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Ridesharing-Dienst von Volkswagen: Mit Elektro-Kleinbussen will MOIA die Städte erobern

Tobias Schaffrath Rosario 01.11.2018 Lesezeit 6 Min

Mit seiner Marke MOIA, die vor zwei Jahren startete, rüstet sich Volkswagen für die urbane Mobilität der Zukunft. In Hannover ist der Ridesharing-Dienst schon in den Regelbetrieb übergangen, im kommenden Jahr soll Hamburg folgen. Für die Zukunft plant VW den Einsatz von Elektro-Kleinbussen.

Mit MOIA will Volkswagen den Komfort des Taxifahrens mit der Effizienz des öffentlichen Nahverkehrs verbinden. Die Nutzer können sich per App einen Kleinbus zu ihrem aktuellen Standort bestellen, der sie dann zu ihrem Ziel bringt. Im Hintergrund läuft ein Algorithmus, der scannt, welche anderen Nutzer einen ähnlichen Weg haben. Die werden dann unterwegs eingesammelt. Die Fahrt wird also „geteilt“, daher: Ridesharing. Der Vorteil für die Nutzer ist klar: Im Gegensatz zum ÖPNV bringt MOIA sie tatsächlich von A nach B – und nicht nur von Haltestelle zu Haltestelle (und auch das oft nur mit Umsteigen). Außerdem ist ein Sitzplatz immer garantiert, auch zur Rush-Hour. Die Fahrt ist also viel komfortabler.

Aber auch der Verkehr in den Großstädten soll dadurch entlastet werden: Anstatt auf das eigene Auto zurückzugreifen, würden sich Menschen eine Fahrt teilen, wodurch sich der Verkehr insgesamt reduzieren würde, sagt jedenfalls MOIA. Das wirke nicht nur nervigen und zeitintensiven Stau entgegen, sondern entlaste auch die Umwelt. Zumal MOIA in Zukunft auch mit eigens angefertigten elektrischen Kleinbussen fahren will.

Besonders wichtig ist dabei den Betreibern von MOIA: Der Dienst soll den ÖPNV nur ergänzen und nicht ersetzen. MOIA zielt demnach vor allem auf die Kunden ab, die anstelle von MOIA nicht die öffentlichen Verkehrsmittel, sondern ein eigenes Auto nutzen würden. Auch soll MOIA eine Alternative für Routen bieten, die von den Öffentlichen nur schlecht gedeckt werden.

MOIA ist in Hannover schon in Betrieb, Hamburg folgt 2019

Nach einer etwa einjährigen Testphase startete MOIA im Juli den regulären Betrieb in Hannover. Bis Mitte 2020 hat der Dienst eine Zulassung für 150 Fahrzeuge. Etwa 55 davon fahren momentan bereits durch die niedersächsische Hauptstadt. Angestrebt werden ungefähr 20.000 angemeldete Nutzer der App.

Momentan besteht die Flotte größtenteils aus den klassischen VW T6-Bussen mit Benzinmotor. Eigens für MOIA entwickelt Volkswagen nun auch einen voll-elektrischen Ableger davon: den MOIA+6, den sich WIRED beim Wunder Mobility Summit in Hamburg bereits anschauen konnte. Neben dem elektrischen Antrieb unterscheidet den MOIA+6 auch sein eigenständiges Design vom bekannten VW-Bus. Der Innenraum wurde komplett neu konzipiert: Er hat Platz für sechs Fahrgäste plus Fahrer und soll viel Beinfreiheit und extra Stauraum bieten. Die Stühle sind Spezialanfertigungen. Außerdem soll es WLAN und USB-Ports für die Fahrgäste geben. Der zusätzliche Komfort gegenüber dem Serien-Kleinbus soll die Nutzer davon überzeugen, von ihrem eigenen Auto auf eine geteilte Fahrt umzusteigen.

