Laden wir Handys bald drahtlos aus der Luft?

Cindy Michel 29.12.2017 Lesezeit 3 Min

Schluss mit Kabeln und Adaptern: Die WattUp-Technologie soll gleich mehrere Geräte drahtlos mit Energie versorgen, um Akkus aufzuladen – selbst wenn sie im Zimmer verstreut liegen. Die US-Telekombehörde FCC hat gerade ihr OK gegeben. Nun müssen noch die Hersteller mitspielen, damit ein Traum vieler Nutzer wahr werden kann.

Wer vergisst, das Smartphone über Nacht einzustöpseln, muss zum Frühstück mit einer Energiekrise rechnen: Ein Warnlicht blinkt, gleich ist der Akku leer. Wie praktisch wäre es, weder Kabel noch Steckdosen zu brauchen, weil der Akku sich bei allen Geräten automatisch wieder auffüllt, ganz wie von selbst.

Die Ladetechnologie WattUp des kalifornischen Startups Energous verspricht genau das: kabelloses Laden, ohne die Freiheit der Nutzer spürbar einzuschränken. Laut Energous soll es künftig möglich sein, mehr als ein Dutzend Geräte gleichzeitig aus bis zu fünf Metern Entfernung aufzuladen.

So sehr das nach Science-Fiction klingen mag: Eine wichtige Hürde haben die Entwickler gerade genommen. Die US-Telekombehörde FCC zertifizierte die Technologie im ersten Schritt für eine Distanz von einem Meter. Der Ritterschlag der staatlichen Aufseher ließ die Energous-Aktie in die Höhe schießen, denn bisher ist es noch keinem Unternehmen gelungen, das Versprechen vom mühelosen Aufladen tatsächlich einzulösen.

Die meisten bisher bekannten kabellosen Ladesysteme basieren auf induktiver Energieübertragung. Dabei erzeugt eine Spule ein elektromagnetisches Feld (Sender), das von einer anderen Spule in der Nähe (Empfänger) aufgenommen wird. Hierbei werden Elektronen übertragen – es fließt Strom. Dieses Prinzip funktioniert aber nur über eine kurze Entfernung von wenigen Zentimetern. Deshalb müssen Smartphones wie das iPhone 8 oder Samsungs Galaxy S8 beim drahtlosen Energietanken direkt an der Ladestation liegen.

Anders bei WattUp. Die neue Technologie übermittelt Energie mithilfe von Radiofrequenzen, ähnlich wie ein WLAN-Hotspot. Nach Angaben von Energous kann ein einzelner Sender mehr als ein Dutzend Geräte – ob Wearable, Smartphone oder Tablet – gezielt anpeilen, um sie mit Strom zu versorgen. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Empfänger mit der nötigen WattUp-Elektronik ausgestattet sind.

Schon wird gemunkelt, dass Apple an der Technologie Interesse haben könnte. Zum einen verkündete Energous-Chef Steve Rizzone bereits Anfang 2017, seine Firma habe „mit einem dem der größten Consumer-Electronic-Unternehmen der Welt“ einen Vertrag abgeschlossen. Zum anderen ist der Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor ein offizieller Partner für das WattUp-System.

Ob an den Apple-Gerüchten etwas dran ist, könnte sich Anfang Januar bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas herausstellen: Dort will Energous den neuesten Stand seiner Technologie präsentieren. Bis dahin belässt es die Firma bei der vielversprechenden Vision, WattUp-Nutzer müssten sich nie mehr Sorgen über vergessene Kabel und Adapter machen.

„Mit dieser bahnbrechenden Entwicklung können User ihre WattUp-fähigen Apparate automatisch aufladen, ohne sie vom Handgelenk oder aus der Tasche zu nehmen“, erklärt Martin Cooper, Erfinder des Mobiltelefons und Aufsichtsratsvorsitzender bei Energous, in der Pressemitteilung zur FCC-Zertifizierung. Die Menschen wären dann davon befreit, „jemals wieder an das Aufladen ihrer Geräte denken zu müssen“.