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Schaeffler will Selbstfahrtechnologie entwickeln

WIRED Staff 07.08.2018 Lesezeit 3 Min

Der deutsche Autozulieferer Schaeffler will bei der Entwicklung autonomer Fahrzeuge mitmischen. Dafür hat der Konzern nun einen Konstrukteur von Behindertenfahrzeugen eingekauft, der schon jetzt das Lenkrad aus PKWs verbannen kann.

Die Schaeffler-Gruppe ist einer der größten Zulieferer der Automobil-, Fahrzeug- und Maschinenbauindustrie. Über die kommenden Jahre soll das Unternehmen aber auch zum Technologiekonzern werden – denn wie und womit Fahrzeuge fahren, das beginnt sich gerade dramatisch zu verändern. Daher hat Schaeffler gerade die Drive-by-Wire-Technologie des kleine Unternehmens Paravan aus Pfronstetten-Aichelau aufgekauft.

Paravan konzipiert und baut High-End-Elektrorollstühle und rüstet Kleintransporter und Busse von Mercedes und Volkswagen behindertengerecht um. Dafür hat das Unternehmen aus dem Schwabenland auch eigene Technologien und Nachrüstelemente entwickelt, die einen beeinträchtige Menschen, diese Fahrzeuge sicher und souverän steuern lassen. Darunter sind Sprach- und Touchsysteme, die in Verbindung mit iOS- und Android-Geräten funktionieren. Aber zuvorderst hat Paravan ein eigenes Steer- und Drive-by-Wire-System ausgearbeitet, das auf den Namen Space Drive hört und „als einziges System seiner Art weltweite Straßenzulassungen“ hat.

Mit einer Umrüstung auf Space Drive wird es möglich, Fahrzeuge komplett über elektrische Signale zu lenken. „Das Lenkrad und die mechanische Verbindung der Lenksäule können also vollständig entfallen“, so die Paravan-Entwickler. Diese Technik soll nun in einem ausgegliederten Joint-Venture-Unternehmen, der Schaeffler Paravan Technologie GmbH, die zu 90 Prozent Schaeffler und zu 10 Prozent Paravan gehört, weiterentwickelt werden. Als Anlaufpunkt und Experimentiereinheit soll dabei der Schaeffler Mover herhalten, ein viersitzes Mini-E-Auto, das schon komplett ohne Lenkrad und Pedalerie fährt.

Autonomes Fahren für besseres Design?

Die Ambition der deutschen Fahrzeugentwickler ist es aber nicht nur, eine eigene Technologie für autonome Autos auszuarbeiten, sondern auch zu erforschen, was es daudrch für neue Möglichkeiten gäbe. Denn: „Auch in PKW, die nur temporär automatisiert fahren, entstehen allein durch den Wegfall der Lenksäule völlig neue Möglichkeiten für die konzeptionelle Ausgestaltung der Fahrzeuge und ihrer Innenräume“, lässt Paravan wissen.

Schaeffler ist bei weitem nicht das einzige deutsche Unternehmen, das im Rennen um die autonomen Autos mitmischen will. ZF Friedrichshafen, der weltweit zweitgrößte Autozulieferer, hat 2017 die Fahrassistententwickler von IEE Sensing Germany gekauft und gemeinsamen mit dem E-Auto-Start-up eGo einen autonomen Bus vorgestellt. Siemens hatte erst kürzlich einen autonomen Mustang bei einem Bergrennen antreten lassen – mit mäßigem Erfolg. Und auch Bosch und Continental arbeiten an eigenen Systemen für das autonome Fahren.