Durch den Elektromotor werden im Straßenverkehr keine CO2-Emmissionen verursacht. Die Reichweite einer Akkuladung soll bei 300 Kilometern liegen. In 35 Minuten soll man die Batterie wieder zu 80 Prozent laden können. In Hannover wird die Flotte Stück für Stück von den alten T6-Modellen auf die neuen elektrischen Fahrzeuge umgestellt. In Hamburg, wo MOIA Anfang 2019 starten will, sollen von vornherein nur die elektrischen Kleinbusse fahren. Daraufhin sollen auch weitere Städte im In- und Ausland folgen. Welche das sind, ist aber noch geheim.

Kritiker befürchten: MOIA könnte ÖPNV verdrängen

Kritiker bemängeln, dass Angebote wie MOIA entgegen der Versprechen den öffentlichen Nahverkehr nicht ergänzen, sondern verdrängen würden. Sie verweisen dabei auf Erfahrungen aus den USA mit den Ridesharing-Diensten Uber und Lyft. Pamela Herhold, Leiterin der öffentlichen Nahverkehrsgesellschaft Bart in San Francisco, sagte dazu kürzlich in der ARD, dass durch die Konkurrenz der Ridesharing-Dienste „die Fahrgastzahl enorm zurückgegangen wäre“.

Es gibt aber auch Studien, die das Gegenteil zeigen: So fand die Forschungsgruppe Use Mobility Center (UMC) in einer Studie vom Januar mit Daten aus mehreren amerikanischen Städten heraus, dass Angebote wie Uber und Lyft größtenteils zu Randzeiten genutzt werden – also spät abends und am Wochenende –, wenn die Abdeckung durch den ÖPNV ohnehin relativ gering ist. Die Fahrgäste steigen demnach also nur auf die Ridesharing-Dienste um, wenn das ÖPNV-Angebot unzureichend ist.

Ob die Kritik gerechtfertigt ist, ist statistisch also noch nicht abschließend geklärt. Ganz konkret auf MOIA bezogen fürchteten einige Kritiker, dass der Dienst alleine aufgrund des niedrigen Preises Bus und Bahn verdrängen würde. Denn während der Testphase konnte man in Hannover für wenige Cents von A nach B kommen. Dem ist die Stadt Hannover aber zuvorkommen: Mit der Lizenz für den regulären Betrieb zwingt Hannover MOIA seit Juli 2018,höhere Preise zu verlangen als für den ÖPNV. Somit wird keiner aus Kostengründen vom ÖPNV zu MOIA wechseln.

MOIA zeigt sich ohnehin kooperationsbereit. Auf dem Wunder Mobility Summit 2018 in Hamburg lies COO Robert Henrich wissen: „Sollten öffentliche Stellen Interesse an unserer Technologie haben, um den ÖPNV zu optimieren, sind wir gerne dazu bereit, mit ihnen zusammenarbeiten. Wir alle lernen noch auf diesem Gebiet, da macht es Sinn, gemeinsam zu lernen.“ Den ÖPNV ersetzen wolle man auf keinen Fall. „Die Nachfrage nach Transportmöglichkeiten in Großstädten wächst. Dadurch ist eine Koexistenz möglich.“

Erfolg von MOIA hängt von Anzahl der Nutzer ab

Zusammenfassen lässt sich das Versprechen von MOIA so: In Zukunft sollen keine Autos mehr mit nur einem Fahrgast unterwegs sein, sondern alle Autos voll besetzt sein. Damit soll das Verkehrsaufkommen reduziert und die Umwelt entlastet werden. Aber auch das Geschäftsmodell von MOIA ist darauf angewiesen, dass das Konzept aufgeht: Es ist viel teurer, ein Auto mit nur einem Fahrgast zu betreiben, als eines mit sechs Fahrgästen. Der Erfolg von MOIA – unter wirtschaftlichen sowie verkehrspolitischen Aspekten – wird also davon abhängen, ob unterwegs oft genug andere Mitfahrer zusteigen. Nur dann kann MOIA wirklich den Verkehr der Zukunft revolutionieren.