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Wie Chinesen mit der Ethereum-Blockchain die staatliche Internet-Zensur umgehen

WIRED Staff 25.07.2018 Lesezeit 2 Min

Mit der Ethereum-Blockchain teilen Internetnutzer in China zurzeit einen investigativen Artikel, dessen Verbreitung die staatlichen Zensoren eigentlich stoppen wollten. In dem Text geht es um einen Skandal beim größten Impfstoff-Hersteller des Landes. Der Fall zeigt, warum Chinas Machthaber die Blockchain fürchten. Nur aus Sorge, den technischen Anschluss zu verlieren, ist die Technologie dort nicht völlig verboten.

Der Skandal sorgte am Wochenende in Chinas sozialen Netzwerken für Aufregung: Einer der größten Pharmahersteller des Landes hatte minderwertige Impfstoffe für Babys verkauft – nur um damit seinen eigenen Gewinn zu steigern. Hunderttausendfach lieferte die Firma Changchung Changsheng fehlerhafte Präparte zum Schutz vor Diptherie, Keuchhusten und Wundstarrkrampf aus.

Besonders schnell verbreitete sich bei WeChat und Weibo ein kritischer Text mit dem Titel „Der König der Impfstoffe“, geschrieben von einem Blogger mit dem Pseudony Beast, wie TechNode berichtete. Schon nach ein paar Stunden schritt dann allerdings die staatliche Internetaufsicht ein: Die Zensoren stoppten die Verbreitung des Textes – zumindest versuchten sie es.

Bereits am Sonntag, den 22. Juli, hatten Internetnutzer eine neue Möglichkeit gefunden, den Artikel doch noch zu lesen. Sie nutzen dafür die Ethereum-Blockchain. Denn dort hat ein User den Artikel in den Metadaten einer Transaktion mit der Kryptowährung abgelegt. Wie The Verge berichtet, schickte er sich dafür selbst 0,001 Ether mit einem Gegenwert von etwa 0,47 Dollar. Die Transaktion ist nun in der Blockchain festgehalten, für jeden Nutzer einsehbar und lässt sich auch von staatlichen Zensoren nicht einfach auslöschen.

Schon im April half die Blockchain gegen Zensur

Es ist nicht der erste Fall, in dem chinesische Bürger die Zensur ihres Landes mit der Blockchain umgehen: Im April hatten Studenten per Ethereum einen offenen Brief verbreitet, in dem es um Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs und Belästigungen an ihrer Hochschule ging. Der Text ist nach wie vor einsehbar, was für kritische Beiträge in China sehr unüblich ist.