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Platooning: Die ersten vernetzten LKW rollen durch Deutschland

WIRED Staff 26.06.2018 Lesezeit 2 Min

Auf der A9 fahren seit dieser Woche mehrmals am Tag LKW in einer vernetzten Kolonne mit geringem Abstand. Der Fahrer des ersten LKW gibt Tempo und Richtung vor, der zweite folgt automatisiert. Der Testbetrieb soll zeigen, dass mit diesem Platooning-System nicht nur Platz, sondern auch Geld gespart werden kann

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) nennt den weltweit ersten Praxiseinsatz vernetzter LKW-Kolonnen ein „visionäres Forschungsprojekt“: Dreimal täglich fahren die MAN-Fahrzeuge von DB-Schenker die 145 Kilometer von München nach Nürnberg und zurück. Bis Anfang August wird noch ohne Ladung geprobt, dann wird die Kolonne Maschinenteile oder Getränke transportieren.

Das Besondere beim Platooning: Der vordere Sattelschlepper wird von einem menschlichen Fahrer gesteuert, der das Tempo und die Richtung vorgibt. Der hintere LKW folgt im Abstand von 15 Metern.Theoretisch bräuchte er für die Fahrt auf der Autobahn keinen eigenen Fahrer. Dank Car-to-Car-Kommunikation bremsen, beschleunigen und lenken Steuersysteme ihn automatisch, abgestimmt auf das vordere Fahrzeug. Für den Test auf der A9 wird allerdings auch der zweite LKW einen Sicherheitsfahrer hinter dem Lenkrad haben. Ohnehin will derzeit niemand den Beruf LKW-Fahrer abschaffen. Verkehrsminister Scheuer sagt: „Der LKW-Fahrer kann zur modernen Logistikfachkraft im Digital-Truck werden.“

LKW-Kolonne spart Geld, Platz und Sprit

Auch mit menschlichem Personal spart die Fahrt im Konvoi per sogenannter elektronischer Deichsel bereits jetzt Geld: Durch den um 35 Meter reduzierten Abstand der Fahrzeuge nutzt der Lkw den Windschatten besser aus und verbraucht damit zehn Prozent weniger Sprit. Er spart also drei Liter Diesel auf 100 Kilometer. Ein Vorteil für alle Autofahrer: Die LKW-Kolonne nimmt viel weniger Platz auf der Autobahn ein.

Die MAN-Trucks von DB-Schenker stellen den ersten Versuch der kommerziellen Nutzung dieser Technologie auf deutschen Straßen dar. Langfristig will die Logistikbranche an Standards arbeiten, mit denen sich Fahrzeuge verschiedener Hersteller in teilautomatisierten Kolonnen miteinander kombinieren lassen. Außerdem muss noch ein Modell für die Bezahlung entwickelt werden, wenn Lkws unterschiedlicher Spediteure Teilstrecken in gemeinsamen Verbänden fahren — denn die Spritkostenersparnis gibt es nur für das jeweils hintere Fahrzeug.