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Mit diesem Vertrag will der WWW-Erfinder das Internet retten

WIRED Staff 07.11.2018 Lesezeit 2 Min

Tim Berners-Lee hat eine Magna Carta für das Internet ins Leben gerufen. Der Erfinder des World Wide Web will damit Diskriminierung und politische Manipulation bekämpfen. Dafür benötigt es allerdings die Umsetzung sowohl durch Regierungen als auch die großen Tech-Unternehmen.

Vor 29 Jahren hatte Tim Berners-Lee am Kernforschungszentrum CERN die Basis unseres heutigen World Wide Web erfunden. Mehrfach hatte sich der Informatiker bereits besorgt darüber geäußert, wie sich das Internet entwickelt. Vor allem der Einfluss von Konzernen wie Google und Facebook bereitet ihm Unbehagen. Aber auch Fake News, Diskriminierung und Hass im Netz und die Instrumentalisierung des Internet als Werkzeug für politische und gesellschaftliche Manipulation, sieht er nicht gern. Berners-Lee stellte daher nun auf dem Web Summit in Lissabon einen „Vertrag für das Web“ vor, der, wie er hofft, Demokratie, Frieden, Menschenrechte und Forschergeist im Internet sichert.

Der Vertrag soll als eine Art Magna Carta dienen, die grundlegende Rechte und Pflichten für Nutzer und Lenker des Internet verbrieft. Zuvorderst sollen dadurch Konzerne und Regierungen in die Pflicht genommen werden. In den Prinzipien heißt es, dass Regierungen sicherstellen, dass alle Menschen auf das Internet zugreifen können, ganz „egal wer sie sind oder wo sie leben.“ Firmen hingegen sollen sich verpflichten, das Internet zugänglicher und erschwinglicher zu machen und die Technologie so weiterzuentwickeln, dass sie das positive Potential der Menschheit befördert. Die Nutzer selbst wiederum, möchte Berners-Lee, sollen starke Gemeinschaften im Netz aufbauen, einen zivilisierten Umgang pflegen und das Web als „offene und globale Ressource“ verteidigen.

Obwohl der volle Vertragstext erst im Mai 2019 veröffentlicht werden soll, haben bereits mehr als 50 Organisationen unterschrieben. Darunter finden sich auch Facebook und Google, die Tim Berners-Lee mitverantwortlich für die Miesere macht, die er in den vergangenen Jahren beobachtete. Sie müssten derzeitige Projekte wie Dragonfly abbrechen, wenn sie es mit ihrer Unterschrift ernst meinen. „Wenn du diese Prinzipien unterschreibst, betreibst du keine Zensur“, sagt Berners-Lee. Weitere Unterzeichner sind Cloudflare, die französische Regierung, Richard Branson und der ehemalige britische Premierminister Gordon Brown.