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Start-ups setzen auf Fleisch aus dem Labor und Fake-Fleisch

Lisa Ksienrzyk 23.09.2018 Lesezeit 3 Min

Konzerne stecken Millionenbeträge in Start-ups, die Fleisch-Züchtungen aus dem Labor oder vegane, fleischähnliche Produkte entwickeln. Aber kann die Wette auf eine Zukunft mit geringerem Fleischkonsum aufgehen? Auf der Future of Food Conference haben Profis über die Alternativen zum Fleisch diskutiert.

Fleischersatz-Startups wie Beyond Meat und Supermeat werden mit Millionen finanziert, um ihre Forschung und den Vertrieb zu erweitern. Auch die Nichtregierungsorganisation Good Food Institute hat gerade drei Millionen Dollar in die Forschung von Fleisch-Ersatzprodukten und Laborfleisch gesteckt. Aber haben Hähnchenfilets aus gezüchteten Muskelzellen und Burger aus Insektenmehl überhaupt eine Zukunft? Darüber haben vier Gründer und Investoren auf der diesjährigen Future of Food Conference debattiert.

Jens Tuider ist Staff and Executive Assistant bei ProVeg, ehemals Vegetarierbund. ProVeg hat gerade einen neuen Accelerator gestartet, der Unternehmen unterstützt, die vegetarische Lebensmittel und In-Vitro-Fleisch herstellen. „Weltweit arbeiten zurzeit viele Start-ups daran, Eier, Fisch und Fleisch im Labor herzustellen. Man könnte theoretisch sogar Steaks aus seinen eigenen Stammzellen züchten. Da weiß man wenigstens, was man vor sich hat. Die Leute kennen die Gründe, warum man weniger tierische Lebensmittel essen sollte und was die Auswirkungen sein könnten, aber am Ende tun sie es trotzdem und finden Ausreden. Wir müssen Lebensmittel finden, die einen ähnlichen Geschmack wie Fleisch haben, immer verfügbar und nicht zu teuer sind.“

Das Berliner Startup Mushlabs entwickelt Fleischersatz aus fermentierten Pilzen. Gründer Mazen Rizk vermutet, dass es noch einige Jahre braucht, bis In-Vitro-Fleisch fertig entwickelt ist. Mushlabs soll im Sommer 2019 in die Regale kommen. „Die Herausforderung ist, wie man sein Labor so aufbaut, um irgendwann fünf Tonnen Nahrungsmittel pro Woche produzieren zu können. Da reichen keine drei Laptops, um mal eben eine Software zu bauen.“

Radek Hušek ist Mitgründer des Insektenriegel-Startups Sens Food und Inhaber der Grillenfarm Cricket Lab. Er glaubt daran, dass sich die Menschheit auch komplett von Krabbeltierchen ernähren könnte. Insekten sind eiweißreich, nahrhaft und die Aufzucht ist einfach. Allerdings ist bei vielen Menschen die Hemmschwelle hoch, Grillen oder Würmer zu essen. „Die größte Challenge ist es, die Kunden von Insekten zu überzeugen. Sens Food sagt zum Beispiel, dass Grillenmehl und nicht Grillen an sich verwendet werden. Wenn man über Heuschrecken spricht, stellen sich die Leute das bildlich vor. Bei Mehl ist das anders, das ist nur Pulver, was man sowieso regelmäßig isst.“

Die Berliner Salatbar Good Bank pflanzt ihr Gemüse in pink leuchtenden vertikalen Farmen des Startups Infarm an. „Zu uns kommen Kunden, die offen für Neues sind und gesund essen wollen, bei denen man auch glauben könnte, dass sie nachhaltig leben. Tun sie aber nicht. Letztes Jahr haben wir ein regionales und saisonales Menü aufgestellt. Aber die Kunden wollten trotzdem lieber Salat mit Hühnchen essen. Unser Erste-Welt-Problem ist nämlich Geschmack. Gastronomen müssen den Kunden Essen anbieten, das sie ansprechend, sexy und lecker genug finden, um es einem Fleischgericht vorzuziehen. Das hat Good Bank erst mit einem Gericht geschafft: Salat mit veganer Sauce und Trüffeln“, so CEO Ema Paulin.

Dieser Artikel erschien zuerst bei Gründerszene
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