) gefolgt von einer Ein-Wort-Antwort wie „klar“, „gerne“ oder „okay“. Stand am Ende der Antwort ein Punkt, wurde die Nachricht von den TeilnehmerInnen als unaufrichtiger gewertet. Bei den handgeschriebenen Nachrichten blieb dieser Effekt aus.

Klin und ihr Team leiten daraus ab, dass Satzzeichen in Textnachrichten eine Art symbolische Eigendynamik angenommen haben. Es geht nicht mehr nur um korrekte Grammatik, im Kontext einer SMS oder Facebook-Nachricht ist der Punkt am Ende eines Satzes offenbar zum Indikator für Gestelztheit geworden.

„Beim Texten fehlen viele der sozialen Signale, die bei Gesprächen von Angesicht zu Angesicht genutzt werden. Im direkten Gespräch vermitteln Menschen soziale und  emotionale Informationen durch Augenkontakt, Mimik, den Tonfall, Pausen und so weiter,“ erklärt Klin.  Beim Texten fielen diese Möglichkeiten weg und die Absender der Nachricht müssen mit den Mitteln haushalten, die ihnen zur Verfügung stehen: „Emoticons, absichtliche Falschschreibungen, die gesprochene Sprache imitieren und Interpunktion.“

In einer noch unveröffentlichten Nachfolgestudie fand das Team heraus, dass ein Ausrufezeichen das Gesagte hingegen glaubwürdiger erscheinen lässt. Das scheint ebenso plausibel: Der Punkt transportiert keinerlei zusätzliche Information — außer vielleicht der Arroganz, dass man sehr großen Wert auf korrekte Interpunktion setzt. Das Ausrufezeichen hingegen kommuniziert genau die Emphase, die normalerweise aus dem Tonfall oder dem begeisterten Gesicht abzulesen ist. Fragt sich nur noch:

 

Punkte können unaufrichtig wirken — und Emojis können strafbar sein