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Ein Google-Video soll Meinungsmanipulation beweisen – tut es aber nicht

WIRED Staff 13.09.2018 Lesezeit 2 Min

Nach der Wahl von US-Präsident Trump gab es bei Google eine Vollversammlung der Mitarbeiter. Nun hat die rechte Nachrichtenplattform Breitbart ein Video veröffentlicht, das zeigt, wie sich die Firmenführung dabei politisch positioniert. Diese Aufnahme wird nun von konservativen und rechten Politikern genutzt, um gegen den Suchmaschinenkonzern vorzugehen.

Erst kürzlich hatte US-Präsident Donald Trump den Tech-Konzernen Google, Twitter und Facebook unterstellt, gezielt rechts-konservative Medien und Politiker zu benachteiligen. Diese Woche hatte dann Brad Parscale, Trumps Wahlkampfmanager für 2020, nachgelegt und Youtube vorgeworfen, unfaire Zensur gegen die politische Strömung der Republikaner zu betreiben. Ein Video, das nun die rechtspopulistische Nachrichtenplattform Breitbart veröffentlicht hat, könnte die Ansicht des US-Präsidenten und seiner Anhänger verfestigen – und Argumente gegen die Plattformbetreiber liefern.

Das Video zeigt ein sogenanntes Thank-God-It's-Friday-Meeting, das bei Google unmittelbar nach der US-Präsidentenwahl von 2016 stattfand. Dabei kommen nebst anderen Mitarbeitern auch Google-Mitbegründer Sergey Brin und Google-Leiter Sundar Pichai zu Wort. „Die meisten Leute hier sind sehr sauer und sehr traurig“, sagt Brin und erklärt weiter, dass er, wie viele, den Ausgang der Wahl als „zutiefst beleidigend“ empfinde und sich gezeigt habe, dass „viele Menschen augenscheinlich nicht unsere Werte teilen.“ Es läge nun an allen, herauszufinden, was man tun könne, um „eine bessere politische Führung und Entscheidungsfindung“ zu erreichen.

Der Google-Leiter Pichai schließt sich in seiner Ansprache an und erklärt, dass ihn viele E-Mails von Mitarbeitern erreichten, die „Angst vor den Konsequenzen“ einer Trump-Präsidentschaft hätten. Er forderte sie auf, politische Gegner anzusprechen, den demokratischen Prozess anzustreben und dabei respektvoll und einfühlsam vorzugehen. Denn die Trump-Regierung sei, wie auch weitere Sprecher ausführten, das Ergebnis einer demokratischen Wahl, die respektiert werden müsse ebenso wie die Vielfalt der Meinungen.

Eine ideologische Manipulation oder politisch motivierte Zensur von Suchergebnissen oder Inhalten wird von keinem der Google-Mitarbeiter im Video anregt oder gefordert. Jedoch versuchen Breitbart und erste andere rechtsnationale und rechtspopulistische Medien und Meinungsmacher, das Video genau in diesem Sinne zu auszulegen. Der Konzern demonstriere hier klar eine politische Tendenz und Bereitschaft, in die Meinungsbildung einzugreifen. Trump-Wahlkampfmanager Brad Parscale forderte auf Twitter, dass Google beweisen müsse, dass es „keine Gefahr für die Republik“ sei.

Wie Google mittlerweile in einem Statement erklärte, zeige das Video eindeutig die persönlichen Meinung der Mitarbeiter. „Nichts das bei diesem oder anderen Events gesagt wurde, suggeriert einen politischen Einfluss auf die Art wie wir unsere Produkte bauen und betreiben“, erklärt Google. „Ganz im Gegenteil, unsere Produkte sind für alle gemacht und wir entwickeln sie mit besonderer Sorgfalt, sodass sie für alle eine verlässliche Informationsquelle darstellen, ungeachtet der politischen Haltung einer Person.“